Hightech aus Tuttlingen: So wurde der ultimative Vaporizer erschaffen

Die weltweite Cannabis-Community verehrt die Gründer von Storz & Bickel, denn die beiden Schwaben bieten Produkte an, die ihresgleichen suchen.

Treffen sich zwei Männer in Tuttlingen. Sagt der eine: „Ich will gerade den besten Vaporizer der Welt bauen.“ Sagt der andere: „Interessant, ich war gerade fünf Jahre lang in der Entwicklungshilfe in Peru und suche jetzt was Neues.“ Sagt der erste: „Gut, dann kannst du ja eigentlich jetzt auch mit mir in einem alten VW-Bus auf eine Cannabis-Messe in die Schweiz fahren, wo ich den Verdampfer ausstelle.“

Dieses Witz-Set-up klingt wie etwas, das sich eine gelangweilte studentische Aushilfskraft hinter dem Verkaufstresen vom Headshop zurechtträumt und dann mangels Pointe wieder verwirft. Aber die Pointe lieferte dann ein anderer: Denn neulich fand ein kanadisches Unternehmen dieses Produkt so reizvoll und gut, dass es Markus Storz und Jürgen Bickel, den beiden Tuttlingern, für ihre Pionierleistung im High-End-Vaporizer-Business Geld geboten hat. Viel Geld. 145 Mio. Euro haben Canopy Growth, immerhin das weltweit größte Cannabisunternehmen, im vergangenen Dezember lockergemacht, um das Unternehmen Storz & Bickel, kurz S&B, zu kaufen. Zur Einordnung: Die Firma, für die dieses Geld floss, fußt auf einem Produkt, das Volcano heißt und das Bickels Mutter einst im schwäbischen Idiom leicht entsetzt als „Haschöfele“ bezeichnet hat. Bickel sagt schulterzuckend: „Na ja, die hat zumindest sofort verstanden, worum es geht.“

Aber guter Punkt: Worum geht es eigentlich genau? Dazu müssen wir bei einem dritten Mann anfangen. Einem Mann aus Cleveland. Als Storz auf ihn aufmerksam wurde, lebte dieser dritte Mann in Amsterdam. Er nannte sich Eagle Bill.

Heißluftföhn und Bong

Das war im Jahr 1996. Storz, gelernter Druckvorlagenhersteller, blättert damals im Magazin „Der Hanf“. Storz ist begeisterter Tüftler. Er liest, dass besagter Eagle Bill eine Methode entwickelt hatte, ohne Nikotin Cannabis zu konsumieren. Der Nichtraucher Storz war begeistert.

Jürgen Bickel: Im Jahr 2000 traf er als 25-Jähriger auf Markus Storz. Schnell fiel ihm die Rolle des Verkäufers zu.

Bickel kann das Konzept etwas bildlicher beschreiben: „Eagle Bill hat einfach mit einem Heißluftföhn in seine Bong reingeblasen.“ Bickel lacht, weil Bickel, merkt man schnell, wirklich gerne lacht. Er lacht auch, weil er weiß, dass die Geschichte von ihm und Storz und ihrem mittlerweile legendären Vape-Produkt mit dem irrsinnigen Design und dem passenden Namen Volcano verdammt gut ist. Er lacht sicherlich auch, weil er gerade in einem wirklich schönen Meetingraum des Hauptquartiers im Gewerbepark Tuttlingen sitzt. Zur einen Seite geht der Blick in einen dichten Wald, der vielleicht schon Teil des Schwarzwalds ist, vielleicht nicht, so genau kennt keiner die Grenze. Zur anderen Seite sind andere Medizinproduktehersteller*innen benachbart, Fabrikan*innen von OP-Lampen, ernster, seriöser Wirtschaftsadel. Bickel kann das alles gut sehen, weil sein HQ so gut wie durchsichtig gebaut ist. Die Fenster deckenhoch. Weiß flutet das Licht des Spätsommermorgens durch die Produktionshallen. Von Eagle Bill bis in die State-of-the-Art-Fertigung von Vaporizern in einem architektonischen Vorzeigeobjekt, das bis ins Detail nach den Vorstellungen der Gründer gebaut wurde. Es ist schon verständlich, dass Bickel lacht.

Prototyping in der Schule

Storz jedenfalls machte sich damals an die Arbeit, um das Prinzip des Verdampfens zu erforschen. Das nötige Werkzeug war für ihn unbezahlbar, der Kegel des ersten Volcano wurde aus Aluminium gedrückt – schwere Arbeit. Deswegen ließ er einen Prototyp in der Tuttlinger Berufsschule anfertigen. Dort gab es einen alten Meister, „der war nett“, erinnert sich Bickel. Storz spendete anschließend Computer für die Schule. 1998 ließ er sich das Gerät patentieren.

Bickel kam dann im Jahr 2000 dazu, als er nach seiner Zeit bei der Entwicklungshilfe in Peru nicht so richtig wusste, wie es karrieretechnisch weitergehen sollte. Er hätte bei den Stadtwerken München anfangen können, aber die Aussicht, mit dem zehn Jahre älteren Storz in den VW-Bus zu steigen und dessen Volcano auf den großen Cannabis-Messen auszustellen, klang für einen Mann Mitte 20 einfach reizvoller.

Storz saß damals in einer Bude mit 16 Quadratmeter großem Lager. Es gab eine Halbtagskraft, die ab und an half, ein paar Volcanos zusammenzubauen, die für 999 Mark verkauft wurden. Manchmal gingen nur sechs oder acht Exemplare im Monat weg. Die karrte Bickel dann in seinem Seat Ibiza zur Post. Nach ein paar Monaten fragte er Storz, wie es denn mal mit Gehalt aussähe. Die beiden sind dann eine 50:50-Beteiligung eingegangen. Storz hatte eine Stimme mehr, „aber nur die ersten beiden Jahre“, sagt Bickel und lacht.


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