Nachhaltige Periodenunterwäsche? Das Startup Kora Mikino will die Menstruation enttabuisieren

Einmal im Monat blutet die Hälfte der Menschen. In der Regel (haha). Dann müssen oft Tampons oder Binden her, die das ganze Blut auffangen. Denn wenn nicht, könnte es peinlich oder unangenehm werden: sei es im Meeting, auf einer Party oder beim Einkaufen.

Wir haben mit Kora Mikino gesprochen, einem Startup aus Berlin, das den weiblichen Hygiene-Markt mit Menstruations-Unterwäsche aufmischen will. Gründerin Julia Rittereiser und Pressesprecherin Lisa Knüver sprechen im Interview über den Ruf der Periode und was die Periodenunterwäsche nachhaltig macht.

Eure Brand möchte die Menstruation revolutionieren. Beim Thema Perioden-Unterwäsche schrecken einige Frauen vielleicht noch zurück. Warum sind viele noch nicht so offen für alternative Menstruations-Mittel?

Lisa:​ Ich denke, es geht auf jeden Fall schon in die richtige Richtung, auch wenn wir da noch einen langen Weg vor uns haben. Es ist einfach so, dass die Periode allgemein noch tabuisiert ist: sie gilt als eklig, dreckig und vor allem als absolute Privatsache. Das liegt sicherlich auch an der Art, wie weibliche Körper in den Medien dargestellt werden. Da gibt es keine Krämpfe, Blähungen oder Blut im Schritt. Blut ist da auch nicht rot sondern blau, um niemandem auf den Schlips zu treten. Aber nur weil etwas nicht klinisch rein ist, muss es noch lange nicht schmutzig sein. Die Periode ist messy, aber sie ist Teil des Lebens von 50 Prozent der Menschheit.

Es ist ja schon fast ein bisschen revolutionär, als Frau den Arbeitgeber*innen zu sagen: “Sorry, ich kann heute nicht kommen, weil meine Menstruationsschmerzen mich umbringen.” Dafür braucht man Mut und muss mit Abwehr rechnen. Man muss sich erst mal wieder mit dem eigenen Körper anfreunden und dann auch lernen, für ihn einzustehen. Ich kann nur sagen, wer seine blutigen Panties von Hand auswäscht, der kommt auf jeden Fall in Kontakt mit sich selbst.

Bildquelle: Kora Mikino

Was sich sicherlich die meisten Frauen fragen: Wie genau fangen die Panties das Blut auf, ohne dass es ausläuft?

Julia: ​Die Panties haben im Schrittbereich zwei Lagen. Eine Lage nimmt das Periodenblut auf und die Lage darunter ist wasserundurchlässig und verhindert, dass das Blut durchsickert. Die Sauglage ist mit einer Silber-Technologie ausgerüstet, die in die Faser eingearbeitet ist und Bakterien- und geruchshemmend wirkt. So passen ca. 30ml, also in etwa die Menge von drei mittelgroßen Tampons, in die Panty.

Wie fühlt es sich an, dieses „freie Bluten“?

Lisa:​ Wunderbar! Mal ehrlich, für mich persönlich ist das so, wie es sein sollte. Das Blut will raus, also soll es fließen dürfen. Wer starke Schmerzen hat, oder sogar Endometriose, der kann sowieso kaum einen Fremdkörper ertragen, weil das die Krämpfe fördert. Außerdem hat man mit einer Panty das geringste Risiko, ein toxisches Schocksyndrom zu erleiden.

Nachhaltige Periode wird immer wichtiger in der Gesellschaft. Wie wollt ihr da als Brand herausstechen, zum Beispiel von Ooshi?

Lisa: ​Zunächst sind wir der Meinung, dass es durchaus Platz für zwei Marken gibt. Wir wollen die Kundinnen der Big Player von uns überzeugen, also die, die nur Tampons und Wegwerf-Binden kennen.

Was uns unique macht ist sicherlich unsere Herangehensweise: Wir glauben an Co-Creation all the way. Unsere Community entscheidet, welche Farben wir als nächstes launchen, welche Modelle sie haben möchte. In unserem Team gibt es keine Alphas, wir stehen alle ab und an vor der Kamera und sind sichtbar.

Dazu nehmen unsere Panties doppelt so viel Blut auf wie die von Ooshi und sind vegan.

Wie schafft ihr es, die Panties klimaneutral zu produzieren?

Julia:​ Wir produzieren regional in Deutschland und der EU. Für unseren Stoff verzichten wir auf Baumwolle und nutzen nachhaltiges MicroModal, dass aus europäischen Buchen gewonnen wird, die wiederum aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammen. Gedruckte Werbematerialien, Flyer und Verpackungsmaterialien reduzieren wir auf ein Minimum. Wer auf unsere Menstruations-Panties umsteigt, reduziert seinen CO2-Fußabdruck um geschätzte 95 Prozent.

Bildquelle: Kora Mikino

Welchen Vorteil hat die Perioden-Unterwäsche gegenüber dem Menstruations-Cup, der auch eine nachhaltige Alternative darstellt?

Lisa:​ Beide Produkte sind nachhaltig und langlebig. Da nehmen die sich nix. Viele kommen mit der Cup nicht klar, weil sie genormt ist und eben nicht in jedem Körper gut sitzt. Dazu kann, wie bereits erwähnt, ein Fremdkörper die Schmerzen auch verstärken. Cup und Panty werden aber zum Beispiel gerne kombiniert, oder wechseln sich an schwachen bzw. starken Tagen ab. Die Panty ist eben convenient, weil man ja eh eine tragen muss.

Habt ihr vor, in Zukunft weitere Panty-Modelle auf den Markt zu bringen?

Julia:​ Wir haben bereits drei Modelle auf dem Markt und mehrere in den Startlöchern. Das gleiche gilt für Farben, auch da haben wir unsere Palette schon erweitert. Wir sind ständig am Verbessern und Anpassen, auch weil wir eine super offene und treue Community haben, die uns sagt, was sie tragen will.

Ein Teil unseres Brand Namens ist auch bewusst “sustainable femcare” und nicht “Period Panty”, denn wir denken perspektivisch viel größer. Unser Ziel ist es, Europas größte Brand für nachhaltige Hygiene zu werden und dementsprechend wollen wir uns auch produktseitig aufstellen.


Simay Kocakaya

Simay studiert Medienmanagement und ist unsere Komma-Queen. Auch außerhalb des Journalismus liebt sie das Schreiben und verfasst bei einem guten Rotwein auch mal das ein oder andere Gedicht. Ansonsten hasst sie Koriander und nervt ihre Freunde ständig mit irgendwelchen Serien-Memes.

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