Tiktok: Wie ein Anwalt mit juristischem Content die Plattform aufmischt

Tiktok? Ja genau, das ist diese App, in der kleine Kinder witzige Videos drehen und so tun, als würden sie singen. Doch die Video-App bietet mehr als nur das. Insbesondere wegen der jungen User*innen haben Influencer*innen und Content-Ersteller*innen die Möglichkeit, eine enorme Reichweite und großes Marketingpotenzial zu erwirtschaften.

Auch der Anwalt Tim Hendrik Walter aus Unna kam nun auf die Idee, seine Inhalte den jüngeren Leuten näher zu bringen und erstellte kürzlich einen Tiktok-Account. Sein Benutzername: Herr Anwalt. Eigentlich hat sich Tim auf das Familienrecht spezialisiert, was aber weniger die Kids und mehr die Eltern interessieren würde. Auf Tiktok gibt er in seinen kurzen, aber informativen Videos Antworten auf Fragen, die ihm von seinen jungen Follower*innen gestellt werden. Wie viele Klassenarbeiten pro Woche sind erlaubt? Dürfen Lehrer Handys wegnehmen? Braucht ein Anwalt einen Anwalt? Darf die Polizei ohne Blaulicht über rot fahren? Ab wann darf ich ohne Eltern in den Urlaub?

Bildquelle: @herranwalt

Tim war schon vorher mit den Plattformen Youtube und Instagram vertraut, bevor er sich Tiktok widmete. Auf Youtube erstellt er weiterhin Jura-Videos und hat 18 Tausend Abonnenten. Da er immer offen für Innovationen ist, hatte er irgendwann die Idee, sein Format in kompakter Form, also in einminütigen Videos, einfach auf Tiktok vorzustellen.

„Warum nehme ich nicht einfach die Erfahrung von Youtube, die ich bisher gesammelt habe und probiere es einfach mal auf Tiktok. Dann hatte ich das erste Video hochgeladen und erst mal ist gar nichts passiert. Zwei Stunden lang. Und auf einmal ging es dann total ab.“

Tim Hendrik Walter

Auch deshalb ist es für den Anwalt kein hoher Aufwand, täglich Content für seine Follower*innen zu erstellen. Im Idealfall sollen zwei pro Tag online gehen: „Bei manchen Videos brauche ich tatsächlich nur drei Minuten. Ich habe das Setup hier und ein Zimmer, in dem ich die Videos schneide. Es kommt bei Tiktok tatsächlich nicht auf Schöpfungshöhe und Professionalität an. Das sehen die User*innen nicht so ernst, meines Erachtens.“

Tim hat mittlerweile 472 Tausend Follower*innen, 8.6 Millionen Likes und insgesamt 49 Millionen Aufrufe – und das in weniger als 2 Monaten. Dass die Plattform allerdings auch negative Schlagzeilen gemacht hat, wenn es um Datenschutz, Zensur und Privatsphäre ging, ist dem Juristen bewusst: „ Ich glaube, dass diese Plattform, die aus dem Ausland kommt, gar nicht mit unseren europäischem beziehungsweise mit dem deutschen Verständnis von Datenschutz direkt an die Sache rangeht, weil sie natürlich erst einmal global denken und sich dann mit der Zeit anpassen muss. Das haben wir ja bei Facebook oder Instagram auch erlebt. “

Mit seinen Inhalten will er zeigen, dass Tiktok auch geeignet ist, um Bildungsangebote an die neue Generation weiterzugeben und für Aufklärung zu schaffen. Diese Inhalte haben genauso das Potenzial, durch die Decke zu gehen, wie Katzenvideos oder Fails.

„Die User*innen haben meines Erachtens einen Einfluss darauf, wohin sich eine Plattform entwickelt. Wenn auch seriöse Player auf den Plan treten, kann das der Plattform guttun. Verhindern werden wir die Plattform nicht, wir können aber mithelfen, sie zu gestalten“, so der Anwalt.


Simay Kocakaya

Simay studiert Medienmanagement und ist unsere Komma-Queen. Auch außerhalb des Journalismus liebt sie das Schreiben und verfasst bei einem guten Rotwein auch mal das ein oder andere Gedicht. Ansonsten hasst sie Koriander und nervt ihre Freunde ständig mit irgendwelchen Serien-Memes.

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