Wie die Serie „Bad Banks“ die Fintech-Branche seziert und aktueller denn je ist

Die zweite Staffel der Serie „Bad Banks“ lässt die alte Finanzwelt hinter sich und taucht tief in die moderne Wirtschaft ein. Ein Gespräch mit den Beteiligten

Herr Kienle, die erste Staffel endet mit dem kompletten Crash der Wirtschaft. Wie findet man nach so einem Höhepunkt einen Anschluss?

Oliver Kienle, Autor: Das war schwierig. Wir wussten, das können wir nicht toppen. Ich habe die Figuren aber von Anfang an so angelegt, dass man mit denen weitermachen kann, dass die nicht auserzählt sind. Die Katastrophe der ersten Staffel, die Wirtschaftskatastrophe, muss in der zweiten Staffel emotional sein.

Christian Zübert, Regisseur: Es sollte sich nicht wiederholen. Wir haben dieses Mal mehr Innerlichkeit, es ist ein wenig erwachsener. Ich mag Serien, bei denen jede Staffel etwas Neues bietet und sich ein bisschen weiterentwickelt.

Paula Beer, Rolle der Jana: Für mich war das die Hauptfrage: Was ist in den sechs Monaten passiert, können die Zuschauer*innen nachvollziehen, was gerade los ist?

Jana Liekam (Paula Beer): Die Hauptfigur Jana Liekam versucht, „gut“ zu sein – und stößt dabei an ihre Grenzen. Der Crash passiert dieses Mal innerlich. (Foto: Fabrizio Maltese)

Deswegen auch der Schauplatzwechsel von Frankfurt nach Berlin? Quasi: Die alte Finanzwelt ist kaputt, her mit den neuen Ideen?

Zübert: Ich freue mich, dass es in eine Welt geht, die man noch nicht so kennt, schon gar nicht im Fernsehen.

Kienle: Ich habe lange mit meinem Hauptberater diskutiert, was man anknüpfend erzählen könnte. Der war damals in einem Fintech und meinte, dass alle gerade umdenken und die jungen Banker*innen den Anschluss suchen.

Albrecht Schuch, Rolle des Adam: Es war für mich wie ein Theaterstück, das eine Wiederaufnahme hat, plus neue Szenen. Die waren in diesem Fall alle rund um Startups, um Fintechs. Ich habe mich in zwei Berliner Inkubatoren rumführen lassen. Ich wollte wissen: Ist es für einen Banker wie Adam möglich, in diese neue Welt zu stolpern? Es war hilfreich, dass die Figur Adam auch keine Ahnung hat, wie man sich darin bewegt.

Zübert: Sogar Adam ist dort ein alter Sack – vom Mindset her.

Was haben Sie denn in dieser neuen Welt vorgefunden?

Beer: Es ist alles wahnsinnig professionell. Überhaupt nicht so, wie man sich Startups vorstellt. Alles ist darauf ausgerichtet, dass man dort gerne Zeit verbringt und eigentlich nicht rausgeht. Ruhezonen, Gym, Barbecue-Partys. Warum viele dann auch von Banken zu Fintechs gehen: Offenbar ist dann doch eine Art Lebensqualität wichtig. Klar arbeiten die noch immer viel, aber dann in einem anderen Gewand.

Schuch: Ja, es ist ein anderes Gewand. Mir wurde der Unterschied von Bank zu Startup oft so erklärt wie zwischen Einzelkämpfertum und Team. Aber unterm Strich bleibt Leistung. Du kannst dich in den Ruheraum zurückziehen, musst keinen Anzug tragen, guckst auf die Teamwand – aber am Ende bleibt es eine Maschine.

Oliver Kienle: Der Autor hat eine zweite Staffel geschaffen, in der die alte Finanzwelt auf junge, hungrige und missionsgetriebene Angreifer*innen trifft. (Foto: Natalie Schaaf)

Kienle: In diesem Bereich prallten mehrere Welten aufeinander, Menschen, die überhaupt erst einmal lernen müssen, miteinander zu reden. Dann der Konflikt Alt gegen Jung. Erfahrung gegen Zukunft. Nachhaltigkeit gegenüber kurzfristigen Profiten. Diese Konflikte haben wir erst einmal herausgearbeitet.

Zübert: Und zusätzlich kämpfen die Leute noch gegen sich selbst. Die wollen zwar irgendwie gut sein. Die haben Sneaker an. Die wollen ein gutes und produktives Leben führen, aber in sich drin sind die eben doch wie die Banker*innen vor zehn Jahren, arbeiten genau so krass und hart. Alle kommen aus Business-Schools. Hunger und Erfolgsdurst sind nach wie vor gleich. Die Figur Jana leiht sich das Gutsein kurz aus – aber sie kann nicht anders, als den Erfolg zu suchen. Das ist spannend.

Bleiben wir bei der Hauptfigur Jana. Wie verkauft man den Verantwortlichen, dass es in der Serie keine Figur gibt, die eine Art moralischen Kompass bietet?

Kienle: Das ist die größte Herausforderung beim Schreiben. Es geht nicht um Sympathie. Wir Menschen erkennen, ob eine Figur authentisch ist oder nicht. Jana leidet selbst darunter, wie sie ist. Das verstehen die Zuschauer*innen, aber es benötigt auch eine ausführliche Ausarbeitung.

Zübert: Aber das ist auch ein Wagnis. Ich habe von einigen gehört – gerade von Frauen –, dass sie nicht mehr mitgehen, weil ihnen Jana zu krass ist. Aber das ist natürlich legitim.

Kienle: Aber sie schauen es ja zu Ende.

Zübert: Stimmt.

Und aus der Sicht der Performance?

Beer: Für mich war die Rolle spannend, weil ich mit Jana zum ersten Mal überhaupt eine Figur gespielt habe, die einen Job hat.

Schuch: Es ist schon reizvoll: Was machen Banker*innen aus, die das System tragen? Die sind zwiespältige Persönlichkeiten, bekommen aber in der Serie immer auch was Greifbares und Nachvollziehbares. Die dunkle Seite des Menschen hat ja immer etwas Faszinierendes.

Christian Zübert: Der Regisseur hat vorab intensiv in der Fintech-Welt recherchiert, sogar freiwillig Zeit auf einer Konferenz verbracht, um die Atmo aufzusaugen. (Foto: Wolfgang Ennenbach)

Zübert: Man kann das ja auch nicht mehr machen: die Hauptfigur als moralisch unbefleckter Held. In einem Drama ist niemand schuld, es gibt kein Gut oder Böse. Was schuld ist, ist das Leben. Jana kann nicht anders.

Kienle: Was wir bei Jana nicht alles in der ersten Staffel probiert haben, weil wir das Feedback bekamen, dass sie zu unsympathisch wird. Ich habe alles probiert: Da war mal der Vater, den sie beeindrucken wollte. Da war mal der drogensüchtige Bruder, wegen dem sie das Geld brauchte. Aber das ist der größte Fehler. Weil du damit die Figur entschuldigst – und sie nicht erzählst.

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