Life & Style Wie die Serie „Bad Banks“ die Fintech-Branche seziert und aktueller denn je ist

Wie die Serie „Bad Banks“ die Fintech-Branche seziert und aktueller denn je ist

Setzt das mündigere Zuschauer*innen voraus? Auch dass Begriffe wie „Short Position“ und „Entrepreneur in Residence“ völlig ohne Erklärung in die Dialoge fließen?

Zübert: Oliver hat es hinbekommen, dass man den Menschen folgt. Du musst die Bowling-Regeln nicht verstehen, wenn du begreifst, dass einer unbedingt das Spiel gewinnen will. Du musst wissen, was emotional für diesen Menschen dranhängt. Mir ging es in der ersten Staffel auch so: Ich habe von den wirtschaftlichen Dingen nur die Hälfte verstanden, war aber an den Figuren dran und hatte das Gefühl, dass die Leute, die das machen, ein bisschen schlauer als ich sind. Das ist eine Gratwanderung, ganz überschreiten darf man das nicht, aber das ist mutig und modern.

Beer: Ich hatte ganz am Anfang die Befürchtung, dass die Serie nur Banker*innen interessiert. Aber es wird ihr Antrieb gezeigt. Und jeder will mehr über das System erfahren, in dem wir uns jeden Tag bewegen, das uns im Griff hat und das für die menschlichen Intrigen sorgt. Das spricht an. Man kann in einen Abgrund schauen.

Schuch: Absolut. Es betrifft jeden. Der Geldmarkt. Das Konto. Finanzieren. Investieren. Das Haus für die Familie. Und es ist gleichzeitig ein großes Mysterium. Mit der Karte kann man alles bezahlen, aber was passiert dahinter? Was geschieht mit dem Geld, welche Brücken werden da geschlagen?

Interessante Diskrepanz: Arbeitnehmer*innen fordern immer mehr Perks wie flexible Arbeitszeiten und volle Kühlschränke im Büro, schauen dann aber mit großer Lust den Figuren in „Bad Banks“ dabei zu, wie sie sich kaputtmachen. Wieso?

Beer: Ich habe es mir mit Verführung erklärt. Man kann zu allem Ja und Nein sagen, aber diese Figuren sagen zu sehr viel Ja. Sobald die Prägung extremer ist als die des Durchschnittsmenschen, ist es gleich interessant.

Zübert: Die Leute, mit denen ich vorbereitend gesprochen habe, von denen hatte ich nicht den Eindruck, dass die eine softe Arbeitswelt brauchen.

Adam Pohl (Albrecht Schuch): Spielt die Rolle des Adam Pohl, eines Bankers, der sich im scheinbar hierarchielosen Berlin neu orientieren muss. (Foto: Fabrizio Maltese)

Kienle: Die Gründerszene ist ein schönes Beispiel dafür, dass Menschen sich einbilden, freier zu arbeiten, dabei arbeiten sie noch mehr – haben aber subjektiv das Gefühl, freier zu sein. Kenne ich ja von mir selber: Ich arbeite sehr viel mehr als alle meine Kumpels, die einen festen Job haben. Aber man darf das subjektive Gefühl nicht unterschätzen, weil man seine Arbeit für sich selber wertschätzt.

Zübert: Diese alten Banker*innen in Frankfurt, von denen ich einige kannte, denen ging es echt oft nur um Geld und Status. Bei den jungen ist das erste Wort „Selbstverwirklichung“. Die wollen was Bleibendes hinterlassen. Ich glaube, auch Jana geht es nicht um Geld, die will sich spüren. Diese Leere auszufüllen, das können ganz viele Menschen nachvollziehen.

Beer: Wir haben bei der Recherche einen Mann begleitet. Es war 18 Uhr, und du hast gemerkt: Bei dem ist gerade Halbzeit.

Schuch: Das ist die Faszination der Serie: Wie Leute es schaffen, mit dem Druck umzugehen, den Kopf über Wasser zu halten. Das betrifft Banker*innen wie Postbot*innen – oder Schauspieler*innen.

Beer: Nur weil ich 90 Stunden die Woche arbeite, heißt das nicht, dass ich ein besseres Leben führe oder glücklicher bin, das steht aber so im Raum.

Haben Sie aus der Recherche in der digitalen Wirtschaft etwas für die eigene Arbeit gelernt?

Schuch: Ich habe nach der ersten Staffel endlich meine Bank gewechselt, ich wollte eine, die grüner aufgestellt ist.

Kienle: Ja. Der Ansatz, das beste Produkt zu wollen und das auch schnell und professionell umzusetzen, das hat mich begeistert. Es war angenehm, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die das Größte wollen und die Nachfrage erfüllen.

Beer: Mich hat anfangs eher fasziniert, dass sich Menschen derart für Arbeit begeistern können. Dann habe ich es aber verstanden: die Abläufe, der Vorgang von Idee zu Produkt, die andauernde Optimierung – das ist wie Tetris.

Zübert: Wie schnell die sind. Bei uns in der Filmbranche ist es so, dass man mal ein bisschen Zeit verstreichen lässt, bis man antwortet. Das ist eben cool – man gibt sich einen leicht unprofessionellen Anstrich. In der Fintech-Branche hast du binnen einer Stunde auf alles eine Antwort bekommen. Darauf konnte man sich wahnsinnig gut verlassen.

Hat jemand während der Dreharbeiten mal kurz über einen Karrierewechsel nachgedacht?

Beer: Ich fand das wie gesagt schon nicht uninteressant. Überhaupt merke ich über meinen Job als Schauspielerin, dass ich mich für viele Sachen begeistern kann. Aber vielleicht nur für ein Jahr.

Schuch: Ich wollte erst Balletttänzer werden, dann Tour-de-France-Fahrer. Ich bleibe jetzt erst mal beim Schauspiel.

Freunde, die neue Ausgabe von BUSINESS PUNK ist da! Oh yeah! Wir haben uns umgesehen und festgestellt: Mag in der kommenden Rezession der freundliche New-Work-Coach mit seinen Ideen aus dem Meeting gelacht werden, das Green Biz hingegen ist mittlerweile zu weit fortgeschritten, als dass sich Konzerne und Startups erlauben könnten, auch in schweren wirtschaftlichen Zeiten Begriffe wie Sustainability oder Corporate Social Responsibility nicht ernsthaft zu besetzen. JETZT AUSGABE SICHERN!

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