„Unser Ziel: eine Million Plastikflaschen in den Haushalten einsparen“

Plastikmüll ist ein globales Problem, das wir dringend angehen müssen. Das steht fest. Doch es ist manchmal gar nicht so einfach, im Alltag auf Plastik zu verzichten, gerade bei Produkten, die es in allen Supermärkten ausschließlich inklusive Plastikverpackung gibt. So wie herkömmliche Reinigungsmittel für Bad oder Glas.

Nicolas Pless und Jannes Meier haben es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Problem zu lösen. Mit ihrem Startup Ecotab stellen sie kleine Tabs her, die in Wasser aufgelöst ein Reinigungsmittel ergeben. Das Besondere: Ihre Tabs sind frei von Mikroplastik, biologisch abbaubar und kommen ohne Phosphate aus. Im Interview erzählt Nicolas Pless, welche Mission sich hinter den Produkten verbirgt und warum die Ecotabs enormes Potenzial haben.

Nicolas, ihr habt die Ecotabs und die dazugehörigen Mehrweg-Flaschen erfunden – die nachhaltige Alternative zu herkömmlichen, chemischen Reinigungsmitteln. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Ich habe Chemie und Verfahrenstechnik studiert und mich damals schon sehr viel mit Kunststoffrecycling auseinandergesetzt. Mit Ecotab fing dann alles an, als ich 2018 nach China gereist bin. Fakt ist: Es gibt eigentlich kein Verfahren, das Kunststoff wirklich gut recycelt, darum ist die einzige sinnvolle Option die Plastikvermeidung.

Was ist damals in China passiert?

In China war ich geschockt, wie die Menschen mit Kunststoff umgehen. Lebensmittel werden dort drei- bis viermal in Plastik eingepackt, Plastikmüll gibt es an jeder Ecke in Massen. Über dieses Thema habe ich mich lange mit Jannes, der mein Arbeitskollege bei einem anderen Startup war, ausgetauscht, bis wir beschlossen haben, die Plastikvermüllung aktiv anzugehen. Unsere erste Idee waren nachhaltige Waschmittel, worüber wir dann letztendlich auf unsere jetzigen Reinigungsmittel gekommen sind.

Was können eure Produkte, was herkömmliche Putzmittel nicht können?

Unsere Ecotabs haben zwei entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen, chemischen Reinigungsprodukten: Zum einen brauchen wir für unsere Reinigungsmittel keine Einwegplastikflaschen. Die Ecotabs in Tablettenform werden einfach in Leitungswasser, das in unsere Flaschen oder eigene andere Flaschen gefüllt wird, aufgelöst. Dadurch sparen wir nicht nur die Plastikflasche an sich, sondern auch noch den unnötigen Transport von Wasser. Denn aktuell bestehen chemische Reinigungsmittel zu 90 bis 95 Prozent aus Leitungswasser, das für die Herstellung der Putzmittel durch ganz Europa gefahren wird. Die Folge: hohe Transportkosten und ein noch höherer CO2-Ausstoß.

©ecotab

Was ist der zweite Vorteil?

Verbraucher*innen können mit den chemischen Inhaltstoffen in Putzmitteln oft nichts anfangen. Auf dem Etikett einer klassischen Reinigungsflasche gibt es eine unübersichtliche Liste unzähliger Inhaltsstoffe, die die Verbraucher*innen noch nie gehört haben. Wir hingegen setzen auf natürliche Inhaltsstoffe, die qualitativ hochwertige Reinigungsmittel ergeben.

Aber gerade Badreiniger sollten sehr hartnäckig sein, damit der Schmutz vollständig entfernt wird. Da sind aggressive, chemische Mittel doch die erste Wahl.

Uns ist natürlich wichtig, dass wir keinen großen qualitativen Abstrich im Vergleich zu aggressiven, chemischen Mitteln machen. Diese Chemiekeulen reinigen am Ende des Tages vielleicht marginal besser als unsere Ecotabs, aber auf der anderen Seite können dadurch Wasserorganismen getötet und geschädigt werden, die Stoffe sind nicht biologisch abbaubar und Chemikalien gelangen ins Abwasser. Dadurch wird insgesamt ein großer Umweltschaden verursacht. Als Verbraucher*in muss ich mich entscheiden: Ist 99,9-prozentige Sauberkeit für mich ausreichend oder nehme ich einen größeren ökologischen Fußabdruck für 100 Prozent in Kauf.

Wie groß ist denn das Einsparungspotenzial eurer Tabs?

Für 2020 ist unser Ziel, eine Million Plastikflaschen in den deutschen Haushalten einzusparen. Das ist ein ambitioniertes Ziel, aber das können wir schaffen. Wenn wir in Deutschland von 42 Millionen Haushalten ausgehen und jeder Haushalt 30 bis 40 Einwegplastikflaschen für Reinigungsmittel im Jahr nutzt, sind das eine Milliarde Plastikflaschen pro Jahr. Für die Verbraucher*innen bedeutet das: Wenn man von einer 750-Milliliter-Flasche auf einen Ecotab umsteigt, spart man 92 bis 94 Prozent Verpackung ein. Dazu kommt der hohe Anteil an CO2-Ausstoß, der eingespart wird, wenn nur Tabs und nicht ganze Flaschen transportiert werden.

Ihr habt schon ordentlich Konkurrenz. Auf der einen Seite von Unternehmen, die andere nachhaltige Putzmittel herstellen, auf der anderen Seite von Startups wie ihr, die ökologische Tabs entwickeln.

Wenn Unternehmen nachhaltige Reinigungsmittel herstellen, die dann aber in Einwegplastikflaschen verpackt werden, ist das ein guter Ansatz, aber mehr auch nicht. Wir haben deren Konzept weitergedacht. Unsere Mehrweg-Flaschen halten ein Leben lang. Mit anderen Startups, die ebenfalls nachhaltige Reinigungsmittel entwickeln, stehen wir natürlich im Austausch. Wir finden es super, dass es auch andere Hersteller mit der gleichen Mission gibt.

©ecotab

Dann gibt es natürlich noch die Option für die Verbraucher*innen, Reinigungsmittel aus einfachen Hausmitteln selbst herzustellen.

Das ist auch sehr spannend. Einige Kunden haben uns auf die Möglichkeit auch schon öfter angesprochen. Das ist am Ende eine einfache Convenience-Frage. Ich bin der Meinung, dass nicht alle Menschen die Erfahrung, Zeit und Lust haben, sich ihre Reinigungsmittel selbst herzustellen. Für diese ist Ecotab eine gute nachhaltige Alternative.

Könnt ihr euch auch vorstellen, andere Produkte mit einer ähnlichen Mission zu entwickeln?

Erst mal ist uns wichtig, dass wir unsere jetzige Produktpalette kontinuierlich weiterentwickeln, damit den Endverbraucher*innen die beste Option geboten wird. Darüber hinaus arbeiten wir an neuen Produktlinien, die letztlich das Tablettenprinzip auf andere Bereiche des Haushalts übertragen. Ich kann nur so viel sagen: Es handelt sich um Haushaltsprodukte, die im Alltag viel Wasser und Plastikmüll verbrauchen und dementsprechend verbessert werden müssen. Mehr verrate ich noch nicht.


Katharina Boecker

Katharina hat Germanistik und Anthropologie in der westfälischen Provinz Münster studiert, welche sie für den Journalismus verlassen hat. Sie lebt jetzt in Berlin und sammelt dort an allen Ecken Inspirationen fürs Schreiben - und fürs Leben im Allgemeinen. Wenn sie nicht gerade nach vergessenen 80er-Hits im Internet sucht, interessiert sie sich für Politik, Popkultur und Sport.

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