Verena Pausder im Interview: „Es gibt nicht nur alte, Weiße Männer und junge, innovative Frauen“

Verena Pausder gehört zu den bekanntesten Gesichtern der Gründerszene. Jetzt ist die Unternehmerin und Expertin für digitale Bildung auch noch Buchautorin. Ihr Buch „Das neue Land. Wie es jetzt weitergeht!“ skizziert ein Zukunftsland, das unser Leben mit neuen Ideen und Technologien verändern soll. Im Interview verrät Verena, wie diese Veränderungen konkret aussehen werden und was jede Generation dafür tun muss.

Verena, dein erstes Buch mit dem Titel „Das neue Land. Wie es jetzt weitergeht!“ ist gerade erschienen. Was hat es mit dem „neuen Land“ auf sich?

Das neue Land ist ein Sinnbild für Innovation und Veränderung. Es geht darum, wie wir eine Gesellschaft schaffen können, die progressiv, innovativ und offen gegenüber Technologien ist. Wir wollen unser Land voranbringen, aber das können wir nicht, wenn wir nur anderen die Entscheidungen überlassen. Wir können nicht die Verantwortung der Zukunft bei Politiker*innen abladen. Bestimmte Bereiche müssen eine stärkere Stimme bekommen, darunter zum Beispiel die Startup-Szene.

Wann beginnt das „neue Land“?

Teilweise befinden wir uns schon im neuen Land. Im Buch merkt man an einigen Stellen, dass es bereits fantastische Nachrichten aus diesem neuen Land gibt. Aber leider schlägt auch immer wieder das alte Land zu. Damit meine ich das aktuelle Mindset, das aus meiner Sicht auf den Prüfstand gehört.

Wie sollen diese Veränderungen aussehen?

Es reicht nicht, zu sagen, dass das neue Land mutig, kreativ und innovativ ist. Darunter kann sich niemand etwas Genaueres vorstellen. Deswegen habe ich mich für verschiedene Bereiche wie z.B. Bildung, Digitalisierung, Gleichberechtigung, Klimaschutz und Unternehmertum entschieden. Zu jedem Bereich gebe ich Vorschläge, wie das neue Land dort erweckt werden kann. Die gemeinsame Klammer über allen Kapiteln setzt sich aus Mut, Ausprobieren und Scheitern zusammen.

Welche Verantwortung tragen wir alle in diesen Bereichen?

Wir haben eine unglaublich große Verantwortung. Auch die Generationen vor uns hatten schon Verantwortung, aber noch nie kamen so viele globale Themen zusammen wie heute. Deshalb möchte ich den Verantwortungssinn in den Menschen wecken. Viele fühlen sich gelähmt, weil sie nicht wissen, wie sie sich einbringen sollen. Mein Appell ist: Nehmt euch einen Bereich vor, in dem ihr die Expertise und das Netzwerk habt und engagiert euch dort ernsthaft.

© Murmann Verlag

Wie wichtig ist es für dich, dass vor allem Frauen sich einbringen?

Alle sind gleichermaßen in der Pflicht. Aber es gibt viel zu wenig Frauen, die an der Spitze stehen. Deshalb müssen gerade Frauen lauter werden. Da können wir uns von jungen Frauen wie Luisa Neubauer, Diana Kinnert oder Anja Blacha eine Scheibe abschneiden. Diese Frauen setzen sich gesellschaftspolitisch total ein, obwohl sie beruflich noch nicht alles erreicht haben.

Gerade zwischen den Generationen herrscht bei einigen Themen großes Konfliktpotenzial. Wie sollten sich die verschiedenen Generationen verständigen?

Wir werden die Probleme nicht Generation für Generation lösen können. Wenn wir eins aus der Coronakrise lernen können, dann, dass wir Teams diverser besetzen und mehr Meinungen zu Wort kommen lassen müssen. Alt muss mit Jung sprechen, Politik mit Wirtschaft und Analog mit Digital. Denn am Ende wird es nur funktionieren, wenn es einen gemeinsamen Konsens gibt. Wir müssen mehr miteinander reden und uns weniger voneinander abgrenzen. Es gibt nicht nur alte, Weiße Männer und junge, innovative Frauen.

Das heißt, du setzt dich vor allem für den Bereich Gleichberechtigung ein?

Als 41-jährige, dreifache Mutter muss ich das. Ich möchte, dass wir Frauen in Zukunft mehr mitmachen, damit die Führungsetagen in der Wirtschaft weiblicher werden. Und das nicht als Selbstzweck, sondern weil Studien belegen, dass gemischte Teams bessere Ergebnisse bringen. Ich bleibe aber beim Thema Gleichberechtigung stehen – Digitalisierung und Klimaschutz sind ebenfalls wichtige Themen, die ich in meinem Buch zur Priorität mache.

Welche Bereiche sind dir noch wichtig?

Ich bin Unternehmerin. Ich gehe Dinge an und löse gerne Missstände. Gründen ist für mich eine Demokratisierung von Wohlstand. Wenn wir es schaffen, dass jede*r gründen kann, dann verteilt sich das Vermögen in diesem Land auch anders. Unternehmertum ist also auch sehr stark in mir. Ein weiterer sehr wichtiger Bereich, für den ich mich seit Jahren engagiere, ist die digitale Bildung. Wir müssen Bildung maximal fördern und veredeln, weil Bildung der einzige Rohstoff ist, den wir haben.

Welche Zielgruppen hast du für dein Buch im Kopf?

Ich habe lange überlegt, ob ich das Buch für Gleichaltrige, Frauen oder Bildungsinteressierte schreibe. Aber eigentlich habe ich es für alle geschrieben. Ich mache es so, wie in der Speakers Corner im Hyde Park in London. Dort stellen sich Menschen zu jeder Tageszeit hin und fangen einfach an zu reden, ohne zu wissen, wer zuhört. Genauso mache ich es auch. Ich weiß nicht, wer es liest, aber sicher ist, es darf nicht nur meine Blase sein.  

Was können die Leser*innen tun, wenn sie nach deinem Buch aktiv werden wollen?

Dafür gebe ich im Schlusskapitel konkrete Vorschläge. Ich will vermitteln, dass man nicht nur aktiv werden kann, wenn man ein großes Sprachrohr hat, in der Politik wirkt oder wohlhabend ist. Ich gebe für alle Beispiele, wie es gleich losgehen kann. Denn: Was auch immer du bist oder machst, du hast einen Hebel. Du musst dich jetzt nur trauen, diesen Hebel umzulegen.


Katharina Boecker

Katharina hat Germanistik und Anthropologie in der westfälischen Provinz Münster studiert, welche sie für den Journalismus verlassen hat. Sie lebt jetzt in Berlin und sammelt dort an allen Ecken Inspirationen fürs Schreiben - und fürs Leben im Allgemeinen. Wenn sie nicht gerade nach vergessenen 80er-Hits im Internet sucht, interessiert sie sich für Politik, Popkultur und Sport.

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