Leadership & Karriere Augmented Reality? Wie diese App unsere Videocalls evolvieren könnte

Augmented Reality? Wie diese App unsere Videocalls evolvieren könnte

Phil Libin, der ehemalige CEO und heutige Vorstandsvorsitzende von Evernote, hat eine neue App namens „mmhmm“ entwickelt – mit ihr kann man Videocalls mit Hilfe von unterschiedlichen Hintergründen, Präsentationsmöglichkeiten und Spielereien spannender und unterhaltsamer gestalten.

Im Interview hat er verraten, wann ihm diese Idee kam, was Theater und Film mit Videocalls zu tun haben und was er für sein eigenes Auftreten gelernt hat. Wir sprechen über Zoom und nutzen beide ziemlich bunte, farbenfrohe Hintergründe von mmhmm – beinahe hätte ich denselben wie er gewählt.

Was ist hinter dir, was versteckst du mit deinem digitalen Hintergrund?

Nichts Besonderes, ich bin in meinem Apartment – seit März bin ich hier eingesperrt. Deshalb haben wir angefangen, alles ein bisschen weniger langweilig zu machen.

Also hattest du die Idee für mmhmm während der Pandemie?

Ja genau, wir haben im Mai angefangen, daran zu arbeiten, als wir bereits zwei Monate im Lockdown waren. 

Und wie lang habt ihr dann daran gearbeitet?

Ich würde sagen, insgesamt etwa sechs Monate. Alles ging super schnell, es hat eigentlich nur als Joke angefangen. Wir haben herumgesponnen, um alles ein bisschen interessanter zu machen und jetzt sind wir ein ganzes Team mit fast 50 Personen. 

Warum heißt die App mmhmm?

Wir wollten Leute zum Lächeln bringen, das fehlt der Welt im Moment ein bisschen. Ich mag den Namen vor allem deshalb, weil er super einfach auszusprechen ist, wenn man nicht darüber nachdenkt und umso schwerer, wenn man es bewusst sagen möchte – dann halte ich eine Sekunde inne und überlege, wie betone ich es, wie muss es klingen. Es ist also jedes Mal, wenn man den Namen sagt, eine kleine Mikro-Performance. 

Und es ist auch ein Zeichen dafür, dass Leute zuhören und aufmerksam sind. Was ist dein liebstes Feature in der App? 

Heute ist es die „Big Hand“-Funktion, die wir jetzt releast haben. Wenn ich meine Hand hebe, dann wird meine Geste erkannt und dadurch kann ich kommunizieren, ohne etwas zu sagen. Es sind also viele Sachen, die einfach und witzig, aber genauso hilfreich sind. 

Wie hat sich die Idee vom Anfang bis jetzt entwickelt? 

Ich hatte dieses kleine, grüne Campinghandtuch – ich weiß gar nicht, wieso ich das habe, ich war noch nie campen. Das habe ich an die Wand hinter mich getan, um während Meetings Bilder und Fotos drauf zu projizieren, sodass die Leute schmunzeln mussten. Ich wollte alles eben ein bisschen interessanter machen als es normalerweise ist und dann haben wir begonnen, damit zu spielen. 

Und von welcher Idee musstest du dich verabschieden, was habt ihr am Ende nicht umgesetzt? 

Ich glaube, jedes Mal, wenn man etwas entwickelt, geht es vor allem auch darum, was man am Ende nicht verwendet oder nutzt. Es sind immer Tausende von Ideen, die sind sehr einfach, Beschränkungen hingegen sind schwieriger. Wir haben vor allem die Fuseful-Guideline als Test verwendet. Jedes Mal, wenn wir eine Idee hatten, haben wir uns gefragt, ob es Fun und useful ist. 

Was glaubst du, wie sich Videocalls in den nächsten Monate verändern werden? 

Ich glaube, sie werden sich enorm verändern. Jedes Mal, wenn es eine neue Technologie gibt, versuchen die Leute, die alte Realität mithilfe dieser Neuerung zu rekreieren. Als beispielsweise Filme eingeführt wurden, hatten die Menschen zwar die Kameras, sie wussten allerdings nichts über Filme. Es gab Theater, also Schauspieler*innen auf einer Bühne, deswegen waren die ersten Filme lediglich ein Abbild dessen.

Dasselbe war mit anderen Veränderungen. Bei Evernote, als das 2007 rauskam, war die große Veränderung Smartphones. Die Leute wussten, wie sie eine Software für den PC machen, also gab es am Anfang einfach eine kleine Version für PCs. Erst später wurde die Smartphone-Software dann, wie sie sein sollte.

Und genau das passiert gerade bei den Videocalls. Normalerweise sitzen Leute gelangweilt an einem Meetingtisch, also wurde überlegt, wie kann man diese gelangweilten Leute am PC in einem digitalen Meeting zusammenbringen. So ist der aktuelle Stand bei Videocalls, das ist sehr stupide und sehr „First Generation Thinking“.

Und wir überlegen uns, wie wir mit etwas Neuem kommen können und wie es sein sollte. Ich glaube, wir haben diese langweiligen Videomeetings in einem Jahr nicht mehr. Das wird eine Mischung aus Live, vorher aufgenommenen Parts und vielen Augmented-Reality-Features – so wie die Gesten. 

Die App bietet zahlreiche Möglichkeiten, sowohl Präsentation zu gestalten als auch sich selbst individuell darzustellen.

Was müssen die Leute hinsichtlich Videocalls noch verstehen oder lernen?

Wie man in Videocalls auftritt, denn es funktioniert nicht genauso wie offline. Also haben wir beispielsweise versucht, uns von Leuten etwas abzuschauen, die sowieso auf der Bühne stehen und performen. Welche Tools nutzen sie für sich? Manche verstehen schnell, dass sie unterhalten müssen.

Was hast du für deine eigene Performance gelernt?

Viel. Ich habe viel mehr über Timing gelernt, aber auch darüber, wie ich beispielsweise auf Dinge zeige, welche Gesten ich nutzen sollte und wo ich hinschaue. Jetzt fühlt es sich sehr natürlich an. 

Du hast am Anfang gesagt, du möchtest Menschen mit der App zum Lächeln bringen. Was hat dich heute zum Lächeln gebracht? 

Ich glaube, dass wir am Anfang so lange gebraucht haben, bis die Technik funktioniert hat, obwohl wir alle schon so lange Zoom nutzen. Das fand ich wirklich witzig. 

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