Innovation & Future Clubhouse-Kolumne #1: Reden ist Silber, Moderator*in sein ist Gold

Clubhouse-Kolumne #1: Reden ist Silber, Moderator*in sein ist Gold

Seit zwei Tagen bin ich bei Clubhouse – meine Bildschirmzeit ist seitdem ebenso wie die Download-Zahlen der App in die Höhe geschossen. Nach dem Struggle, einen Invite zu erhalten, die App zu verstehen und der ersten Euphorie, versuche ich mal, ein persönliches Fazit zu ziehen.

Ob ich jetzt schon von Clubhouse begeistert bin? Klar.

Wann immer es etwas Neues gibt, will ich es ausprobieren. Ich lade pro Woche mehrere Apps runter, scrolle, wische und tippe mich durch – um mir direkt selbst ein Bild davon zu machen. Clubhouse hab ich mir schon im Dezember runtergeladen; am Samstag ging der Hype aber gefühlt erst in Deutschland los. Ich bin über die Instagram-Story von Ann-Katrin Schmitz auf eine Telegram-Gruppe aufmerksam geworden, hab mir innerhalb von zehn Minuten ein Invite ergattert und losgelegt. 

Okay, jetzt war ich drin und musste mich erstmal zurecht finden. Man kann zu zweit in einem Room sprechen, Talks von anderen besuchen, ihnen zuhören und sich selbst zu Wort melden, aber auch eigene, öffentliche Talks veranstalten. Spannend. Und überfordernd.

Fühlt sich an wie eine Mischung aus Podcast und Talkshow

Sicherlich ist es nice, dass man eine Social Media-Plattform zwar übers Smartphone nutzt, allerdings nicht aktiv auf den Bildschirm schauen muss. Das ist wie eine Mischung aus Podcast, Talkshow und Telefonat – und man hat das Gefühl, als Zuhörer*in ein wichtiger Teil davon zu sein. Am Ende nutzt man das Smartphone aber immer in irgendeiner Form und vor allem dann, wenn man andere Rooms besuchen möchte oder die Moderator*innen oder Zuhörer*innen auschecken will.

Natürlich muss man die App kritisch hinterfragen – wie eigentlich alles

Nach der ersten Euphorie und den ersten Posts unter dem Hashtag #Clubhouse hagelte es auch reichlich Kritik. Und das ist gut so, denn bei aller Begeisterung gibt es gleichzeitig immer eine Schattenseite.

Werden wir mehr am Smartphone hängen? 

Sicher. Die App ist nunmal auf dem Smartphone installiert, ergo nutzen wir es auch mehr – mit oder ohne aktiven Blick auf den Bildschirm. 

Geht es auch hier wieder um Follower*innen und Reichweite? 

Klar. Während ich erfreut darüber war, die Hunderter Marke am zweiten Tag geknackt zu haben, haben andere längst die 10.000 geschafft. Und hier beginnt das virtuelle Vergleichen, das wir von anderen Plattformen wie Instagram und TikTok kennen. Allerdings will ich dazu sagen, dass das Vergleichen zwar selten gut ist und wir selbstverständlich lernen müssen, das nicht zu tun – es aber offline und vor Instagram und Co. auch schon getan haben. 

Schließt die App viele Menschen aus? 

Eindeutig. Erstmal ist sie nur für iOS-Nutzer*innen verfügbar, man muss jemanden kennen, der*die angemeldet ist oder einen Invite schickt und Gehörlose können die Hauptfunktion der App nicht nutzen, da alle Inhalte außer die Headlines lediglich über Audio zugänglich sind. 

Trotzdem sollten wir der App eine Chance geben, denn sie steckt noch in der Betaphase und nichts läuft von Anfang an perfekt. 

Ich für meinen Teil habe mir überlegt, wie ich die App sinnvoll nutzen kann. Welche Themen mir wichtig sind, wie ich Diskussionen öffnen kann und Clubhouse als das nutze, was es ja eigentlich ist: ein soziales Netzwerk. Ich will, dass der soziale Aspekt im Vordergrund steht und ich genauso viel mitnehmen und teilen kann, wie ich es in einem guten Gespräch tun könnte

Wie ich das mache, muss ich lernen und in eben diesem Austausch mit anderen herausfinden. Und vor allem muss ich lernen, meine Zeit, die ich am Smartphone verbringe, weiterhin möglichst sinnvoll zu nutzen und nicht nur mein stundenlanges Gescrolle von Instagram zu einem stundenlangen, willkürlichen Zuhören auf Clubhouse zu machen. 

Das könnte dich auch interessieren

„Wir entwickeln Kleidung so wie Software“ – Über die Mode der Zukunft Innovation & Future
„Wir entwickeln Kleidung so wie Software“ – Über die Mode der Zukunft