Green & Sustainability About You und Joko launchen Socken-Label Cheerio – und schaffen dabei fast CO2-Neutralität

About You und Joko launchen Socken-Label Cheerio – und schaffen dabei fast CO2-Neutralität

Es ist ein sonniger Nachmittag, und Tarek Müller und Joko Winterscheidt sitzen auf Baumstämmen in einem Waldstück. Um sie herum nicht viel, außer noch mehr Bäumen. Die nächstgelegene Stadt ist Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern, rund 20 Minuten auf kurvenvollen Landstraßen entfernt. Eine Gegend, in der Lada Nivas in die ewigen Jagdgründe gehen – ungewöhliches Setting für einen ungewöhnlichen Biz-Talk. 

Winterscheidt legt gleich das Anliegen vor:

„Wir wollen die Socke ohne Fußabdruck machen.“ 

Hinter dem TV-Star und dem CEO der Hamburger Online-Fashion-Company About You sind zwischen den Bäumen bunte Socken aufgespannt. Auf den ersten Blick wirkt es ein bisschen so, als würden die beiden gleich eine fröhliche Musical-Version von „Blair Witch Project“ aufführen. Stattdessen sind diese Socken der Anlass des Termins: Müller und Winterscheidt haben mit zwei weiteren Co-Gründern das Socken-Label Cheerio ins Leben gerufen, mit dem ein ernstes Ziel verfolgt wird: Cheerio, die „Socke ohne Fußabdruck“, soll tatsächlich irgendwann CO2-neutral sein. Ein Vorhaben, das sich derzeit als noch nicht machbar herausgesellt hat.  

Müller sagt: „Wir hätten jetzt auch hier sitzen und sagen können, dass wir via Zertifikate-Kauf unsere CO2-Emissionen ausgleichen.“ Für Cheerio wäre das der deutlich günstigere und einfachere Weg gewesen, stattdessen sind er und Winterscheidt in den vergangenen Monaten mit großer Energie auf unerwartet große Widerstände gestoßen.  

„Es geht gar nicht, wie wir es uns vorgenommen hatten.“

Winterscheidt sagt: „Die Ursprungsidee war, dass wir mit der Socke CO2-Neutralität doch schaffen müssen – um dann aber relativ schnell festzustellen: Es geht gar nicht, wie wir es uns vorgenommen hatten.“ Dass sie zwar im Cheerio Forest sitzen, in dem sie fortwährend neue Bäume pflanzen, um aus der dortigen Monokultur wieder einen Mischwald zu machen, ist ein schöner Teilerfolg. Doch in den letzten Monaten haben er und Müller erlebt, dass in der Wertschöpfungskette von Produktion bis hin zu Verkauf eine CO2-Neutralität derzeit noch nicht zu gewährleisten ist.  

Winterscheidt sagt: „Ich bin sehr ungeduldig. Es hat mich überrascht – vielleicht sogar schockiert –, dass es faktisch keine Möglichkeit gibt, unseren Plan jetzt schon umzusetzen.“ Müller, mit der Erfahrung des Fashion-Veteranen, erklärt es so: „Die Produktion von neuen Dingen ist per se nie ganz nachhaltig. Das Nachhaltigste, was man als Konsument machen kann, ist, die Dinge, die man sich kauft, lange zu tragen und dann idealerweise danach auch upcyclet, also aus den Materialien nochmal Neues herzustellen.“ Eine weitere Initiative sieht vor, dass Cheerio zwei Jahre Garantie auf die Socken bietet – quasi das versicherte MacBook am Fuß. 

Soll heißen: Die bunten Socken von Cheerio sind ein Schritt in eine nachhaltigere Zukunft, ein schillerndes Projekt von einem Team mit Personality-Strahlkraft. Doch am Ende liegt die Verantwortung doch wieder bei der Person, die auf den „Kaufen“-Button klickt.  

Müller sieht Cheerio auf einem guten Weg, auch weil er weiß, dass mit Winterscheidt jemand das Thema Sustainability und Green denen vermitteln kann, die mit Fridays for Future erstmal nur nervige Verkehrslahmlegungen verbinden: „Joko hat in diesem ganzen Prozess einen Begriff geprägt, nämlich Happy Revolution. Und das ist mir sehr im Kopf hängengeblieben.“ Müller sagt, dass Veränderung im Konsum, Nachhaltigkeit und Klima abstrakte Themen seien. Nicht einfach, hier außerhalb einer Bubble Unterstützung zu finden. 

Auch das eigentliche Scheitern des Vorhabens, vollkommen CO2-neutral zu sein, betrachtet Müller deswegen als Chance: „Gerade dieses Unperfekte, Fröhliche auch zu feiern und zu umarmen – damit kann man das Thema Menschen näherbringen, die dafür vielleicht sonst nicht so zugänglich sind.“ Auch Winterscheidt, der zuletzt mit Jokolade einmal mehr ins Social-Business eingestiegen ist, sieht in diesem Projekt eine weitere Möglichkeit, seinen Joko-Stempel sinnvoll einzusetzen. Denn „Socke ohne Fußabdruck“ funktioniert als sympathischer Claim: „Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn man über etwas lacht, das aber trotzdem Substanz hat.“ 

Den kompletten Deep Dive zu Markenaufbau, Strategie und Entstehungsgeschichte von Cheerio mit Tarek Müller und Joko Winterscheidt lest ihr Anfang Juni in der Print-Ausgabe von Business Punk. Unter vielen anderen ThemenTarek erklärt Joko seinen Job. Joko scrollt durch Whatsapp-Chats mit Tarek. Und Joko erklärt, was Fußbekleidung mit „Soko München“ zu tun hat.  

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