Leadership & Karriere „Ich bin überrascht, dass ich diesen Job habe“: Alexander Nussbaum im Interview

„Ich bin überrascht, dass ich diesen Job habe“: Alexander Nussbaum im Interview

Was genau daran hat Sie beeindruckt?

Das Konzept der Schadstoffregulierung, der „harm reduction“. Ich weiß, wie schwer es meiner Frau gefallen ist, aufzuhören. Mein Vater hat nie aufgehört zu rauchen. Seit Jahren tut sich nichts an der Raucherquote in Deutschland: Die Zahl von 17 Millionen Rauchern bleibt stabil. Daher habe ich mich gefragt, ob es nicht Zeit ist für einen Hebel, der gesundheitspolitisch relevant ist.

Sie betrachten Ihre Aufgabe bei Philip Morris als große Präventionsarbeit?

Genau – und zwar durch Aufklärung. Ich kam 2005 aus Kalifornien für die Forschung nach Paris. Kalifornien ist für Nichtraucher:innen wie mich ein Paradies, doch in Paris konnte man damals noch in Restaurants rauchen. Das gesamte Stadtbild war davon geprägt. Ich dachte: Wenn ich nun meine Forscherpipette fallen lasse und stattdessen einfach auf der Straße mit Rauchern spreche, würde ich wahrscheinlich mehr tun gegen Krebs als mit der Forschung. Ich habe dann noch einen Studiengang nebenher gemacht, einen Master mit Thema Communication. Denn Medikamente sind gut, aber die Prävention ist sehr viel effektiver.

Sind die klügsten Köpfe unter den Wissenschaftler:innen also in der Privatwirtschaft besser aufgehoben?

Es gibt zum Glück genug kluge Köpfe, und nicht jeder kann Professor:in an der Uni werden. Einige meiner ehemaligen Studienkolleg:innen sind Professor:innen, andere sind damals zu McKinsey gegangen, wiederum andere haben Firmen wie Curevac gegründet. Auch nicht schlecht, oder?

Fehlt Ihnen die Forschung?

Ich habe vorher in hoch innovativen, wirklich tollen Pharmafirmen gearbeitet. Etwa im Leukämiebereich, wo Neuerkrankungen im Jahr bei einem von 100 000 Menschen in Deutschland vorkommen. Unser Medikament kam zum Einsatz, wenn andere Medikamente versagt hatten. Am Ende statistisch bei einem neuen Patienten unter 1 Million Menschen pro Jahr.

Und hier, beim Thema Rauchen, sprechen wir von 17 Millionen Frauen und Männern in Deutschland. Da hat sich für mich die Frage irgendwann nicht mehr gestellt, ob man nicht auch hier mit Info und weniger schädlichen Alternativen einen positiven Effekt erzielen kann.

Noch mal zu Ihrem Start bei Philip Morris. Ging Ihnen die Abkehr vom Rauchprodukt schnell genug, oder forderten Sie noch höheres Tempo?

Mein offiziell erster Arbeitstag war der 1. Dezember 2016. Es ging drei Tage vorher gleich mit einem Teammeeting am Tegernsee los. Wir hören uns dort die Präsentationen an, plötzlich schauen alle auf ihre Handys und schütteln den Kopf. Was war da los? An dem Tag erschien eine Pressemitteilung des CEOs von Philip Morris, der sagte, dass man irgendwann keine Zigaretten mehr verkaufen wolle. Da wusste ich: Meine Entscheidung war richtig. Ich habe von Anfang an gemerkt, wie ernst die Firma das meint.

Und da waren alle an Bord?

Viele Kolleg:innen, die schon lange dabei waren, brauchten länger. Die sagten: Wir hatten schon viele Change-Management-Initiativen. Anfangs waren die großen Treiber:innen die vielen neuen und jungen Leute, inzwischen sind alle Kolleginnen und Kollegen Teil des Wandels geworden und gestalten diesen aktiv mit. 

Das ist ein maximal großer roter Teppich zur Begrüßung.

Die Erwartungen waren und sind aber auch hoch. Das Brett ist allerdings auch sehr dick, das wir da bohren.

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