Life & Style Gleichberechtigung für die LGBTQ* Community: Jedes Engagement ist wichtig

Gleichberechtigung für die LGBTQ* Community: Jedes Engagement ist wichtig

Blicken wir mal auf die andere Seite. Riccardo engagiert sich schon lange und auch dort gibt es News. Willst du davon erzählen?

Anfang des Jahres haben Riccardo und ich gemeinsam die „Riccardo Simonetti Initiative“ gegründet. Nachdem Riccardo die letzten Jahre für diverse gemeinnützige Organisationen als Botschafter im Einsatz war und auch weiterhin bleiben wird, war es ihm schon lange ein Anliege eine eigene Organisation zu gründen. Die Initiative gibt ihm und uns die Möglichkeit noch sehr viel selbstbestimmter Projekte umzusetzen und genau die Themen anzupacken, die Riccardo als öffentliche Person, aber eben auch als Mensch, am Herzen liegen. 

Ebenfalls im Frühjahr wurde bekannt gegeben, dass Riccardo zum ersten LGBTQ* Sonderbotschafter des Europäischen Parlaments ernannt wurde. Das ist eine große Ehre für ihn, aber natürlich auch eine große Verantwortung. Denn jetzt ist er nicht mehr länger „nur“ Aktivist, sondern tritt in dieser Rolle auch öffentlich als Botschafter für Toleranz und Gleichberechtigung auf.

Warum ist es wichtig, dass nicht „nur“ Unternehmen darauf aufmerksam machen, sondern auch das Europäische Parlament?

Weil das Europäische Parlament eine politische Institution ist, die tatsächliche Macht hat. Das Parlament und seine Mitglieder können wirklich Dinge auf politischer Ebene bewirken. Unternehmen, Magazine oder TV-Sender können eine gesellschaftliche Stimmung erzeugen, ein Umdenken anregen, ihre Kraft auf anderen Ebenen nutzen – die politische Gewalt hat aber letztlich ein Parlament.

Wie kam das zustande und welches konkrete Ziel habt ihr vor Augen?

Das Europäische Parlament hatte mich vor einer Weile kontaktiert, weil sie fanden, dass Riccardo durch seine Arbeit als Aktivist, die er schon seit Jahren betreibt, der Richtige für diese Rolle ist. Nach vielen intensiven Gesprächen, war klar, dass auch Riccardo dieses Ehrenamt übernehmen möchte. Und wir haben gemeinsam erörtert, welche Ziele wir verfolgen. In einer Post-Corona Zeit ist natürlich der klare Wunsch, dass Riccardo auch mit Menschen zusammenkommt – mit Aktivisten oder Mitgliedern des Parlaments. Wir planen Reisen nach Polen, wo die Lage der LGBTQ* Community mitten in Europa leider sehr besorgniserregend ist, aber auch nach Straßburg und Brüssel. Grundsätzlich übernimmt Riccardo in dieser Funktion eine öffentlichkeitswirksame Rolle, in der er ein offizielles Sprachrohr für die LGBTQ* Themen in Europa ist.

Wie kann man sich auch als Privatperson engagieren?

Jedes Engagement ist wichtig. Sei es in Form von Spenden, in Form von Aufklärungsarbeit oder auch einfach nur durch die Bereitschaft zuzuhören und zu lernen. Eine der vielen Parallelen, die das Thema LGBTQ* mit anderen Bereichen wie zum Beispiel dem Kampf gegen Rassismus gemeinsam hat. Es steckt nicht in jedem von uns ein:e Aktivist:in und das ist auch in Ordnung. Es sollte aber in jedem von uns eine Person stecken, die bereit ist etwas Neues zu lernen, Betroffenen zuzuhören, Verständnis zu entwickeln und – im Kleinen oder Großen – dadurch etwas voranzubringen. Natürlich kann man sich aber auch wirklich engagieren und mit anpacken, bei der Riccardo Simonetti Initiative zum Beispiel suchen wir auch regelmäßig Unterstützung und ich weiß von vielen anderen gemeinnützigen Organisationen, dass sie auch helfende Hände oder gute Ideen gebrauchen können.

Und was können alle tun, um das Thema nicht nur im Juni und Juli, sondern auch darüber hinaus zu besprechen und sichtbar zu machen?

Ich will nicht missverstanden werden – ich finde es toll, dass das Thema Pride im Sommer eine große Aufmerksamkeit bekommt. Das ist besser als keine Aufmerksamkeit. Wenn wir aber nur einmal im Jahr im Oktober über Brustkrebs sprechen oder immer nur im November zum Thema Equal Pay, dann setzen wir leider nicht ansatzweise das Potenzial in Sachen Aufklärung , Gleichberechtigung oder liberale Gesellschaft frei, das wir zur Verfügung haben.

Menschen, die in entsprechenden Positionen Entscheidungen treffen, sollten marginalisierten Gesellschaftsgruppen auch außerhalb der scheinbar Marketing-relevanten Zeiträume eine Plattform geben. Sei es in den Medien, in Werbekampagnen oder auf jedem anderen Weg. Und diejenigen, die diese Positionen nicht bekleiden, sollten sich dafür einsetzen und stark machen, dass Randgruppen auch dann gehört werden, wenn der Scheinwerfer gerade nicht auf sie gerichtet ist. Gleichberechtigung bedeutet, dass alle gleich behandelt werden – völlig egal welcher Tag oder welchen Monat wir schreiben.

Ich selbst habe durch meine Arbeit mit einem so engagierten Künstler wie Riccardo wahnsinnig viel gelernt, wofür ich sehr dankbar bin. Ich habe aber auch festgestellt, dass Marken und Medien leider noch sehr viel weiter von unserer Wunschvorstellung entfernt sind, als uns das manchmal durch eine Regenbogen-Kampagne vorgemacht wird. 

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