Innovation & Future Alex Jacobi: „Ich kenne wenig so kreative Berufe wie Data-Science“

Alex Jacobi: „Ich kenne wenig so kreative Berufe wie Data-Science“

Wenn man an Musikproduktion denkt, dann denkt man ja immer an sehr viel Kreativität. Bei Daten eher weniger. Was ist denn die Schnittstelle, die du quasi in deinen Unternehmen vereinst? 

Alex: Ich kenne wenig so kreative Berufe wie Data-Science. 

Was ist daran deiner Meinung nach kreativ? 

Alex: Vielleicht müssen wir erst einmal definieren, was Kreativität ist. Für mich ist Kreativität die Fähigkeit zu absurden Transferleistung. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass das Arbeiten in diesen kreativen Berufen, wie Produzent:in oder Tonmeister:in langweiliger Abarbeitungskram ist, der überhaupt nicht kreativ ist. Das Lösen eines Daten-Problems erfordert dagegen unfassbar viel Kreativität. Aber wo kommt das zusammen?

Alex Jacobi
(Credits: Alex Jacobi)

Als ich angefangen habe, mich mit neuronalen Netzen zu beschäftigen, merkte ich irgendwann: Das ist von der Idee her unserer Arbeitsweise und unserem Denken nicht fremd. Als kreativer Mensch bist du mehr oder minder deinem Bauchgefühl verpflichtet. Wenn du anfängst nachzudenken und zu rationalisieren, dann ist die Idee schon im Arsch. Das heißt, wenn du eine geile Kreation machst, fluppt das und du hast die geilen Ideen. Wenn du aber denkst: „Scheiß Frauentausch-Zielgruppen, das werden die schon geil finden“, hast du komplett verloren. Weil du dann dein Bauchgefühl verlässt. Der Punkt, der beides verbindet, war für mich die Entdeckung der Achtsamkeit.

Ich habe sehr viel mit Meditation angefangen und da gibt’s dieses Grundprinzip der Trennung von Beobachtung und Bewertung. Bewertung ist etwas, was Menschen unfassbar gut können und Maschinen nicht. Dafür können Maschinen richtig gut beobachten. Das nennt man Marktforschung. Wir haben uns überlegt haben, das Bauchgefühl unserer Zielgruppe zu verstehen und unsere ganzen wilden Ideen, nicht auf unser Bauchgefühl, sondern auf das der Zielgruppe werfen.

Du beobachtest also über digitale Marktforschung, über Algorithmen und bewertest dann als kreativer Mensch. Da kommt das Bauchgefühl wieder rein, weil dein Bauchgefühl so viel schlauer ist als jede Frage, weil du als kreativer Mensch die Summe aller Einflüsse deines ganzen Lebens bist.

Ihr habt auf eurer Website stehen: Wenn du wissen willst, wie die Farbe eurer Brand klingt, sind wir für euch da. Was mich da direkt interessiert hat: Wie findet man heraus, wie eine Farbe klingt? 

Alex: In der Regel nehmen wir 2, 3, 4, 500 Musikstücke und dann fragen wir einfach Menschen: Wie fühlst du dich dabei? Hat dieses Musikstück für dich eine Farbe? Wenn du genug Leute befragst, bekommst du eine Häufung von Antworten, die weit fernab der Zufallsverteilung ist.

Du leitest insgesamt drei verschiedene Brands. Vielleicht kannst du kurz erklären, was diese drei Marken überhaupt unterscheidet. 

Alex: Ist im Prinzip simpel: Wundervoices ist eine Produktionsfirma. Text-Konzept rein, geiles Audio raus in 50 Sprachen. WithLoveandData ist eine Consulting-Company. Frage rein, Geld überweisen, dann kommt die Antwort. Also fragen kostet.

Sonarbird ist die dritte Company. Wir nennen es die Sonarbird-Audio-Cloud. Das ist eine Web-Applikation auf der du Podcasts aufnehmen kannst, schneiden kannst, mit deinem Team komplett produzieren und auf allen Plattformen distribuieren kannst, von Apple über Spotify, bis hin zu eigenen Apps. Und anschließend kannst du deine Inhalte monetarisieren.

Und eben mit dem zweiten Schwerpunkt, der sich gerade abzeichnet Corporate Audio. Also dass wir anfangen in Unternehmen Audio zu etablieren. Wir haben das schon selbst in Coronazeiten gemacht. Als wir alle ins Home-Office sind, haben wir angefangen für uns gegenseitig Podcasts aufzunehmen als Alternative zum Stand-Up-Meeting. Diese Idee von Audio als Secondary-Medium, dass du anderes tun kannst, während du die Inhalte kommunizierst, ist eine Billion-Dollar-Idee. Wir kratzen da gerade einmal an der Oberfläche.  

Kannst du ein Beispiel für einen Auftrag nennen?

Alex: Wir haben letztes Jahr einen lustigen Job gemacht, in dem es darum ging, für ein sehr scharfes Würstchen, eine Radiowerbung zu bauen, die speziell auf Heavy-Metal-Sendern funktioniert. Da haben wir dann so Sound-a-likes von Pantera über Slayer bis zu New Metal Sachen gemacht, wo Leute schreien, weil das Würstchen zu scharf ist. Da war die spannende Frage: wie viel Metal ist erlaubt? Das heißt, Respekt davor, sich dem Genre zu nähern und wirklich rauskriegen: Wie muss das Ding klingen, dass es auch die Metalheads geil finden und sich auch respektiert fühlen. 

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