Green & Sustainability Wie das Kölner Startup Nomoo zum Tesla des Eismarkts werden will

Wie das Kölner Startup Nomoo zum Tesla des Eismarkts werden will

Eis auf neue Weise denken

Die Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt: Im Juni 2018 wurde ihr Eis das erste Mal in das Sortiment eines Supermarkts aufgenommen. Zuerst nur im Rheinland, später kamen Märkte aus Stuttgart und Bremen auf das Startup zu. „Das war für uns ein Zeichen, dass wir deutschlandweit expandieren wollen“, sagt Göckel.

Im Herbst 2018 folgte das Gründerstipendium NRW, das Nomoo nicht nur Geld, sondern auch mehr Bekanntheit außerhalb von Köln verschaffte Doch während das Startup wuchs, wuchs auch das Angebot der Konkurrenz. Denn die größten Player der Eiswelt wie Häagen-Dazs, Magnum, Cornetto und Ben & Jerry’s hatten begonnen, pflanzliches Eis in ihr Sortiment aufzunehmen. „Klar gibt es viele Marken, die mittlerweile veganes Eis herstellen. Aber die haben mit Milcheis gestartet. Wir sind die erste Marke, die von Anfang an nur pflanzliches Eis herstellt und damit eine völlig neue Kategorie besetzt“, sagt Göckel.

„Wir sind die erste Marke, die von Anfang an nur pflanzliches Eis herstellt.“

Damit hebt sich Nomoo eindeutig von seiner Konkurrenz im Markt ab, sagt sie weiter: „Für uns ist es ein großer Vorteil, dass wir nicht wissen, wie Milcheis funktioniert. So gehen wir ganz anders an die Sache ran.“ Grabow sagt: „Wir haben niemanden im Team, der seit 20 Jahren Konditor ist. Das würde uns auch nichts bringen, weil wir Eis auf eine völlig neue Art und Weise denken.“

Heute führen Grabow und Göckel mit Mitte 20 ein Startup mit rund 30 Leuten, ihr Eis ist in über 1 500 Supermärkten Deutschlands vertreten und seit Anfang des Jahres auch in Österreich und der Schweiz. Pro Jahr produzieren sie zwischen 500 000 und einer Million Becher Eis. Zu kaufen gibt es acht verschiedene Sorten, von Kakao bis Schwarze Johannisbeere – plus Limited Editions wie etwa ein Rosé-Sekt-Eis.

Zu finden sind die knallbunten, runden Becher in Supermärkten, aber auch im eigenen Onlineshop. Und das Wachstum im Markt? „Wir wachsen jährlich um mehr als 100 Prozent, wir holen uns also Jahr für Jahr immer mehr Marktanteile“, sagt Göckel.

Zu Beginn, erzählt Grabow, hätten er und Göckel ihr Startup mit Tesla verglichen: Das Unternehmen ist schließlich auch direkt mit Elektroautos eingestiegen und nicht erst mit Diesel oder Benzinern: „Wir sind der Tesla unter den Eismarken, weil wir Eis konsequent neu aufziehen. Wie Elon Musk damals erkannt hat, dass das Elektroauto der neue Standard sein wird, haben wir erkannt, dass pflanzliches Eis der neue Standard sein wird.“

„Wir sind der Tesla unter den Eismarken.“

Göckel sieht das Verhalten der Konkurrenz als Chance, sagt sie: „Es ist wichtig, dass die großen Konzerne neue pflanzliche Produkte rausbringen. Wir wollen immer einen Schritt schneller und kreativer sein.“ Dafür haben Grabow und Göckel ein Konzept erstellt, das aus drei Säulen besteht: Genuss, Nachhaltigkeit und gutes Gewissen. „Genuss steht an oberster Stelle, weil wir nicht wollen, dass unser Kunde Abstriche machen muss“, sagt Grabow.

Auf dem Weg zur Weltmarke

Nachhaltig ist das Produkt nicht nur hinsichtlich der Inhaltsstoffe. Das Eis wird mit Grünstrom produziert, die Verpackung ist plastikfrei. Das Kölner Startup will den ökologischen Fußabdruck möglichst niedrig halten. Denn auch pflanzliche Lebensmittel verfügen über einen ökologischen Fußabdruck. Genau diesen will Nomoo kompensieren. Dafür beteiligen sie sich an Regenwaldschutzprojekten. „Jeder Becher bindet doppelt so viel CO aus der Atmosphäre, wie für die Herstellung ausgestoßen wurde“, sagt Grabow.

Doch das Team von Nomoo hat noch Größeres vor, sagt Göckel: „Unser erstes Ziel ist es, die Märkte, die wir schon haben, zu sichern. Das bedeutet viel Pflege, und dann bauen wir die Distribution konsequent durch starke Akquise weiter aus .“ Das langfristige Ziel ist ambitioniert. „Wir wollen bis 2025 die Nummer eins der pflanzlichen Eismarken in der DACH-Region werden. Wir wollen eine Weltmarke sein, die man auch noch in 30 bis 50 Jahren kennt und genießt“, sagt Göckel.

Grabow und Göckel wünschen sich, dass pflanzliches Eis so selbstverständlich wird, wie Milcheis es heute ist. „So richtig zur Ruhe kommen wir erst, wenn veganes Eis der Standard geworden ist und Milcheis endgültig verdrängt hat“, sagt Grabow. Auch wenn es hier und da Widerstand gebe: Die Richtung stimmt für Nomoo. „Man sieht jetzt schon, dass der Zeitgeist sich verändert. Wir sind uns sicher, dass sich das Bessere durchsetzen wird.“

Im Dossier der vierten Ausgabe beschäftigen wir uns mit dem Thema Sales & Retail. Mit Blick auf unsere Titelgeschichte sei gesagt: Wir brauchen eine OnlyFans-Strategie! Außerdem ist es eine sehr musik- und kunstlastige Ausgabe geworden: Drangsal, Kool Savas, Ju Schnee, Simon Lohmeyer, Rapperin Little Simz – alle dabei. Dies und noch viel, viel mehr gibt es am Kiosk eures Vertrauens – oder wie immer hier im Aboshop.

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