Life & Style Buckle & Seam: Stilvolle Business-Bags für den guten Zweck

Buckle & Seam: Stilvolle Business-Bags für den guten Zweck

Wie funktioniert ein Produkt auch als karitativ nutzbarer Hebel? Das Taschenlabel Buckle & Seam will einen Weg zu besseren Arbeitsbedingungen vorangehen.

Sollten Unternehmertum, Betriebswirtschaftslehre und das Finanzwesen schon Teil der frühen Schulbildung sein? 
Der Gedanke wird ja immer mal wieder in den Köpfen der Bildungsexperten hin- und hergerollt, wenn es um Reformen geht. Oder um die Anpassung der erforderlichen Skills an die Welt von heute. Ja, sagen mehr und mehr Menschen, die zum ersten Mal eine Steuererklärung machen müssen. Oder die tragischerweise am Ende eines langen Berufslebens vor einer geringen Rente stehen.

Es gibt aber auch noch einen anderen Grund: Da erfolgreiche Unternehmen für Wohlstand sorgen, lassen sich die Strukturen für das Allgemeinwohl nutzen. Georg Wolff etwa, 32, Gründer des Taschenlabels Buckle & Seam, hat das Game im Unternehmertum durchgespielt: Für den legendären Berliner Company-Builder Rocket Internet ging es nach dem Studium nach Bangladesch, Myanmar und Pakistan, um in diesen Ländern Produkte hochzureißen.

Das Rocket-Internet-Wesen mag seit einigen Jahren nicht mehr der allerseits respektierte Standard sein, aber für den jungen Businessnachwuchs sicherlich grandiose Schule und Ausbildung – Eigenverantwortung und rasanter Aufbau einer Idee in fremden Weltregionen, unter immensem Leistungs- und Erwartungsdruck. Wer das durchhat, ist danach für fast alles gewappnet.

In Pakistan traf Wolff auf Marco Feelisch. Das war 2015, und ihr Auftrag war es, dort einen Amazon-Klon hochzuziehen. Was gelang: Kurz darauf wurde das Unternehmen mit dem Namen Daraz verkauft. Aber noch etwas war passiert: Feelisch und Wolff waren angestachelt, in ihrem Gastgeberland etwas zum Besseren zu bewegen. Weniger als ein Jahr darauf starteten die beiden das Unternehmen Buckle & Seam, ein Vehikel zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Pakistan – und ein Projekt, das den Anspruch hat, auch in anderen Regionen der Welt zu funktionieren. Klassische Rocket-Schule: Wenn man einmal Skalierung gelernt und verstanden hat, kommt man da offenbar nicht mehr raus.

Buckle & Seam
Marco Feelisch und Georg Wolff
(hinten, v. l.) Die Co-Gründer haben ihr Social-Impact-Startup in Karatschi angesiedelt und finanzieren dort eine Schule.

Nüchterne Marktanalyse

Im Zentrum steht dazu aber erst einmal ein Produkt: eine Taschenlinie, komplett in Pakistan gefertigt, direct-to-consumer vertrieben. Hochwertig verarbeitet, im gehobenen Segment angesiedelt, um am Ende Bildung in Pakistan zu fördern. Warum eine Tasche, warum nichts anderes? Marktanalyse per Google-Recherche. Da sei eben die Nische gewesen, die sich geboten hat. Außerdem haben die beiden Gründer immer hässliche Taschen gehabt. Es hätte am Ende aber auch Kontaktlinsenflüssigkeit sein können, hätte sich dieses Produkt eher angeboten.

Wolff hat sich mit dem eigenen Tun ausführlich auseinandergesetzt und ernsthafte Gedanken gemacht. In einem Essay über die Art und Weise, was ein Unternehmen sein kann und leisten soll; er führt dazu Kants kategorischen Imperativ ins Feld. Er beruft sich außerdem auf den Essay „Creating Shared Value“ von Michael Porter. Das Thema Business Ethics beschäftigte ihn nicht erst seit seinem Aufenthalt, sondern schon davor. Doch in Pakistan wurde noch einmal eine neue Stufe des Bewusstseins gezündet.

Er und Feelisch bereisten das Land, sprachen mit so viel Menschen wie nur möglich, verliebten sich in die Natur. Sie sahen, dass Pakistan eine schnell wachsende Wirtschaft ist, aber nicht alle profitieren vom Zuwachs an Produktionsaufträgen. Menschen schuften unter oft grauenvollen Bedingungen und können trotzdem nicht ihre Familien ernähren, „Bilder“, schreibt Wolff, „die man nicht vergisst und die einen auch noch dann und wann in Europa heimsuchen“.

Sie fanden heraus, dass gerade mal 57 Prozent der Menschen ihren eigenen Namen schreiben konnten. Unter Frauen ist es noch verheerender: Lediglich ein Viertel beherrscht dieses eine Wort. Wolff und Feelisch bekamen mit, dass es zum Glück natürlich einerseits Gesetze gegen Kinderarbeit gab, andererseits aber kein flächendeckend funktionierendes Schulsystem. Kinder verbrachten die Tage ziellos und allein auf den Straßen. Die Gründer waren überzeugt, dass man der kommenden Generation in Pakistan einen besseren Weg ermöglichen muss.

Also her mit dem Masterplan: Produkt erfinden, dieses in Pakistan fertigen lassen, am Produktionsstandort nach Möglichkeit allen Beteiligten ein besseres Leben schaffen, von Näher:innen bis zu Kund:innen am Ende. Nach der Gründung von Buckle & Seam verpflichteten sich Wolff und Feelisch, drei Prozent des Nettoumsatzes in die Bildung von Kindern zu geben. Nach eigenen Aussagen sind in den letzten drei Jahren in drei Schulen in Pakistan rund 1000 Kinder Teil der Förderung geworden. Ziel sei es, baldmöglichst 10.000 Kindern den Zugang zu Schulbildung zu ermöglichen.

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