Innovation & Future SPRIND-Interview: „Bezos und Branson haben hübsche Hobbys, die im Vergleich zu SpaceX lächerlich sind“

SPRIND-Interview: „Bezos und Branson haben hübsche Hobbys, die im Vergleich zu SpaceX lächerlich sind“

Echte Innovation ist selten, wissen Rafael Laguna de la Vera und Thomas Ramge von ihrer Arbeit bei SPRIND, der Bundesagentur für Sprunginnovation – zuletzt haben sie ein Buch darüber geschrieben (Econ, 26 Euro Hardcover, 21,99 Euro E-Book)

Herr Laguna, erleben Sie als Direktor der Bundesagentur für Sprunginnovation eine neue Begeisterung fürs Nerd-Wesen?

Laguna: Ich bin da leider sehr tief in einer Bubble, für die Antwort muss gleich mein Co-Autor Thomas Ramge einspringen.

Ramge: Die Bubble wächst zwar, aber es ist nach wie vor eine.

Mit „Sprunginnovation“ haben Sie ein technikoptimistisches Werk veröffentlicht. Im Titel klingt Maos „Sprung nach vorn“ an. Lässt sich Sprunginnovation verordnen?

Thomas Ramge
Rafael Laguna de la Vera

Ramge: Wir haben diese China-Assoziation nicht – und schon gar nicht im Sinne eines Fünfjahresplans. Der große Sprung als solcher ist ja in der Tat unberechenbar. Man weiß nie genau, woher er kommt und wohin er dann in der Nutzung führt. Doch sicher ist, dass man einen großen Sprung braucht, um die industriellen Pfadabhängigkeiten wieder zu verlassen, die in die falsche Richtung führen.

Laguna: Eine der zentralen Aussagen dieses Buches ist, dass wir auf der einen Seite die Bedingungen verbessern wollen, in denen technologische Sprünge überhaupt erst möglich sind. Gesellschaftlich: Wie bekommen wir wiederum Anwendungen aus diesen Sprunginnovationen hin, die das Leben möglichst vieler Menschen besser machen?

Ramge: Wir wollen mehr Lust auf Technik und Optimismus machen. Das ist vielleicht das zentrale Narrativ dieses Buches.

Sie räumen gleich zu Anfang des Buchs mit Scheininnovation auf – sind Chief Innovation Officer, Evangelists und Ted-Talks in Wirklichkeit Gift?

Laguna: Ich persönlich bin eher auf der Seite von Elon Musk, der einfach mal macht und nicht wie ein dressiertes Äffchen auf der Bühne seine zwölf Minuten absingt.

Ramge: Uns beiden gehen der „Innovation Speak“ und das Gehabe der Branche rund um die sogenannte Innovationsberatung schon ein wenig auf den Zeiger. Das heißt aber wiederum nicht, dass es keine Rolle für Innovationsmarketing gibt. Ich komme immer ganz gut klar damit, wenn Leute aus dem Silicon Valley vielleicht etwas zu laut über Moonshots reden – aber eben auch tatsächlich an Moonshots arbeiten. Im Gegenteil zu der Mehrzahl der Leute in der Innovationsblase, die permanentes Overselling betreibt.

Doch aus dem Valley kommt das „Fake it till you make it“-Mindset.

Ramge: Oft werden eigentlich kleine, inkrementelle Verbesserungen als Innovation überhöht. Wir sind alle da auch ein bisschen Täter und Opfer. Denn man kann nicht für Innovation trommeln, wenn man nicht auch ein bisschen vollmundig darüber redet.

Laguna: Wir versuchen ja auch zwischen guter und schlechter Innovation zu unterscheiden und den Hype einzuordnen. Wir sind bei einer Philosophie gelandet: größtmöglicher Nutzen für eine größtmögliche Anzahl von Menschen. Danach kann man dann die Pitches aus der Inbox filtern.

Kleines Experiment: Apple wird als Innovationsmaschine schlechthin gefeiert, Tim Cook hat den Börsenwert maximiert. Aber ist Apple nach Ihren Maßstäben innovativ?

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