Innovation & Future SPRIND-Interview: „Bezos und Branson haben hübsche Hobbys, die im Vergleich zu SpaceX lächerlich sind“

SPRIND-Interview: „Bezos und Branson haben hübsche Hobbys, die im Vergleich zu SpaceX lächerlich sind“

Kleines Experiment: Apple wird als Innovationsmaschine schlechthin gefeiert, Tim Cook hat den Börsenwert maximiert. Aber ist Apple nach Ihren Maßstäben innovativ?

Ramge: Schwieriger Fall. Ich finde die Qualität der Produkte oft beeindruckend, auch dass es immer wieder Überraschungen gibt wie den M1-Prozessor. Doch das meiste hat keinen wirklich ermächtigenden Charakter. Es ist im Sinne unseres Buches kein sprunginnovatives Unternehmen mehr – was es natürlich einmal war.

Laguna: Trotzdem hat Tim Cook natürlich jeden Cent verdient. Bezahlt wird er von den Aktionären, und die kommen aus dem Lachen nicht mehr raus. Apple hat den Pfad mitsamt den Abhängigkeiten weiterentwickelt und immer breiter gemacht, die Wertschöpfung immer tiefer getrieben. Sehr gut. Doch jetzt ziehen sie als Machtmaschine das Werbegeschäft zu sich rüber und behindern andere. Sie hatten Pläne, meine Daten auf dem Gerät zu scannen und Missbrauch zu melden. Damit wäre in meinen Augen eine Grenze überschritten worden. Apple hat an dieser Stelle den moralischen Kompass verloren, was ihnen langfristig nicht guttun könnte.

Riesenkonzerne wie Apple sind am Anfang von Einzelnen ersonnen worden. Was treibt die an? Der Wunsch nach einem Monopol?

Laguna: Das interessiert die gar nicht. Geld muss man haben, damit man sich die Marmelade fürs Butterbrot kaufen kann. Und auch ein Elon Musk sagt sehr glaubwürdig: Es ist ein Tool, um die Ideen umzusetzen. Er hat immer alles reinvestiert. Als junger Erwachsener fragte er eine Frau bei einem Date: „Ich denke häufig über Elektroautos nach – tust du das auch?“ Diese Menschen gehen wie selbstverständlich davon aus, dass ihre Idee die großartigste ist. Und natürlich werden die stinkreich. Aber das ist nicht die primäre Antriebskraft.

Ramge: Dass Monopole nicht gut sind für Innovation, ist offenkundig. Innovation braucht Wettbewerb, Monopole schaffen diesen per definitionem ab. Und sie verlangsamen insgesamt den Fortschritt, weil sie schlichtweg selbst nicht mehr so innovativ sind. Es gibt ja auch gar keinen Anreiz dafür. Das Ziel muss nicht sein, die Welt zu beherrschen, sondern Ökosysteme zu stärken.

Wie stärkt man diese Ökosysteme? Und verfolgen Sie bei der Arbeit bei SPRIND bestimmte KPIs?

Laguna: Ganz high level sage ich immer: Wenn wir es in zehn Jahren schaffen, eine echte Sprunginnovation zu produzieren – analog dem Automobil –, dann haben wir unseren Job gemacht. Man darf nicht vergessen, dass unser ganzer Wohlstand noch auf den Innovationen beruht, die in Deutschland vor 120 Jahren gemacht wurden. Das Automobil trägt 20 Prozent zur deutschen Wirtschaftsleistung bei, beim Export sind es 50 Prozent. Das Paradoxe ist, dass man immer erst hinterher weiß, ob es eine Sprunginnovation geworden ist.

Und ein Level drunter?

Laguna: Ist es wie bei einem Venture-Capital-Investor. Der setzt sein Geld auch auf mehrere und unterschiedliche Kandidaten, die er für möglichst aussichtsreich hält. Unser Ziel bei SPRIND ist, dass wir so um die 30 Projekte in der großen Finanzierung haben. So sollte es eigentlich gelingen, eines davon in zehn Jahren ganz groß zu machen. Die Hoffnung schwingt natürlich mit, dass es noch viel mehr sein können. Wir wollen ja auf eine Runrate von circa 120 Mio. Euro Investment pro Jahr kommen. Damit kann man dann ungefähr diesen Pegel erreichen.

Ramge: Ich habe das Glück, im SPRIND-Podcast mit vielen Sprunginnovatoren sprechen zu dürfen. Und das ist ein unglaubliches Sammelsurium an interessanten Persönlichkeiten. Im Buch vertreten wir die These, dass bei Persönlichkeiten mit interessanten psychologischen Eigenschaften die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass sie irgendetwas Großes in die Welt bringen. Die Eigenschaften sind: Interesse an der Grenze zur Besessenheit, Biss und der Wunsch, mit der eigenen Leistung Wirkung zu erzielen.

Sie haben im Buch ein Psychogramm dieser High Potentials erstellt. Läuft man Gefahr, dass die im wattigen New Work versumpfen?

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