Innovation & Future SPRIND-Interview: „Bezos und Branson haben hübsche Hobbys, die im Vergleich zu SpaceX lächerlich sind“

SPRIND-Interview: „Bezos und Branson haben hübsche Hobbys, die im Vergleich zu SpaceX lächerlich sind“

Sie haben im Buch ein Psychogramm dieser High Potentials erstellt. Läuft man Gefahr, dass die im wattigen New Work versumpfen?

Ramge: Die verstehen das Konzept New Work und Work-Life-Balance überhaupt nicht.

Laguna: Man braucht nicht 80 Millionen Nerds im Land. Aber unsere Leute kennen das nicht. Wenn wir gute Innovationen machen, dann müssten wir eigentlich die Pflicht zum Geldverdienen durch Arbeit abschaffen können. Das sollte Innovation eigentlich leisten. Aber wie lässt man das Geld dann den Leuten zukommen, ohne dass sich das schlecht anfühlt? Das ist das nächste große Problem. Im Grunde muss es so sein, dass die Erfindungen der rund 50 Nerds, die wir brauchen, für den Rest einfach sorgen. Und es wird ein Privileg sein für viele, weil sie es interessiert, an diesen Sachen zu schaffen. Und dann ist die Work-Life-Diskussion beendet.

Ramge: Mit New Work habe ich ein ähnliches Problem wie mit Innovation-Speak. Unter allen Innovatoren, mit denen ich gesprochen habe, gibt es keinen einzigen, der darüber nachdenkt, wie viel Zeit auf die Arbeit verwendet wird. Deren zentrale Frage ist, wie sie sich noch mehr Zeit für ihre eigentliche Leidenschaft freischaufeln. Also: Wie kann ich weniger schlafen oder weniger Zeit auf Grillabenden verschwenden? Diese Art der Besessenen braucht es.

Eigentlich also der in Deutschland beliebte Geniekult.

Ramge: Sprunginnovation ist nach wie vor auch ein Teamsport. Aber in diesen Teams gibt es oft herausragende Köpfe, die die ersten und wichtigsten Impulse setzen. Es gibt einen, der es schafft, eine Idee so zu formulieren und ein Umfeld zu schaffen, dass ausreichend viele so hart an dieser Idee arbeiten, dass sie den Bereich des Möglichen überschreiten. Und ja, es ist natürlich Teil des Technikoptimismus zu hoffen, dass Maschinen ungeliebte Tätigkeiten übernehmen. Damit wir Menschen zunehmend Zeit haben für Dinge, die sich niemals automatisieren lassen werden: empathische Tätigkeiten. Simulierte Empathie ist keine Empathie, per definitionem nicht.

Aus Sicht Ihrer Behörde: Innovation kannte man die letzten Jahre eigentlich nur aus der Privatwirtschaft, etwa Googles Labor X. Kann man sich da etwas abschauen?

Laguna: Ich glaube, selbst bei X ist nicht so richtig viel rausgekommen. Ausgenommen vielleicht Waymo. Das ist für Firmen auch wirklich schwierig. Wenn du versuchst, die eigenen Pfadabhängigkeiten zu verlassen, oder wenn man in einer Ecke forscht, die mit der Firma überhaupt nichts zu tun hat, wird man dort nur schwer die Kohärenz des Wegs nach vorn halten können. Eigentlich legen die ihre Energie auf ihr Kerngeschäft. Auch Apple arbeitet seit Urzeiten am Auto, aber so richtig kommt da nichts.

Ramge: Vielleicht hat es was damit zu tun, dass es diese seltsame Mischung aus PR-Aktionen für Google und dem authentischen Wunsch nach Weltverbesserung durch Technik gibt. Die Google-Gründer haben mit ihrer Suchmaschine einen riesigen Punch gelandet. Nun haben sie unendlich viel Geld und wollen gerne nochmals andere Dinge irgendwie hervorbringen, aber eben nicht wie bei SpaceX als Unternehmen, sondern eher als Philanthropen. Das funktioniert nicht so richtig. Auch darum ist ja Musk so interessant: dieser extreme Fokus, die persönliche Bindung des Gründers, diese Brachialgewalt, dass einer das Ding dann durchziehen will und dahintersteht. Bei Googles X fühlt es sich irgendwie doch immer an wie Mäzenatentum. Und woher kommen diese Durchbrüche, die dann wirklich sehr vielen Menschen richtig nützen? Kommen die aus solchen mäzenatisch organisierten Umfeldern? Da habe ich Zweifel.

Laguna: Interessanter Punkt – das kann man auch am New Space Race gut erkennen. SpaceX, die das aus sich heraus machen und als Geschäft verstehen, laufen gerade allen meilenweit davon. Die anderen Milliardäre wie Bezos und Branson haben hübsche, teure Hobbys, die ehrlich gesagt im Vergleich zu SpaceX einfach lächerlich sind. Und das Einzige, was Bezos jetzt noch macht, ist SpaceX verklagen. Er hält jetzt mit seiner Kohle sogar noch den Fortschritt auf.

Bei SpaceX ist das Geschäft der Antrieb, bei den mRNA-Impfstoffen war es die reine Not. Wie erzeugt man Druck für Innovation?

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