Innovation & Future SPRIND-Interview: „Bezos und Branson haben hübsche Hobbys, die im Vergleich zu SpaceX lächerlich sind“

SPRIND-Interview: „Bezos und Branson haben hübsche Hobbys, die im Vergleich zu SpaceX lächerlich sind“

Bei SpaceX ist das Geschäft der Antrieb, bei den mRNA-Impfstoffen war es die reine Not. Wie erzeugt man Druck für Innovation?

Laguna: Wir geben die großen Fragen der Zeit vor. Wir sehen ein Megathema und starten eine Challenge. Wir haben gerade die erste gestartet, um antivirale Wirkstoffe zu finden – sozusagen die Suche nach dem Penicillin gegen Viren. Denn damit kann man einer Pandemie ganz anders begegnen, mit Medikamenten statt Lockdown und dem ganzen Zirkus. Das ist jetzt ein bisschen offensichtlich, das gebe ich zu, dafür gewinnen wir nicht den Preis für die höchste Fantasie. Aber wir haben da ein paar weitere Projekte in der Pipeline, die auch ein wenig quergebürstet sind. Das ist jedenfalls der eine Weg: top-down.

Und der zweite?

Laguna: Wir gehen mit den Projekten, die wir für gut befinden, in eine Inkubationsphase. Wir haben bis jetzt etwas mehr als 700 Projektvorschläge gesichtet. In den 18 Monaten sind davon zehn Prozent durchs erste Gate gekommen. Wir wägen mit 90 Kriterien ab, ob ein Projekt Sprunginnovationspotenzial hat. Mit 20 Projekten sind wir in eine aktive Innovationsförderung gegangen, wo wir auch Geld auf den Tisch legen. Die bringen wir dann zudem mit anderen zusammen. Häufig werden Gutachter oder Experten und Expertinnen in das Projekt reingemischt, Projekte werden fusioniert. Und wenn wir dann ein ausgearbeitetes Exposé haben und es immer noch gut finden – das ist jetzt bei bislang fünf Projekten der Fall –, dann gehen wir mit bis zu 50 Mio. Euro rein.

Welche neue Basistechnologie taugt für Sprunginnovationen?

Ramge: Wir wissen es nicht. Es ist ja gerade das Wesen der Sprunginnovation, dass wir nicht wissen, woher der nächste große Sprung kommt. Wenn man das wüsste, ist die Zukunft immer schon da – es ginge nur noch um die Umsetzung. Es gibt aber sehr wohl Hinweise, dass in vielen Bereichen Technologien jetzt einen Reifegrad erreicht haben, der große Sprünge in den 2020er-Jahren wahrscheinlich erscheinen lässt. Etwa die mRNA-Plattform. Wir sehen Möglichkeiten in den Biowissenschaften, aber auch in der Energie. Wir sehen plötzlich, dass in der Kernfusion vieles passiert, wo jahrzehntelang nichts voranging. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir jetzt wieder in eine Phase der Innovation eintreten.

Laguna: Bei der Agentur arbeiten wir bewusst technologie- und ergebnisoffen. Wir geben den Leuten ein paar Kriterien vor, die wir brauchen. Technology Readyness Level 3, also bitte schon aus der Grundlage raus. Keine Waffen. Und dann lassen wir uns gern überraschen. So sieht man, womit sich die Welt gerade beschäftigt. Etwa mit Gesundheit, mit neuen Enzymen, Prozessen, Energieerzeugung, nachhaltiger Digitalisierung – das kommt wenig überraschend.

Wo wird es für Sie interessant?

Laguna: Wenn sich die Wege kreuzen. Wir sehen es jetzt zum Beispiel bei Biologie und Big Data. Dass wir datenbasierte biologische Forschung machen, dass wir Biologie und Chemie zusammenbringen, dass Chemie so langsam in den biologischen Bereich reinwächst und enzymatisch wird. SPRIND ist angelehnt an die legendäre US-Agentur DARPA, die letztlich unter anderem hinter der Erfindung des Internets steckt.

Gibt es einen Austausch?

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