Leadership & Karriere Vom Hockeyspieler zum Verlagsmanager: Sind Ex-Profisportler:innen die besseren Unternehmer:innen?

Vom Hockeyspieler zum Verlagsmanager: Sind Ex-Profisportler:innen die besseren Unternehmer:innen?

Noch während des Studiums folgte das zweite Business der beiden Hockeyspieler: eine Pay-TV-Sportsbar. Was mittlerweile in jeder Kleinstadt zum Straßenbild gehört, war damals neu und innovativ. Mit 28 entschied sich Arntzen dann, seine Sportkarriere zu beenden und sich komplett dem Gründer- und Unternehmertum zu widmen. Ein doppelter Wadenbeinbruch in einem Bundesligaspiel beschleunigte das Karriereende. Sein Abschiedsspiel gab Arntzen im Jahr 2000 – als er bereits Verlagsmanager war.

Neun Jahre lang kümmerten sich Arntzen und sein Kollege Blunck also um ihre Geschäfte neben dem Alltag als Profisportler und Studenten. Doch ewig wollte Arntzen den Sportfachhandel nicht führen, sagt er: „Mir war von Anfang an klar, dass ich dieses Kapitel irgendwann abschließen würde, spätestens, wenn ich mit dem Studium fertig bin.“ Also gab er seine Anteile am Geschäft an seinen Freund und Partner ab und stürzte sich in den nächsten Lebensabschnitt: „Für mich stand fest, dass ich in ein Unternehmen gehe, um auch die Corporate-Seite kennenzulernen.“

Arntzen entschied sich für eine Werbeagentur, wo er als New Business Manager arbeitete. Ein Jahr später wechselte er zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Dort kam die Wirtschaftskarriere dann so richtig ins Rollen: als Manager bei der Zeit-Verlagsgruppe und der Verlagsgruppe Handelsblatt. Nach den dort gesammelten Erfahrungen startete Arntzen wie bereits erwähnt mit Parship und Radio.de richtig durch. Seit 2016 ist er Geschäftsführer des Wort & Bild Verlags.

Andreas Arntzen ist auch nach 20 Jahren noch sicher mit Ball und Schläger.
Foto: Michael Kohls für Business Punk

Kommen wir zur ursprünglichen Frage zurück: Guter Sportler, besserer Unternehmer? Thomas Berlemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe, gibt eine interessante Erklärung: „Eine zweite Karriere aufzubauen ist für fast alle Sportler:innen alternativlos, egal, ob sie aus dem Rudern, Hockey, Eisschnelllauf, Rodeln, Schwimmen oder der Leichtathletik stammen.“ Berlemann selbst ist ehemals geförderter Wasserballer. Seine Stiftung unterstützt heute Athlet:innen beim Aufbau einer dualen Karriere.

In unterschiedlichen Programmen wie dem Sporthilfe Elite-Forum oder der Sporthilfe Startup Academy bringt die Stiftung Expertinnen und Experten aus Sport und Wirtschaft zusammen. Berlemann sagt: „Uns ist es wichtig, dass die Athletinnen und Athleten schon während der aktiven Laufbahn über den Tellerrand blicken und sich auf den späteren Berufseinstieg vorbereiten.“ Das gemeinsame Ziel: deutschen Nachwuchs- und Spitzensportlerinnen die Tür in die Welt der Wirtschaft öffnen – ob als Unternehmer:in oder als Gründer:in.

Die duale Karriere beginnt also bei vielen schon in den ersten Jahren der Sportkarriere, mit einem Studium oder einer Ausbildung – genau wie bei Arntzen. Die Notwendigkeit einer parallelen Karriere hat auch er schon früh erkannt: „Wenn man einen Sport ausübt, von dem man sich nicht ernähren kann, dann sollte man eine Ausbildung machen“, rät Arntzen. „Wie sich Ausbildung und Sport miteinander verbinden lassen, ist von Sportart zu Sportart anders.“

Als Beispiel nennt er die Disziplin Schwimmen: „Um hier an der Weltspitze zu sein, musst du die ganze Zeit im Becken sein.“ In einer Disziplin wie Schwimmen ist der Aufbau einer dualen Karriere also noch schwieriger, weshalb die Deutsche Sporthilfe unter die Arme greifen will. Ein Beispiel dafür ist Svenja Zihsler. Die professionelle Freiwasserschwimmerin hat neben ihrer Sportkarriere Medizin studiert und bereits im Studium ein Startup mit dem Namen Hirnaktiv gegründet – eine App zur Prävention von Demenzerkrankungen. Dafür wurde die Schwimmerin 2019 von der Deutschen Sporthilfe als Siegerin der zweiten Sporthilfe Startup Academy ausgezeichnet.

Zihsler ist hier aber nur ein Beispiel von vielen jungen, motivierten Athlet:innen. „Welche Karriere unsere geförderten Athlet:innen einschlagen, liegt an ihren Interessen und Fähigkeiten“, sagt Berlemann. Viele wollen später in die Wirtschaft. „Aber wir unterstützen auch viele, die es beispielsweise in den Gesundheits- oder Bildungssektor oder das Handwerk zieht.“ Ein weiteres Beispiel: der Frankfurter Leichtathlet Andreas Bechmann. Bechmann ist U23-Europameister im Zehnkampf, Business-Student und bereits Startup-Mitgründer. Sein Insuretech-Startup Preventio wurde dieses Jahr zum „Sporthilfe Startup des Jahres“ gekürt. Die Chancen stehen also jetzt schon gut, dass auch er nach seiner Zehnkampfkarriere in der Wirtschaft Erfolge feiern kann.

Grundsätzlich ist es in Deutschland also nicht ungewöhnlich, als Profisportler:in Karriere in der Wirtschaft zu machen. Also so richtig Karriere – nicht nur als vermögender Ex-Fußballer oder Ex-Tennisspieler, der hier und da als Investor Geld auf Unternehmen träufelt.

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