Female Entrepreneurship Miyana Berlin bietet feminine Schuhe an, bei denen Größe keine Rolle spielt

Miyana Berlin bietet feminine Schuhe an, bei denen Größe keine Rolle spielt

„Diversity“ nur als Image-Zweck?

Dass die Suche nach geeigneten Produzent:innen so schwierig verlief, zeigt ein Defizit der Modeindustrie auf – insbesondere der Schuhbranche, die noch sehr klassisch und oldfashioned denkt. Die Produzent:innen rechnen bei Schuhgrößen für Frauen abseits der 41 mit keiner hohen Abnahmemenge und stellen diese daher ungern her. Da von den meisten Labels keine Nachfrage nach größeren Frauenschuhen bestand, gab es eben auch keinen Anreiz, die Produktionswege zu erweitern.

Der progressive Tenor hin zu Diversität, wie ihn Labels gerne nach außen hin propagieren, mag deswegen als Trend ohne Substanz erscheinen. Große Modelabels wissen, dass es nicht mehr en vogue ist, ausschließlich perfekte Barbies und Kens auf Laufstegen zu zeigen – also wenden sie sich davon ab. Jede Personengruppe soll sich repräsentiert fühlen, alteingesessene Normen über das Aussehen von Models sind out. Aber: „Nur wenige klemmen sich wirklich dahinter und wollen einen Unterschied machen“, sagt Nußbaum. Die Frage, die sich bei Diversity-Kampagnen immer stellt, ist: Geht es nur um ein Saubermann-Image zum Zweck der Verkaufssteigerung oder um wirkliche Überzeugung?

„Wenn man den passenden Schuh nicht findet, heißt das ja, dass das nicht normal ist“

Nußbaum will allerdings nicht bloß Schuhe verkaufen. Sie hat eine Vision. Frauen mit größeren Schuhen sollen sich nicht mehr für die Größe ihrer Füße schämen oder diese als andersartig wahrnehmen. Sie weiß aus eigener Erfahrung, dass es am Selbstbewusstsein nagen kann, wenn man größere Größen trägt als die anderen: „Wenn man den passenden Schuh nicht findet, heißt das ja, dass das nicht normal ist – dass man selbst nicht normal ist.“ Miyana Berlin ist für Nußbaum deshalb nicht nur ein Label, sondern eine Herzensangelegenheit.

Diese Überzeugung half ihr auch in schwierigeren Zeiten, am Ball zu bleiben. Denn für das Label war die Pandemie ein harter Schlag. Immerhin verkauft Nußbaum Schuhe, die vorrangig zum Ausgehen angezogen werden – im Lockdown natürlich ein Produkt mit überschaubarem Nutzen. Seit der Öffnung der Restaurants und Bars und der Erlaubnis öffentlicher Events geht es auch mit ihrem Verkauf endlich wieder bergauf.

Kleine Nische, große Wirkung

Große Gewinne fährt Miyana Berlin noch nicht ein. Nußbaum kann die laufenden Kosten decken, und das sei vorerst die Hauptsache. Dass ihr Impact als kleines Label bescheiden ist, weiß sie. Aber sie betont auch die Macht des Word-of-Mouth – gerade in einer kleinen Nische geht der Zuwachs an Bekanntheit oft rasant voran. In fünf Jahren möchte sie schlicht das Label für feminine Schuhe in Übergrößen sein.

Dass es der Gründerin um viel mehr geht als den schnöden Verkauf von Schuhen, zeigt sich, wenn sie sich mit den Begriffen der Branche auseinandersetzt. Denn allein das Wording sorgt bereits für ein Fremdeln: „Ich will nicht, dass Frauen fragen müssen: Hey, habt ihr was in Übergröße?“, fasst Nußbaum ihr übergeordnetes Anliegen zusammen.

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