Productivity & New Work Warum unternehmerisches Denken der Soft Skill der Zukunft ist – und wie du es lernst

Warum unternehmerisches Denken der Soft Skill der Zukunft ist – und wie du es lernst

Ein Gastbeitrag von Dennis Fischer

Es ist kein Geheimnis, dass die Arbeitswelt der Zukunft stärker von Algorithmen, Robotern und künstlichen Intelligenzen geprägt sein wird. Die Unternehmensberatung McKinsey geht davon aus, dass sich bis zum Jahr 2030 sechs Millionen Menschen in Deutschland einen anderen Job suchen müssen – aufgrund von Automatisierung und Digitalisierung. Wie können wir also dafür sorgen, weiterhin in der Arbeitswelt zu bestehen und unersetzlich zu werden?

Eine Sache ist ganz entscheidend: Es sollte nicht darum gehen, mit den Maschinen in Konkurrenz zu treten und auf Teufel komm raus effizienter und produktiver zu werden. Unser Fokus muss darauf liegen, jene Fähigkeiten zu entwickeln, die selbst die beste KI uns so schnell nicht nachmachen kann. Dazu gehörten Soft Skills wie Kreativität, Einfühlungsvermögen und ein kritischer Geist ebenso wie unternehmerisches Denken. Warum? Nun, es ist nicht davon auszugehen, dass künstliche Intelligenzen in naher Zukunft Businesspläne erstellen oder völlig neue Geschäftsmodelle entwerfen werden. Wir Menschen sind es, die mithilfe von neuen Ideen und motivierten Mitarbeiter:innen die großen Probleme der Welt angehen können.

Das unterscheidet Manager:innen und Unternehmer:innen

Das bedeutet nicht, dass jeder zum Gründer oder zur Gründerin werden sollte. Vielmehr wird die besondere Art, wie Unternehmer:innen denken, auch für Angestellte immer wichtiger. Immerhin erhalten wir immer mehr Freiheiten, müssen uns selbst führen und sollen uns als CEO unseres eigenen Unternehmens sehen. Das impliziert auch, dass wir uns nicht hinter Prozessen, Regeln oder Vorgesetzten verstecken, sondern selbst Verantwortung übernehmen.

Es genügt nicht, wie Unternehmer:innen zu denken, sondern wir müssen auch in die Umsetzung kommen. Dabei besteht ein wichtiger Unterschied zwischen Manager:innen und Unternehmer:innen. Manager:innen sind wie Köche, die ein bestimmtes Menü kochen wollen und dann dafür einkaufen gehen, um das Essen anschließend in ihrer bestens ausgestatteten Küche zuzubereiten. Unternehmer und Unternehmerinnen hingegen sind wie „Chefs de cuisine“ die in eine fremde Küche kommen, den Kühlschrank öffnen, um dann mit den vorhandenen Zutaten ein Essen zuzubereiten. Die Entrepreneurship-Professorin Saras Sarasvathy hat auf dieser Erkenntnis ihre Effectuation-Theorie aufgebaut.

Was also macht sie aus, die erfolgreichen Entrepreneure – und wie können wir uns diese Fähigkeiten aneignen? Entscheidend sind diese fünf Prinzipien:

1. Bird-in-hand

Auch wenn es immer heißt „Think Big“: Zunächst müssen wir mehr über die Basis wissen, auf der wir aufbauen können. Unternehmer:innen fragen sich also: Wer bin ich, was sind meine Werte und Prinzipien, welche Persönlichkeit habe ich und was motiviert mich? Und im zweiten Schritt: Was weiß ich, was sind meine Hard Skills und in welchen Soft Skills bin ich gut? Die dritte Frage geht nach außen: Wen kenne ich, der oder die mich bei meiner Idee weiterbringen kann? Wer diese drei Fragen für sich beantwortet, macht aus scheinbar hochgegriffenen Träumen konkrete Pläne.

2. Affordable Loss

Wer große Pläne verfolgt, darf nicht nur auf den Gewinn schielen, sondern muss auch mit den damit verbundenen Risiken leben – das gehört zum Unternehmer:innenleben dazu. Erst wenn der Spieleinsatz klar ist, kann ich meine Ziele festlegen, bei denen ich am Ende möglichst nicht mehr verlieren als gewinnen kann.

Dieses Mindset wünschen sich Arbeitgeber:innen auch von ihren Mitarbeiter:innen. Und sie können es fördern, indem sie ihren Angestellten mehr Freiheit geben und sie so zur Selbstverantwortung animieren. Denn wer wird wohl sparsamer mit dem Firmengeld umgehen: die Unternehmer:innen selbst oder irgendwelche Manager:innen in der Marketingabteilung?

Um Ausgaben zu sparen und mögliche Verluste zu minimieren, sichern sich erfolgreiche Gründer:innen aber nicht mit aufwendigen Marktstudien ab, wie es in etablierten Konzernen üblich ist. Denn gerade bei innovativen Ideen haben solche Studien meist wenig Aussagekraft. Stattdessen stürzen sie sich in den Markt und bieten ihre Prototypen an. So stellen sie direkt fest, wie groß das Interesse ist und wo nachgebessert werden muss.


Dennis Fischer ist Trainer und Keynote-Speaker für die Arbeitswelt von morgen. Sein neues Buch heißt „Future Work Skills.“ ©Hauke Seyfarth

3. Lemonade

Wir alle kennen die „Wenn-dann-Formel“: Wir sollen uns vorher schon Gedanken über mögliche Probleme machen, damit wir in der Situation passend reagieren können. Natürlich können wir nicht alles vorausahnen – gerade die letzten Monate haben gezeigt, wie unerwartet sich Dinge ändern können. Umso wichtiger ist es, offen zu bleiben für Eventualitäten. Und Veränderungen nicht als Bedrohung zu betrachten, sondern die Chancen darin zu sehen. Genau das tun erfolgreiche Unternehmer:innen: Sie halten nicht starr an ihrem Ziel fest, sondern passen diese den Umständen entsprechend an. Getreu dem Spruch: „Flugzeuge steigen gegen den Wind und nicht mit ihm.“

4. Patchwork-Quilt

„Clubhouse“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine App durch gutes Marketing innerhalb kurzer Zeit einen riesigen Hype auslöst, um dann genauso schnell wieder in der Versenkung zu verschwinden. Für nachhaltigen Erfolg braucht es langsames Wachstum wie bei einer Patchwork-Decke: beginnend mit kleinen Flicken, die nach und nach zu etwas Großem anwachsen.

Gründer:innen testen ihre Idee daher erst mal in einzelnen Regionen, um sich nach und nach organisch auszudehnen. Oder es gibt ein Produkt anfangs nur in ausgewählten Geschäften, bis eine große Kette zugreift. Dieses Prinzip kann auch für Angestellte wichtig sein: etwa bei unternehmensinternen Projekten, für die Stakeholder überzeugt werden müssen. Die Frage ist dann: Wen muss ich zuerst mit ins Boot holen, damit er oder sie im Anschluss als Botschafter fungiert und weitere Mitstreiter:innen überzeugt?

5. Pilot-in-the-plane

Auf der Welt leben fast acht Milliarden Menschen. Und jeder von ihnen muss Verantwortung übernehmen: für sich selbst und für andere. Denn jeder von uns ist der Pilot oder die Pilotin im Flugzeug des eigenen Lebens. Wenn wir also unternehmerisch denken, fokussieren wir uns immer auf die nächsten Schritte, um sie dann zu gehen. Wir handeln vorausschauend und müssen – etwa wenn sich das Wetter oder die Route ändert – immer wieder schnelle Entscheidungen treffen. Selbst wenn sich später erweist, dass diese nicht richtig waren, ist es immer noch besser, sie zu treffen, als nichts zu tun.

Wir sehen: Unternehmerisches Denken ist durchaus komplex – aber es hat auch viel damit zu tun, ins Handeln zu kommen. Denn gerade bei diesem Future-Work-Skill kommt es weniger darauf an, ihn theoretisch zu durchdringen, sondern vor allem darauf, ihn praktisch anzuwenden und dabei gleichzeitig zu trainieren und zu verfeinern. Auf geht’s!

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