Productivity & New Work Resilienz oder Toxic Positivity? Man darf auch mal was scheiße finden

Resilienz oder Toxic Positivity? Man darf auch mal was scheiße finden

Besser: Authentischer Optimismus statt Toxic Positivity

Stellen wir uns die Resilienz wie eine Waage vor: Auf der einen Seite liegen die Risikofaktoren (wie soziale Isolation oder schädliche Gewohnheiten) und auf der anderen die Schutzfaktoren (wie ein starkes soziales Netzwerk). Je mehr die Waage in Richtung Schutzfaktoren kippt, desto leichter gelingt es, mit herausfordernden Situationen umzugehen.

Die Forschung hat gezeigt: Für unsere Widerstandsfähigkeit ist es besser, authentisch-optimistisch aufs Leben zu blicken, anstatt alles nur schön zu reden. Heißt: Es darf auch mal was Scheiße sein. Das ist absolut okay und natürlich.

Wir sollten unseren Blick also für das Positive öffnen und nicht gleich den Teufel an die Wand malen – wenn wir noch gar nicht wissen, was kommt.

Optimismus ist die Fähigkeit, positiv und gleichzeitig realistisch zu denken. Er hilft uns, in schwierigen Situationen die Hoffnung zu bewahren und sich selbst zu vertrauen.

Doch Vorsicht vor zu viel Optimismus: Wir unterschätzen dadurch möglicherweise zukünftige Aufgaben und reden uns Herausforderungen schön. Klappt es dann doch nicht, ist die Enttäuschung groß. Die Resilienz gerät ins Wanken.

In diesen Fällen hilft die eigene Authentizität: Authentisch zu sein bedeutet, sich an den eigenen Gedanken, Emotionen, Bedürfnissen, Werten, Vorlieben und Überzeugungen auszurichten und danach zu handeln. Die eigenen Emotionen und Bedürfnisse wahrzunehmen und nach ihnen zu handeln ist ebenso etwas, das wir trainieren können.

Gastautorin Siri Frericks

Gut und Schlecht gehören zusammen

Toxic Positivity funktioniert nach dem Motto: Wenn ich schlechte Gefühle verdränge, sind sie gar nicht da. Klingt verlockend, funktioniert aber nicht. Wenn wenn wir stattdessen negative Gefühle und Erlebnisse akzeptieren, trägt das dazu bei, dass wir weniger Stress haben. Kurz gesagt: Nicht nur Lachen ist gesund – Weinen kann genauso befreiend sein.

Wer einen gesunden Umgang mit Stress finden möchte, sollte üben, die eigenen Gefühle und Gedanken zu akzeptieren – egal ob positiv oder negativ. Oder wie der Psychologe Carl R. Rogers es formuliert: “Wenn ich mich so, wie ich bin, akzeptiere, verändere ich mich.” – Und nicht, wenn ich alles Schwierige unter klebrig-toxischer Positivität verstecke.

Über die Autorin: Siri Frericks ist Psychologin und Content Creatorin bei 7Mind. Sie verknüpft ihren Hintergrund in klinischer Psychologie und Psychotherapie mit einem ihrer Lieblingsthemen: Achtsamkeit. Für 7Mind entwickelt Siri zertifizierte Online-Präventionskurse für einen gesunden Umgang mit Stress und hält digitale Workshops für Unternehmen rund um Achtsamkeit, Stress und Mental Health.

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