Productivity & New Work 14 Tage Barcelona: die Startup-Szene auf Klassenfahrt

14 Tage Barcelona: die Startup-Szene auf Klassenfahrt

Dieses Mal sind drei Gründerinnen und zwei Gründer dabei. Alle sind zwischen 25 und 35 Jahre alt, haben unterschiedliche Abschlüsse, verschiedene Backgrounds – und ein gemeinsames Ziel: das eigene Business wachsen lassen.

Etwa Vivien Karl, die ihr Unternehmen so vorstellt: „Wir durchbrechen den verstaubten Markt der Intimpflege und enttabuisieren das Thema Vaginaltrockenheit.“ Karl ist promovierte Apothekerin und hat mit ihrem Startup Dr. Vivien Karl laut Pitch „natürliche, nachhaltige und wissenschaftsbasierte Intimpflegeprodukte“ entwickelt. Im Sommer launcht sie ihre Creme gegen Vaginaltrockenheit. Karl bereitet sich hier also gerade auf den Angriff im Markt vor, sie werkelt vor allem am Finanzplan weiter und führt Gespräche mit potenziellen Investorinnen. „Ich habe jetzt schon im Camp gelernt, dass ich endlich mal ins Machen kommen muss. Kein Perfektionismus, sondern Trial and Error“, sagt die Gründerin.

Vivien Karl. Foto: Lexrocket

Anderes Produkt, ähnlich große Ambitionen: Larissa Wiens hat Lovebites gegründet, ein Startup für vegane Backwaren. Ihr erstes Produkt: ein half-baked Cookie, den sie in Berlin unter die Leute bringen will. „Ich bin eigentlich Grafikerin, mir fehlt der Gründerbackground, mir fehlen Mentoren. Hier bekomme ich wertvolles Feedback“, sagt Wiens. Sie will im Camp Input von anderen Jungunternehmerinnen und -unternehmern bekommen, um diesen mit in bevorstehende wichtige Gespräche zu nehmen – vor allem mit Produzentinnen und Vertrieblern. Unterdessen bedient sie den Ofen: Schon früh morgens riecht es in der ganzen Küche nach Schokoladenkeksen. Nervennahrung für das gesamte Team.

Larissa Wiens. Foto: Lexrocket

Nervennahrung, die auch Adrian Ballosch, Modelscout und Gründer von Pola, braucht. Denn Ballosch befindet sich gerade in einer öffentlichen Pre-Seed-Runde, mit dem Ziel, 500 000 Euro einzusammeln. Sein Startup Pola ist aus Balloschs Vergangenheit als selbstständiger Fotograf, Model und Modelscout entstanden. „Models – ich nenne sie lieber Content Faces – haben es extrem schwer, gescoutet zu werden. Ich will ihnen einen einfacheren Einstieg ermöglichen“, sagt er. Und das mit Pola, einer App, mit der Balloschs sogenannte Content Faces ihre eigenen Setcards erstellen können – mit dem Ziel, sich von dem typischen Schönheitsideal zu entfernen, das teilweise immer noch mit der Bezeichnung Model assoziiert wird.

Adrian Ballosch. Foto: Lexrocket

Seit dem Launch Anfang des Jahres konnte Pola schon über 7 000 Menschen gewinnen, die App hat es bereits auf Platz 18 der deutschen App-Store-Charts geschafft. „Ich habe durch mein Startup gemerkt, wie mächtig Social Media für junge Gründerinnen und Gründer sein kann. Ich bin hier, um den anderen dieses Learning mitzugeben“, sagt Ballosch.

Learnings, von denen wiederum auch Luis Weber profitieren kann. Weber hat in Freiburg Bav Solutions gegründet. Das Techunternehmen soll die betriebliche Altersvorsorge demokratisieren. „Wir bilden die Schnittstelle zwischen Arbeitgeber, Versicherungspartner und Arbeitnehmer mit dem Ziel, Altersvorsorge sexy und einfach zu gestalten“, sagt Weber. Weber will damit kein Lifestyle-Produkt bieten, sondern eher eine Plattform für ein Thema, das für immer mehr junge Menschen in den Mittelpunkt rückt. Er betrachtet die Zeit in Barcelona als ein Geben und Nehmen von Wissen.

Luis Webe. Foto: Lexrocket

Auch Verena Hauser setzt im Camp auf die Expertise der Mentorings. Ihr Ed-Tech-Startup Sklls soll Personalentwicklung individuell gestalten, komplett mit digitalem Businesscoach namens Sally, die per Livechat Q&A-Sessions anbietet, um persönliche Stärken und Schwächen zu ermitteln. Nach einer erfolgreichen Seed-Finanzierungsrunde will die Gründerin mit Sklls nun weiter durchstarten, das Camp soll ihr Inspiration geben. Gute Voraussetzungen: „Ich habe hier Abstand von meinem Alltag und gleichzeitig viele schlaue Köpfe um mich herum“, sagt sie.

Verena Hauser. Foto: Lexrocket

Mit den „schlauen Köpfen“ meint Hauser nicht nur die anderen Gründerinnen und Gründer, sondern vor allem die sieben angereisten Mentorinnen und Mentoren, die einen bunten Strauß Wissen ins Camp tragen: einerseits notwendige Know-how-Evergreens wie Marketing und Steuern, andererseits das Gegenwartsthema Personal Branding und natürlich den leicht therapeutisch klingenden Startup-Mindset-Klassiker „positiv scheitern“.

„Das hier ist wie Gruppentherapie“

Letzterer wird von einer Alumna geleitet, und damit kann Lexrocket schon den eigenen Anspruch an Netzwerkaufbau erfüllen. Denn Mentorin Carina Frings hat 2018 Udo gegründet, ein Startup für einen Mehrwegdeckel, der Gläser und Tassen in To-go-Becher verwandelt. Als sie 2018 als Teilnehmerin im Camp ankam, habe sie sich wie bei der Casting-Show „Der Bachelor“ gefühlt, sagt sie.

Immer wieder blitzen Parallelen zu TV-Formaten auf. Nicht ganz abwegig: Fremde Menschen treffen mit Koffern in einer Villa ein, um 14 Tage voller unbekannter Herausforderungen zu meistern. „Das kann auch mal anstrengend sein, aber es schweißt enorm zusammen“, sagt Frings.

Sie kann mittlerweile vor allem den Weg als Gründerin mitfühlen – ergo ihr bereits angesprochener, hoffnungsstiftender Programmpunkt „Positiv scheitern“. Darin sollen sich alle gegenseitig mit Worten beschreiben, sich einander vorstellen und darauf Feedback geben. Es kullern sogar ein paar Tränen. „Das ist hier wie Gruppentherapie“, sagt eine der Teilnehmerinnen. Frings will, dass niemand angibt oder Emotionen überspielt, es soll eine ehrliche Feedbackkultur herrschen. Sie sagt: „Ich weiß, das hier ist anstrengend, aber ich sage euch, ihr werdet heute Nacht gut schlafen können.“

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