Innovation & Future Dieser Brief geht an den BASF-Chef: Hi Markus, halte durch!

Dieser Brief geht an den BASF-Chef: Hi Markus, halte durch!

Dafür kennen wir unser Land so gut, dass wir natürlich ständig darüber mosern. Wenn wir über den Bildungssalat stöhnen, den uns Pisa attestiert, glauben wir im Herzen doch, dass wir topausgebildete Menschen hervorbringen. Wenn wir im Wartezimmer des Arztes übers Gesundheitssystem lamentieren, denken im Grunde doch, dass wir Spitzenmedizin genießen. Und wenn die Bahn mal wieder eine halbe Stunde zu spät um die Kurve biegt, wissen wir im tiefsten Innern, dass sich jeder Winkel Deutschlands gefahrlos und in überschaubarer Zeit mit irgendeinem fahrbaren Untersatz erreichen lässt. Selbst unserer Bürokraten hinter irgendwelchen Behördenschaltern lassen wir in Ruhe, weil wir die Gewissheit haben, dass sie unbestechlich kleine Ergebnisse produzieren. Es dauert halt nur. Im Grunde genommen lieben wir unser Land genauso sehr für seine Unzulänglichkeiten, wie wir glauben, dass Deine BASF hierhergehört.

Und nun sagst Du uns, dass es hier nicht mehr läuft. Und Du hast gute Argumente. Du verdienst an Deinem Heimatstandort Ludwigshafen kein Geld mehr, und das kann niemandem egal sein, weil es letztendlich der Zweck jeder Unternehmung ist, einen Gewinn zu machen. Neue Regeln machen Euch das Leben schwer, die Politiker machen so sehr ihr Ding, dass Euch die Kosten für Energie um die Ohren fliegen. Ich habe auch einen aus der Bande gewählt und ärgere mich inzwischen darüber. Bei der nächsten Wahl bekommt er meine Stimme nicht, aber so lange muss ich durchhalten. Ich kann nämlich nicht nach China wie Du. Meine Kinder gehen hier zur Schule, und ich habe keine Lust auf Stäbchen.

Du aber sagst uns, dass am anderen Ende der Welt die Zukunft liegt. Klar, hierzulande willst Du noch ein bisschen forschen, aber mein Eindruck ist, hier wird verkauft, was nicht niet- und nagelfest ist, und in China gebaut, was dort, nach allem, was ich höre, so schön schnell geht.

Ich kenne viele Manager, die die Geschwindigkeit, mit der in China alles voran geht, über den Klee loben, aber wohnen wollen sie am Ende doch lieber hier.  Ich frage mich dann immer, ob der Preis von gelebter Demokratie vielleicht Langsamkeit und Kompromissfähigkeit ist, und stelle fest, dass ich den Preis dann eben lieber bezahle, als mich in meiner Freiheit einzuschränken.

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