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2,50 Euro gegen Gentrifizierung – wie LAP Coffee den Ketten den Kaffee kocht

LAP will den To-go-Kaffee in Deutschland neu definieren.
LAP COFFEE LAP will den To-go-Kaffee in Deutschland neu definieren.
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Lesezeit6 Min · 1.163 Wörter

Wenn Starbucks nicht mehr schmeckt und McCafé wie abgestandenes Spülwasser wirkt, dann kommt LAP Coffee – und haut dir für 2,50 Euro einen Cappuccino um die Ohren, der nicht nur besser ist, sondern auch politisch. Während deutsche Banken beim Wort „asset-light“ Schnappatmung kriegen und Gründer ohne Erbtante abwinken, haben die Berliner Kaffeerebellen lieber VC-Geld genommen – und bleiben trotzdem knallhart profitabel. Ihre Mikro-Shops besetzen die Lücke zwischen „langsam & teuer“ und „schnell & seelenlos“, reaktivieren Leerstand, senken Preise und drehen den Gentrifizierungs-Spieß beim Kaffee einfach um. Guardrails statt Skalierungswahn, Maschine fürs Maß, Mensch fürs Herz – LAP will den To-go-Kaffee in Deutschland neu definieren.

Ein Interview mit Ralph Hage, CEO und Gründer von LAP Coffee.

Deutsche Banken haben euch trotz Profitabilität abgelehnt. Was sagt das über das Finanzierungsklima?

Asset-light wird in Deutschland selten über Sicherheiten gedacht. Genau deshalb braucht es Alternativen wie VC – dort wird Risiko wirklich getragen. Hätte ich eine geerbte Immobilie oder Vermögen von zu Hause, würden Banken diese als Sicherheit nutzen. Eigenlogik der Banken: kein Collateral, kein Kredit. Deshalb sind gerade Unternehmer mit Migrationshintergrund oft von deutschen Banken enttäuscht. 

LAP will den To-go-Kaffee in Deutschland neu definieren.
LAP will den To-go-Kaffee in Deutschland neu definieren.

VC statt Bankkredit: Wie verhindert ihr Skalierungswahn?

Unser Modell zwingt zur Disziplin: kleine Flächen, kleine Teams, standardisierte Abläufe. Wir wachsen profitabel – und nur so. Nur so konnten wir unsere Investoren überzeugen. Das soll in Zukunft auch so bleiben. 

Ist Insight nur Kapital oder auch Türöffner für die USA?

Wir legen unseren Fokus voll auf Deutschland. Hier sind wir zu Hause. Es gibt noch sehr viel zu tun für die deutsche Kaffeekultur. Solange McDonalds der größte Kaffeeverkäufer in Deutschland ist, werden wir nicht über die USA nachdenken.

New York, L.A., Miami – oder erst Europa?

Deutschland/Europa zuerst. Punkt.

Was müsste passieren, damit LAP in den USA funktioniert, ohne Preis/Qualität zu opfern?

Derzeit keine Priorität. Ohne lokale Röst- und Prozesskette wäre das Versprechen nicht haltbar – also lassen wir es.

Wie schützt ihr euren „fairen Sweet Spot“, wenn ihr wachst?

Lokale Läden statt Flagships, beste Kaffeebohnen, klare Prozesse, schlanke Kostenbasis. In einem Markt mit 50.000 Cafés ist Platz für ~100, die genau das konsequent spielen.

Warum war Specialty-Kaffee hierzulande oft teuer?

Weil viele Preissteigerungen durchgingen – „einmal aus der Tube, kein Zurück“. Wir zeigen: mit Prozess-Effizienz geht Qualität auch fair bepreist – bei fairer Bezahlung entlang der Kette. Kaffee muss nicht teuer sein. Was viele Konkurrenten ärgert ist, dass wir mit den besten Kaffee und Röstereien arbeiten. Das wir unsere Kaffeefarmer fair bezahlen… 

Euer 2,50-€-Cappuccino wirkt politisch – wie wichtig ist Preisfairness?

„Life Among People“ heißt: Qualität darf den Alltag nicht ausgrenzen. Preisfairness ist Teil unserer Haltung gegen Gentrifizierung im Kleinen – zumindest beim Kaffee. Schauen sie sich Berlin an. Steigende Preise für Mieten verdrängen Menschen aus der Stadt. Sie verändern die Stadt. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die Preise nicht nur nach oben gehen und die Genterifizerung zumindest beim Kaffee aufhört. Wenn man so will: 2,50 Euro sind für die Menschen – jeder verdient Qualität, und Kaffee sollte nicht unerreichbar sein. Deshalb steckt das „People“ in unserem Namen.

Mikro-Sites, Pre-Order, schlanke Karte, Automatisierung: Seid ihr eher Tech-Startup als Kette?

Wir sind keine Kaffeekette. Ich bin als Ausländer nach Deutschland gekommen – und ich nutze diesen Blick von außen bewusst: Ich will Orte schaffen, in denen Menschen dazugehören, nicht nur konsumieren. Kaffee ist dafür ideal: jeden Tag, für alle. Unsere Formel: Prozess‑Engineering + echte Gastfreundschaft macht Specialty‑Qualität für jeden zugänglich. Das macht uns aus. Wir nutzen Technologie, um einen besseren Service zu bieten: Tech-enabled Hospitality. Maschinen kalibrieren, Menschen verbinden. Wir nutzen Technologie für Tempo und Konstanz – die Seele kommt von Gastfreundschaft, nicht vom Toolstack.

Wie viel Freiheit haben Baristas vs. Prozess-Disziplin?

Freiheit im Zwischenmenschlichen, Disziplin im Ablauf. Weniger Routinekram, mehr Zeit für Gäste und Handwerk.

LAP steht für Life Among People
LAP steht für Life Among People

Gibt es einen Punkt, an dem Effizienz den Charakter killt?

Ja – genau deshalb verbinden wir Effizienz mit Großzügigkeit: Wir laden Nachbar:innen zu kostenlosem Kaffee ein, bieten Nachbarschaftsrabatte, eine Treuekarte, 15 % Rabatt für eigene Becher und investieren weiter in nachhaltige Becherkonzepte, spielen Musik in unseren Läden und präsentieren lokale Künstler:innen. Ich finde, unsere Shops leben.

„Life Among People“ – wie lebt ihr das konkret?

Städten fehlt es an Orten, um miteinander in Kontakt zu kommen. Deshalb gibt es uns. Läden als Treffpunkte: niederschwellige Gelegenheiten, Gespräche statt Stress, sichtbare Gemeinschaftssignale in der Nachbarschaft. Menschen zusammenzubringen, darauf sind wir sehr stolz (es steckt ja buchstäblich in unserem Namen). Community Runs, Pop-ups, Nail-Art-Events, Tanzpartys – all diese Mikromomente lassen eine Stadt wie ein Dorf wirken. 

Publikum von Lieferfahrer bis Fashion-Week – wie verhindert ihr reine Lifestyle-Marke?

Alltag vor Attitüde: Produkt, Preis, Nähe. Unsere Eröffnungen wirken wie Straßenfeste, aber die Bindung entsteht durch tägliche Wiederkehr, nicht durch Hype.

Rolle von Events (Adidas Sunday Run, Fashion Week)?

Sozial relevant, zielgruppennah, als „Trial Machines“ gedacht: Sie passen zu unserer Zielgruppe und dienen als Testfelder für kulturelle Bestätigung. Wir erreichen neue Zielgruppen, schaffen Anlässe, bei denen unsere Kund:innen miteinander in Kontakt kommen können (“Leben unter Menschen schaffen” – :)) und zeigen, dass LAP zum kulturellen Gefüge der Stadt gehört. Nicht nur in der Kaffeeszene, sondern auch im Lifestyle – denn Kaffee ist letztlich ein Lifestyle-Produkt. Wir halten das Ganze praxisorientiert: limitierte Kooperationen, Pop-ups mit messbarer Conversion, keine Prestigeprojekte ohne echten Mehrwert.

Mehrweg-Flows statt Greenwashing – wie messt ihr Impact?

Anteil Mehrweg vs. Einweg, reduzierter Milch-/Becher-Waste, Energie-Monitoring. Ziel: den To-go-Becher praktisch obsolet machen.

Reaktion auf den Vorwurf, ihr verdrängt kleinere Cafés?

Wir gehen dorthin, wo Lücken sind, nicht in gesättigte Lagen. Wir öffnen neue Kundengruppen für Kaffee – die Stadt ist groß genug für Vielfalt. Und wir kriegen immer noch viele Anfragen, wann wir “endlich” nach XY oder ZW kommen. In Berlin allein gibt es über 2000 Cafes und nochmals über 1000 Späthis, die oft Kaffee verkaufen. Mit einem duzend Läden können wir nicht ernsthaft die Szene verändern. Jeder der das behauptet, hat andere Probleme.

Leerstände reaktivieren – was heißt das im Kiez?

Mehr Frequenz, mehr Umsatz für Nachbarn, mehr soziales Leben auf der Straße. Mikro-Sites machen tote Ecken wieder brauchbar.

LAP in fünf Jahren – kultige Handvoll oder dreistellig?

Kult und Kulturprägung vor Zählerei. Qualität und Preisversprechen steuern die Taktzahl.

Bewusst klein bleiben, um Hype und Qualität zu bewahren?

Wir wachsen nur, wenn Nachfrage da ist – gesund und mit gleicher Prozess-DNA. Wir sind ein Lokal-Hero. Das werden wir auch in Zukunft bleiben.

Wenn LAP global würde – wie verhindert ihr „schnell & seelenlos“?

Guardrails bleiben: kleine Flächen, lokale Teams, Preisfairness, Tech als Mittel – nie als Selbstzweck. Ohne Seele kein Wachstum.

Portrait Susie von den Stemmen

Susie von den Stemmen

Mit über 30 Jahren Erfahrung in den Medien hat Susie eine vielseitige Karriere als TV-Redakteurin, Print- und Online-Journalistin verbracht. Ihr Fokus liegt auf Kultur, Auto- und Lifestylethemen, in denen sie eine umfassende Expertise aufgebaut hat. Diese Tätigkeiten haben ihr die Möglichkeit eröffnet, faszinierende Orte zu bereisen und ein umfassendes Netzwerk im Bereich der Persönlichkeiten hinter den Marken und VIPs aufzubauen. Susies beruflicher Werdegang begann nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften und Germanistik mit einer ersten Berufsstation beim Disney Club (ARD), gefolgt von Redaktionsarbeiten für Gottschalk Late Night (RTL) und Jay Leno (NBC Los Angeles). Sie hat zahlreiche Fernsehaufträge für verschiedene Sender durchgeführt, darunter die Produktion von TV Beiträgen, Leitung von Studioredaktionen und die Akquise von Neugeschäft. Nachdem sie mit ihrer Familie nach Hamburg gezogen ist, hat sie ihre Karriere im Printbereich gestartet, zunächst bei Park Avenue für Gruner & Jahr und später bei Gala und anderen renommierten Titeln. Als VIP-, Automobil- und Kultur-Beauftragte hat sie weiterhin die Welt bereist, ihr Netzwerk ausgebaut und ihre Leidenschaft für die Auto-, Reise- und Genussszene vertieft. Aktuell leitet sie das Office! von den Stemmen in Hamburg und München. Kunden waren und sind: Bild, Cosmopolitan, Travellers World, Ramp, Audi Magazin, Air Tours, Lufthansa Magazin, DB Magazin, Tagesspiegel, Myself, Zeit Online, Instyle Men und nun auch Business Punk. Neben ihrem Wohnsitz in Hamburg ist sie dank ihrer Porsche Rennlizenz weltweit im Einsatz, um fesselnde Geschichten rund um Automobilität, Kultur und Lifestyle zu generieren.