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4800 Jobs weg: Microsoft zeigt die dunkle Seite des KI-Booms

Microsoft setzt den Rotstift an
Picture Alliance Microsoft setzt den Rotstift an
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Lesezeit2 Min · 439 Wörter

Microsoft streicht 4800 Stellen. Während der Konzern 190 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur pumpt. Besonders bitter: Xbox verliert ein Fünftel seiner Belegschaft im „bedeutendsten Umbau der Geschichte“.

Microsoft verkauft KI als Effizienzwunder und macht damit 4800 Menschen arbeitslos. Der Softwarekonzern streicht rund zwei Prozent seiner Belegschaft, wie heise berichtet.

Der zynische Twist: Während CEO Satya Nadella 190 Milliarden Dollar in KI-Rechenzentren investiert, müssen Tausende gehen, weil angeblich die Produktivität durch künstliche Intelligenz steigt. Willkommen in der schönen neuen Arbeitswelt.

Xbox im freien Fall

Am härtesten trifft es die Gaming-Sparte Xbox: 3200 Jobs fallen weg – etwa ein Fünftel aller Stellen im Bereich. „Unser Geschäft ist heute nicht gesund“, schrieb Xbox-Chefin Asha Sharma laut WirtschaftsWoche in einer E-Mail an die Mitarbeiter. Es sei der „bedeutendste Umbau der Xbox-Geschichte“. Zunächst verschwinden 1600 Stellen sofort, die restlichen binnen zwölf Monaten.

Die Diagnose klingt verheerend: Spielerzahl sinkt, Konsolen-Verkäufe schwächeln, und Microsoft musste die Xbox-Preise erhöhen, obwohl die Nachfrage ohnehin lahmt. Vier Entwickler-Studios verlassen den Konzern, darunter Compulsion Games und Double Fine, die ihre Gründer zurückkaufen sollen. Für Ninja Theory wird noch ein Käufer gesucht. Immerhin: Studioschließungen sind vorerst nicht geplant.

Hierarchie-Wahnsinn als Sündenbock

Sharma macht auch die aufgeblähte Bürokratie verantwortlich: Manche Entscheidungen durchliefen bisher 14 Management-Ebenen. Nach dem „Reset“ sollen es nur noch drei bis fünf sein. Von 14 auf 3 – das klingt nach einem längst überfälligen Eingeständnis organisatorischen Versagens. Doch die flacheren Hierarchien kosten weitere 1600 Stellen im Geschäftskundenvertrieb, zusätzlich zur Xbox-Massenentlassung.

Tech-Branche im Sparmodus

Microsoft steht nicht allein da. Laut dem Portal Layoffs.fyi haben US-Technologiekonzerne in den vergangenen Monaten etwa 120.000 Jobs abgebaut [WirtschaftsWoche]. Cloud-Anbieter wie Google und Amazon Web Services stehen unter massivem Sparzwang – die explodierenden Kosten für Rechenzentren und Computerchips machen auch vor den Tech-Giganten nicht halt.

Microsoft hatte bereits nach der 69-Milliarden-Dollar-Übernahme von Activision Blizzard Ende 2023 Tausende Stellen gestrichen. Vor den aktuellen Kündigungen hatte der Konzern bereits 9000 Beschäftigten Abfindungen angeboten.

Business Punk Check

Das Paradox könnte absurder kaum sein: Microsoft investiert 190 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur – und entlässt gleichzeitig fast 5000 Menschen, weil dieselbe KI angeblich effizienter arbeitet. Das ist keine Transformation, das ist Kannibalisierung. Xbox‘ Niedergang zeigt, wie brutal die Konzernlogik funktioniert: Ein Fünftel der Belegschaft wird geopfert, während Studios notverkauft werden.

Sharmas Versprechen, Xbox künftig auf über eine Milliarde tägliche Nutzer zu skalieren, klingt wie Galgenhumor. Die harte Wahrheit: KI ist kein Job-Ersatz, sondern die perfekte Ausrede für Massenentlassungen. Wer heute noch an den Tech-Humanismus glaubt, hat die Zeichen nicht erkannt. Der Branchentrend ist eindeutig – und menschenverachtend.

Quellen: heise, WirtschaftsWoche

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.