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Regisseur David Helmut: „Ich stehe total auf diesen dummen, amerikanischen Humor“

Regisseur David Helmut: „Ich stehe total auf diesen dummen, amerikanischen Humor“
Lars Nitsch
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit6 Min · 1.140 Wörter

Drehbuchautor, Regisseur, Schauspieler: David Helmut übernimmt einfach gleich alles selbst. Die Sitcom „Wrong“ zeigt, dass das verdammt gut funktionieren kann.

David, bei „Wrong“ besetzt du alle wichtigen Schaltstellen. Wieso?

Ehrlich gesagt, denke ich, es wäre schwieriger für mich, ein fremdes Drehbuch zu spielen. Beim Schreiben kann ich meine Rolle bereits mitentwickeln und gehe die Dialoge schon im Kopf durch. So kann ich mich am Set mehr auf alle anderen Schauspieler im Bild konzentrieren.

Bist du lieber hinter oder vor der Kamera?

Ich sehe mich definitiv lieber hinter der Kamera und schreibe auch unglaublich gerne. Dieser Ausflug in die Schauspielwelt hat mir trotzdem sehr viel Spaß gemacht. Vielleicht ist es aber auch eine Art Komplex, den ich habe: die Kontrolle über den Humor und die Inszenierung nicht abgeben zu wollen. Ich denke aber, dass das ein allgemeines Problem von Regisseuren ist.

Erzähl uns von der Entstehung von „Wrong“, wie kam es zu der Serie?

Ich habe mir gedacht: Warum nicht einfach etwas Kohle von meinen Werbefilmen nehmen und daraus mit meinen Freunden testweise die erste Folge einer Sitcom drehen? Zu der Zeit kam auch „Jerks“ raus. Die Serie hat ein Türchen zu einer bestimmten Art Humor in Deutschland geöffnet. Dann haben wir die Pilotfolge gedreht, komplett ohne Budget. Damit sind wir dann zu RTL (Disclaimer: Auch Business Punk gehört zur RTL-Gruppe). Die haben den Humor verstanden, gefeiert und wollten mehr davon. Die Serie ist tatsächlich extrem beliebt.

Hast du mit so viel Zuspruch gerechnet?

Dadurch, dass man sich das fertige Produkt im Schnitt gefühlt hundertmal anschaut, verliert man total den Bezug dazu, ob es noch witzig ist. Es war also eine große Erleichterung, nach dem Release so viel gutes Feedback zu bekommen.

Ihr hattet 35 Drehtage. Von Werbefilmen bist du weniger gewohnt. Eine große Umstellung?

Klar, ich meine, ein Werbespot ist in den meisten Fällen in 35 Sekunden erzählt und oft schon an einem Drehtag abgedreht. Bei einer Serie musst du jeden Drehtag die gesamte Geschichte aller Folgen im Kopf haben. Denn du drehst ja nicht jeden Tag eine Folge, sondern alle Szenen durcheinander. Hierbei dramaturgisch den Überblick zu behalten ist die größte Challenge, würde ich sagen.

Die Serie zeigt das Leben einer Chaos-WG. Dein persönlicher Horror-WG-Moment?

Puh, da gibt es viele Geschichten. Einmal kamen wir morgens früh vom Feiern wieder und hatten die glorreiche Idee, unseren langen WG-Flur mit Seifenwasser vollzuschütten, uns auszuziehen und über den Gang zu schliddern. Megalustiger Morgen. Doch am nächsten Tag kam der ganze Laminatboden hoch.

Ist dieser Spirit am Set erhalten geblieben?

Wir haben während der Drehtage alle zusammen in einem Hotel gegenüber vom Set gelebt. Jeder hatte sein eigenes Zimmer, aber mit Gemeinschaftsküche. Wir haben wirklich wie in einer riesigen WG gelebt und es gleichzeitig gespielt, das war eine schöne Erfahrung.

Vor ein paar Wochen wurde bekannt, dass eine zweite Staffel kommt. Was passiert da?

Die zweite Staffel wird auf jeden Fall eine Ansage. Wenn nicht alles schiefgeht, sollte das richtig gut werden. Wir haben sehr viele lustige Momente und völlig absurde Geschichten geschrieben. Ich hoffe, wir kriegen das alles auch genau so aufs Tape geschossen.

Aktuell schreibst du an den letzten Drehbüchern. Wie sieht dein Schreibsetting aus?

Das Schönste ist: Drehbücher lassen sich überall schreiben. So kann ich super easy in meinem Wohnmobil irgendwo an der Küste stehen. Morgens wird geschrieben und nachmittags gesurft. Mit diesem Lifestyle bin ich aktuell ganz zufrieden. Inhaltlich ist es dieses Mal eine etwas andere Herangehensweise, da die Welt und die Charaktere schon da sind und in der ersten Staffel ihren ganz eigenen Input mit reingebracht haben, das ist eine viel spannendere Basis, um sich Geschichten auszudenken.

Workshop-Talk: Hast du eine Schreibroutine?

Ja, die beginnt meist damit, mich zwei Stunden lang zum Schreiben zu zwingen. Viele denken, man muss auf einen bestimmten Moment warten, damit der kreative Prozess beginnt. In meinen Augen stimmt das nicht. Jemand hat mal gesagt: Der kreative Prozess ist eine Art Kreislauf aus Aktion, Inspiration und Kreativität. Heißt, wenn du einfach damit beginnst, irgendetwas zu schreiben – völlig egal was – wirst du dadurch inspiriert. Und so entsteht Kreativität.

Würdest du dich am ehesten dann doch als Autor bezeichnen?

Ich glaube, ich werde mit dem Schreiben nie aufhören. Aktuell schreibe ich noch an meinem Debütlangfilm. Wer weiß, vielleicht schreibe ich irgendwann auch ein richtiges Buch.

Abseits der eigenen WG-Erfahrung: Woher kommt bei dir die Inspiration?

Ich stelle mich nicht in den Wald und warte, bis mir die Gedanken kommen. Es gibt keine bestimmten Situationen. Immer wenn mir eine dumme Idee kommt oder irgendwer von meinen Freunden etwas Absurdes erzählt, schreibe ich es in meine Notizapp auf dem Handy. Daraus entstehen dann unterschiedliche Storylines, die ich im Writersroom vorstelle.

Hast du Vorbilder aus der Filmbranche?

Ich stehe total auf diesen dummen, amerikanischen Humor. Will Ferrell, Seth Rogen, James Franco. Adam McKay ist beispielsweise ein Regisseur, der genau meinen Humor trifft, in der deutschen Filmlandschaft sind das zum Beispiel Christian Ulmen und Arne Feldhusen.

Zurück zum bisherigen Job: Was fasziniert dich an der Werbung?

Ja, richtig, ich bin nach meinem Filmstudium in München komplett in der Werbebranche versunken. Ich liebe Werbung, vor allem weil du dich meist auf eine Minute oder noch weniger konzentrieren musst und dabei jede Sekunde sehr viel mehr wert ist als in einem Langfilm. Ist einfach eine andere Sportart als Fiction. Außerdem ist es schön, dass du meist schon nach ein paar Wochen durch bist und zum nächsten Thema springst. So macht man schnell viele Fehler – und wozu Fehler gut sind, muss man niemandem mehr erklären.

Klingt, als würdest du Werbefilme immer wieder einschieben wollen.

Definitiv. Werbung wird gut bezahlt. Dieses Geld kann man dann dazu hernehmen, sich bei seinen Langfilmprojekten mehr Freiheiten zu kaufen. Beides macht mir wahnsinnig viel Spaß. Aber klar sind es zwei verschiedene Paar Schuhe, ob du jetzt für einen Kunden ein Produkt inszenierst oder deine eigene Geschichte erzählst, wo dir niemand reinredet.

Welchen Traum willst du dir erfüllen?

Ich würde gerne gemeinsam mit den Leuten aus meiner Agentur ein Grundstück im Ausland, vielleicht Portugal, kaufen. Irgendwo an der Küste. Und dort ein autarkes Dorf aufbauen, mit großen Gemüsegärten, vielen Tieren und eigener Energieversorgung. Das ist ein Projekt, das noch weit entfernt wirkt, aber definitiv seinen Platz auf meiner Langzeit-to-do hat.

Dieser Text stammt aus unserer Ausgabe 3/22. In unserem Dossier dreht sich dieses Mal alles um das Thema Climate-Tech. Auch mit dabei: Wie der Head of Hiphop dem Streamingriesen Apple Music endlich eine junge Zielgruppe zuführen soll. Außerdem: Was passiert im Super Startup Adventure Camp Barcelona? An welcher veganen Alternative arbeitet das Food-Tech-Startup Perfeggt? Und noch vieles mehr…

Portrait Katharina Boecker

Katharina Boecker

Katharina hat Germanistik und Anthropologie in der westfälischen Provinz Münster studiert, welche sie für den Journalismus verlassen hat. Sie lebt jetzt in Berlin und sammelt dort an allen Ecken Inspirationen fürs Schreiben - und fürs Leben im Allgemeinen. Wenn sie nicht gerade nach vergessenen 80er-Hits im Internet sucht, interessiert sie sich für Politik, Popkultur und Sport.