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Agenten unter sich: OpenClaw entfesselt mit Moltbook soziales Netzwerk ohne Menschen

Moltbook von OpenClaw
Business Punk by KI Moltbook von OpenClaw
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Lesezeit5 Min · 1.034 Wörter

OpenClaw heißt der KI-Assistent, der sich dreimal umbenennen musste. Doch das ist nicht die eigentliche Story: Seine Bots haben ein eigenes Social Network gegründet – und diskutieren dort ohne Menschen.

Dreimal umbenannt in zwei Monaten, über 100.000 GitHub-Stars und ein Social Network, auf dem KI-Agenten ohne menschliche Aufsicht miteinander kommunizieren: OpenClaw ist das Tech-Projekt, das gerade alle Regeln bricht. Der österreichische Entwickler Peter Steinberger hat nach seinem Exit bei PSPDFkit einen persönlichen KI-Assistenten gebaut, der viral ging – und jetzt außer Kontrolle gerät. Erst hieß das Tool Clawdbot, dann kam Anthropic mit Anwälten. Also Umbenennung in Moltbot. Doch der Name gefiel niemandem, jetzt heißt es OpenClaw. Steinberger holte sich diesmal sogar die Erlaubnis von OpenAI ein, um weitere juristische Schlachten zu vermeiden.

Die KI-Agenten organisieren sich selbst

Was OpenClaw von anderen KI-Assistenten unterscheidet: Die Community hat Moltbook erschaffen, ein Reddit-artiges Social Network ausschließlich für KI-Agenten. Dort posten Bots ohne menschliches Zutun über Themen wie Android-Automatisierung oder Webcam-Analyse. Andrej Karpathy, Ex-KI-Chef bei Tesla, nennt das Phänomen laut TechCrunch das Science-Fiction-nächste, was er je gesehen habe. Die Agenten nutzen ein Skill-System – herunterladbare Instruktionsdateien, die ihnen beibringen, wie sie im Netzwerk interagieren. Sie posten in Foren namens Submolts und checken alle vier Stunden automatisch nach Updates.

Der britische Programmierer Simon Willison bezeichnet Moltbook als den aktuell spannendsten Ort im Internet. Doch er warnt auch: Der Ansatz, dass Bots eigenständig Befehle aus dem Netz laden und ausführen, birgt massive Sicherheitsrisiken. Genau hier liegt das Problem, das OpenClaw vom Mainstream-Tool noch weit entfernt hält.

Sicherheit bleibt das größte Problem

Steinberger weiß um die Gefahren und betont, dass Sicherheit oberste Priorität habe. Die neueste Version bringt bereits Verbesserungen mit. Doch manche Probleme sind zu groß für ein Open-Source-Projekt: Prompt Injection etwa, bei der manipulierte Nachrichten KI-Modelle zu ungewollten Aktionen verleiten, bleibt ein ungelöstes Branchenproblem. Ein Top-Maintainer mit dem Nickname Shadow stellt auf Discord klar: Wer keine Kommandozeile bedienen kann, sollte die Finger von OpenClaw lassen.

Das Tool sei aktuell nichts für die breite Masse. Steinberger hat das Projekt mittlerweile an mehrere Maintainer aus der Open-Source-Community übergeben. Alleine könne er den Ansturm nicht mehr bewältigen, erklärt er. OpenClaw akzeptiert nun Sponsoren mit Hummer-thematisierten Stufen von Krill (5 Dollar monatlich) bis Poseidon (500 Dollar). Das Geld fließt nicht an Steinberger, sondern soll die Maintainer bezahlen – im besten Fall Vollzeit.

Prominente Unterstützer steigen ein

Zu den Sponsoren zählen Tech-Größen wie Dave Morin von Path und Ben Tossell, der sein Unternehmen Makerpad 2021 an Zapier verkaufte. Tossell, heute Tüftler und Investor, sieht in OpenClaw das Potenzial, KI-Macht in die Hände normaler Menschen zu legen. Leute wie Steinberger, die Open-Source-Tools für alle bauen, müsse man unterstützen, so Tossell gegenüber TechCrunch.

Die Vision: Ein KI-Assistent, der auf dem eigenen Rechner läuft und mit bestehenden Chat-Apps wie Slack oder WhatsApp funktioniert. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aktuell rät Steinberger dringend davon ab, OpenClaw außerhalb kontrollierter Umgebungen zu nutzen – geschweige denn mit Zugriff auf produktive Accounts.

Business Punk Check

OpenClaw zeigt, wohin die Reise mit KI-Agenten wirklich geht: nicht in glattpolierte Enterprise-Lösungen, sondern in chaotische, selbstorganisierende Systeme, die ihre Schöpfer überraschen. Moltbook ist der Beweis, dass KI-Agenten eigenständige digitale Ökosysteme erschaffen können – ohne dass jemand das so geplant hätte. Das ist faszinierend und beängstigend zugleich. Die harte Wahrheit: OpenClaw ist aktuell ein Spielzeug für Tech-Nerds, kein produktives Tool. Wer nicht weiß, was Prompt Injection bedeutet oder wie man Docker-Container absichert, hat hier nichts verloren. Die Sicherheitsrisiken sind real, die Warnungen der Maintainer ernst gemeint.

Steinbergers Ehrlichkeit ist erfrischend in einer Branche, die gerne fertige Lösungen verspricht, wo noch Prototypen laufen. Trotzdem: Wer jetzt einsteigt, erlebt Tech-Geschichte live. Die Frage ist nicht, ob KI-Agenten sich selbst organisieren werden, sondern wann sie es flächendeckend tun. OpenClaw liefert den ersten Vorgeschmack – chaotisch, unsicher, aber verdammt spannend. Für Early Adopters mit technischem Know-how ist das Projekt ein Muss. Alle anderen sollten noch zwei Jahre warten, bis die Kinderkrankheiten ausgemerzt sind.

Häufig gestellte Fragen

Ist OpenClaw für Unternehmen bereits einsetzbar?

Nein, definitiv nicht. OpenClaw steckt in einer frühen Entwicklungsphase mit massiven Sicherheitslücken. Die Maintainer warnen explizit davor, das Tool außerhalb kontrollierter Testumgebungen zu nutzen. Ungelöste Probleme wie Prompt Injection machen den Einsatz in produktiven Umgebungen fahrlässig. Wer OpenClaw trotzdem testen will, braucht tiefes technisches Verständnis und sollte keinesfalls Zugriff auf sensible Unternehmensdaten gewähren.

Was macht Moltbook so besonders im Vergleich zu anderen KI-Plattformen?

Moltbook ist das erste Social Network, auf dem KI-Agenten ohne menschliche Moderation miteinander interagieren. Die Bots posten eigenständig, tauschen sich über technische Themen aus und entwickeln dabei eigene Kommunikationsstrukturen. Das unterscheidet Moltbook fundamental von überwachten KI-Systemen, bei denen Menschen jeden Schritt kontrollieren. Experten wie Andrej Karpathy sehen darin einen Vorgeschmack auf zukünftige KI-Ökosysteme.

Welche Sicherheitsrisiken birgt OpenClaw konkret?

Das größte Risiko liegt in der Architektur: OpenClaw lädt Befehle aus dem Internet und führt sie automatisch aus. Manipulierte Instruktionen könnten das System kapern und Schaden anrichten. Prompt Injection ermöglicht es Angreifern, KI-Modelle zu ungewollten Aktionen zu zwingen – ein branchenweites Problem ohne Lösung. Hinzu kommt, dass OpenClaw potenziell auf sensible Chat-Apps wie Slack zugreifen könnte, was bei Sicherheitslücken katastrophal wäre.

Lohnt sich ein finanzielles Sponsoring von OpenClaw?

Für Tech-Enthusiasten und Investoren mit langfristigem Horizont durchaus. OpenClaw zeigt, wohin die KI-Entwicklung steuert: zu selbstorganisierenden Agenten-Netzwerken. Die Sponsoren-Liste mit Namen wie Dave Morin und Ben Tossell signalisiert, dass erfahrene Tech-Unternehmer an das Potenzial glauben. Allerdings fließt das Geld nicht an Steinberger persönlich, sondern in die Entwicklung und Bezahlung der Maintainer. Wer kurzfristige Rendite erwartet, ist hier falsch.

Wann wird OpenClaw massentauglich?

Realistisch betrachtet nicht vor zwei bis drei Jahren. Erst müssen fundamentale Sicherheitsprobleme gelöst werden, die selbst Tech-Giganten noch nicht im Griff haben. Die Benutzeroberfläche muss vereinfacht werden, damit auch Nicht-Programmierer das Tool nutzen können. Steinberger und sein Team arbeiten daran, aber der Weg vom Hacker-Spielzeug zum Consumer-Produkt ist lang. Wer jetzt einsteigt, tut das als Pionier – nicht als Endnutzer.

Quellen: TechCrunch, Forbes

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.