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Riester-Reform 2027: Jetzt kündigen ist der dümmste Move

Für viele Senioren reicht die Riester-Rente kaum zum Überleben.
Shutterstock Für viele Senioren reicht die Riester-Rente kaum zum Überleben.
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Von 20 Millionen Riester-Verträgen ist jeder vierte tot. Ab 2027 kommt die Reform mit Altersvorsorgedepot. Wer jetzt voreilig kündigt, verliert bis zu 1.900 Euro. Die smarte Strategie: abwarten.

Die Riester-Rente ist gescheitert. Von 20 Millionen abgeschlossenen Verträgen hat mehr als jeder vierte den Weg in die Tonne genommen. Zu teuer, zu unflexibel, zu intransparent – die Liste der Vorwürfe ist lang. Berlin reagiert: Ab 1. Januar 2027 startet das neue Altersvorsorgedepot mit ETF-Option, gedeckelten Kosten und einer Grundzulage von bis zu 540 Euro jährlich. Für Bestandskunden bedeutet das: Nicht in Panik verfallen, aber auch nicht blind weiterzahlen.

Warum Kündigen wirtschaftlicher Selbstmord ist

Wer seinen Riester-Vertrag jetzt kündigt, macht ein Verlustgeschäft. Die Rechnung ist brutal: Sämtliche Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden – laut Ihre Vorsorge durchschnittlich 1.900 Euro pro Vertrag. Dazu kassieren Versicherer Provisionen, Verwaltungs- und Fondskosten. Was am Ende auf dem Konto landet, ist oft erschreckend wenig.

Die Alternative: Vertrag beitragsfrei stellen. Das angesparte Kapital bleibt erhalten, neue Zulagen gibt es zwar nicht mehr, aber die bisherige Förderung bleibt im Topf. Sobald die Reform 2027 durchgeht, können Sparer mit dem kompletten Guthaben inklusive Zulagen in eines der neuen Produkte wechseln.

Für wen sich Weiterzahlen noch lohnt

Nicht jeder Riester-Vertrag ist Schrott. Die Daumenregel: Wenn der Eigenbeitrag maximal ein Drittel der eingezahlten Summe ausmacht und zwei Drittel aus staatlichen Zulagen kommen, funktioniert das Modell.

Das trifft vor allem auf Geringverdiener mit mehreren Kindern zu – für sie kann die alte Riester-Förderung attraktiver sein als das neue Altersvorsorgedepot. Auch wer kurz vor der Rente steht, sollte nicht vorschnell aussteigen. Die Reform verspricht eine flexiblere und günstigere Auszahlphase. Wer das Guthaben nicht sofort braucht, wartet besser ab, wechselt ins neue Modell und startet dann die Auszahlung.

Das neue Altersvorsorgedepot ab 2027

Das Kernstück der Reform ist das Altersvorsorgedepot. Sparer können stärker in Fonds und ETFs investieren, für Sicherheitsbewusste bleiben Garantieprodukte verfügbar. Die Förderung ändert sich grundlegend: Statt starrer Zulagen gibt es einen prozentualen Zuschuss je gespartem Euro.

Die Grundzulage steigt auf bis zu 540 Euro pro Jahr, für Kinder bleiben bis zu 300 Euro möglich. Wer noch keinen Riester-Vertrag hat, aber von hohen Zulagen bei niedrigen Eigenbeiträgen profitieren würde, kann laut Bild auch 2026 noch einen günstigen Riester-Fondssparplan abschließen und zu den bisherigen Konditionen weiterführen.

Was jetzt konkret zu tun ist

Vertrag raussuchen und Standmitteilung anfordern: Wie viel Guthaben ist drin? Welche Kosten laufen weiter? Mit welcher Rente kann gerechnet werden? Dann die drei Optionen schriftlich durchrechnen lassen: Weiterzahlen, ruhen lassen oder kündigen.

Bei hohen Kosten und mieser Rendite ist ein Wechsel nach der Reform sinnvoll – aber nur, wenn die neuen Konditionen wirklich besser sind. Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten können anfallen. Bei knappem Budget ist die Beitragsfreistellung die bessere Notbremse als die Kündigung. Alle Entscheidungen schriftlich festhalten, keine mündlichen Zusagen am Telefon akzeptieren.

Business Punk Check

Die Riester-Reform ist ein politisches Eingeständnis des Scheiterns. Jahrelang haben Versicherer mit intransparenten Kosten und mageren Renditen Milliarden verdient, während Sparer draufzahlten. Das neue Altersvorsorgedepot klingt nach Besserung – ETFs, gedeckelte Kosten, mehr Flexibilität. Aber die entscheidende Frage bleibt: Wird die Politik diesmal die Finanzindustrie wirklich an die Leine nehmen? Die Vergangenheit lehrt Skepsis. Für Bestandskunden gilt: Ruhe bewahren, Vertrag analysieren, nichts überstürzen.

Wer jetzt kündigt, schenkt dem Versicherer Geld. Wer blind weiterzahlt, verschenkt Rendite. Die smarte Strategie: Vertrag beitragsfrei stellen, Reform 2027 abwarten, dann mit vollem Guthaben ins neue Modell wechseln. Geringverdiener mit Kindern sollten genau rechnen – für sie kann der alte Riester lukrativer bleiben. Alle anderen: Augen auf bei der Produktwahl 2027. Denn auch das beste Gesetz nützt nichts, wenn die Anbieter wieder teure Mogelpackungen verkaufen.

Häufig gestellte Fragen

Lohnt sich ein Riester-Wechsel ins neue Altersvorsorgedepot für alle Bestandskunden?

Nein, nicht pauschal. Geringverdiener mit mehreren Kindern profitieren oft stärker vom alten Modell, wenn ihr Eigenbeitrag maximal ein Drittel der Gesamtsumme ausmacht. Für alle anderen mit hohen Kosten und mieser Rendite kann der Wechsel 2027 sinnvoll sein – aber nur nach schriftlicher Kalkulation der Wechselkosten. Die Reform verspricht niedrigere Gebühren und bessere Renditen durch ETFs, doch die konkreten Produktkonditionen stehen noch nicht fest.

Was passiert mit meinen bisherigen Zulagen, wenn ich den Vertrag beitragsfrei stelle?

Die bereits erhaltenen Zulagen und Steuervorteile bleiben im Vertrag erhalten. Anders als bei der Kündigung müssen durchschnittlich 1.900 Euro nicht zurückgezahlt werden. Der Nachteil: Während der Ruhezeit gibt es keine neuen Zulagen, und Verwaltungskosten können weiterlaufen. Die Beitragsfreistellung lässt sich jederzeit widerrufen, etwa wenn sich die Lebenssituation ändert oder die Reform 2027 attraktive Wechseloptionen bietet.

Welche Branchen profitieren von der Riester-Reform am meisten?

ETF-Anbieter und digitale Vermögensverwalter stehen vor einem Milliardenmarkt. Traditionelle Versicherer müssen ihre Kostenstrukturen radikal umbauen oder verlieren Marktanteile. Fondsgesellschaften mit günstigen Indexfonds dürften massiv profitieren, während teure aktive Fonds unter Druck geraten. Auch Fintech-Startups im Altersvorsorge-Bereich wittern ihre Chance, etablierte Anbieter mit transparenten, kostengünstigen Lösungen herauszufordern.

Sollten Selbstständige und Freiberufler jetzt noch einen Riester-Vertrag abschließen?

Für die meisten Selbstständigen ist Riester unattraktiv, da sie nicht förderberechtigt sind – außer der Partner ist rentenversicherungspflichtig. Wer förderberechtigt ist und von hohen Zulagen bei niedrigen Eigenbeiträgen profitiert, kann bis Ende 2026 noch einen günstigen Riester-Fondssparplan abschließen. Ab 2027 gelten neue Regeln. Für Selbstständige ohne Förderanspruch bleiben ETF-Sparpläne oder Rürup-Renten die bessere Wahl.

Wie wirkt sich die Reform auf den Mittelstand und kleine Unternehmen aus?

Mittelständische Arbeitgeber müssen ihre Mitarbeiter über die neuen Optionen aufklären und womöglich betriebliche Altersvorsorge-Strategien anpassen. Unternehmen, die bisher auf Riester als Zusatzangebot gesetzt haben, sollten ab 2027 das Altersvorsorgedepot in ihre Benefits-Kommunikation integrieren. Für HR-Abteilungen bedeutet das: Schulungsbedarf, neue Partneranbieter prüfen und Mitarbeiter individuell beraten, welches Modell zu ihrer Lebenssituation passt.

Quellen: Ihre Vorsorge, Bild

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