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Gstaad Guy: „Ein Bentley ist der Maßanzug unter den Autos“

Der Gstaad Guy Bentley
Erschienen
Lesezeit5 Min · 1.098 Wörter

Der Gstaad Guy über sein Chalet auf Rädern, die Kunst der Untertreibung, und warum er die Uhr rechts trägt.

Mit spitzer Zunge und echtem Insiderwissen seziert der Gstaad Guy die Rituale der Superreichen, und wurde dabei selbst zu deren liebstem Chronisten. Über 1,7 Millionen Menschen folgen seinen Kunstfiguren Constance und Colton auf Instagram, darunter laut Forbes eine der höchsten Konzentrationen von Ultra-High-Net-Worth-Individuen überhaupt. Jetzt hat der Satiriker gemeinsam mit Mulliner, der Bespoke-Abteilung von Bentley, seinen Traum verwirklicht: die Bentayga EWB Chalet Edition, ein Schweizer Chalet auf Rädern, handlackiert in Light Tudor Grey, innen Sattelleder, Tweed und Alpenrosen-Stickerei. Wir trafen ihn zum Gespräch. Es gab Cappuccino, Anekdoten über verlorene Uhren und eine kleine Lektion.

Fangen wir am Anfang an: Wie kamst du überhaupt nach Gstaad?

Über einen meiner besten Freunde in London. Seine Familie hatte ein Haus in Gstaad, und er hat ständig davon geschwärmt. Ich selbst war kein „Gstaad-Mensch“ – alles, was ich über den Ort wusste, kam von ihm. Aber es klang nach einem Ort mit einer einzigartigen Gemeinschaft, die Exzellenz in allem liebt, was sie tut, und dabei Humor hat. Ich musste hin. Und dann habe ich mich verliebt.

Du kennst auch St. Moritz. Was unterscheidet die beiden Orte?

Das Geld ist ähnlich, aber St. Moritz hat weniger von der Absurdität Gstaads. Es ist kleiner, die Leute sind mehr draußen, mehr in den Bergen unterwegs. Und ehrlich gesagt: Es gibt dort weniger Humor. St. Moritz ist diskreter, verschwiegener, fast ein Geheimnis. In Gstaad wiederum gibt es diese große britische Community. Ich liebe beide Orte, aber Gstaad hat mein Herz.

Wie viel Zeit verbringst du dort?

Vielleicht sechs Wochen im Jahr. Und ich muss gestehen: Ich liebe den Sommer in den Bergen fast mehr als den Winter. Wandern, Biken. Was ich an den Schweizern bewundere: Sie nutzen ihr Land wirklich, in jeder Jahreszeit, in jeder Facette. Sie suchen nicht ständig nach dem Nächsten, sie genießen, was da ist. Das ist eine wunderschöne Haltung.

Wie entstand die Zusammenarbeit mit Bentley?

Ich habe einen ziemlich untypischen Weg mit Marken, tatsächlich habe ich jede Marke, mit der ich eng zusammenarbeite, selbst angesprochen. Am Anfang steht immer eine Art Archetypen-Übung: Wer ist der Gstaad Guy im echten Leben? Es ist jemand, der süchtig nach Exzellenz ist. Der in jeder Kategorie das Beste vom Besten will, die besten Kleider, die besten Uhren. Und bei den Autos gibt es viele großartige Marken für Performance. Aber wenn es um Maßschneiderei geht, um den Made-to-Measure-Anzug unter den Autos, dann ist das Bentley. Und ganz besonders das Mulliner-Team.

The Chalet Bentley
The Chalet Bentley

Und die Idee mit dem Chalet?

Das Schweizer Chalet ist ein einzigartiges Bauwerk: Es existiert in extremen Bedingungen, eisige Winter, heiße Sommer, und innen ist es immer gemütlich, immer warm, es bringt Menschen zusammen. Genau dieses Gefühl wollte ich einfangen: Draußen kann eine laute Autobahn sein, ein kalter Berg, eine sonnige Küste, drinnen hast du immer die Geborgenheit eines Chalets. Und nur Bentley konnte etwas so Einzigartiges, Luxuriöses und Umhüllendes maßschneidern. Also bin ich mit dieser Idee zu ihnen gegangen und habe gesagt: Das ist mein Traumszenario. Und sie sagten: Dann bauen wir den Traum.

Wie lief der Designprozess ab?

Ich war in Crewe, im Hauptquartier, ein wunderbar spielerischer Prozess. Wir haben Elemente wie die Alpenrose eingebracht, eine sehr schweizerische Blume: rote Nähte, die die Ledertöne brechen, Alpenrosen-Stickereien auf Kopfstützen und Sitzkissen. Der Rest des Wagens ist von den Farben und Texturen von Holz inspiriert, natürliches, offenporiges Holz auf dem Armaturenbrett, Leder in warmen Brauntönen. Wenn man einsteigt, fühlt man sich, als wäre man im Chalet.

Das Mulliner-Team hatte kein Problem mit Blumen im Bentley?

Im Gegenteil, sie liebten es! Mulliner hat schon Familienwappen und die verrücktesten Dinge in Autos gebracht. Die Alpenrose war für sie eher eine schöne Herausforderung als ein Hindernis.

Wer ist der Charakter hinter diesem Auto, Avantgardist oder Traditionalist?

Eindeutig Traditionalist. Funktion zuerst, Exzellenz statt Statement. Er interessiert sich nicht für laute Gesten, sondern für Details. Das ist sehr Gstaad, und sehr Bentley. Wie ein Maßanzug: Von außen unauffällig, aber der Träger weiß, wer ihn geschneidert hat. Und ein Bentley ist für den Fahrer gebaut. Ich kenne niemanden, der einen Bentley besitzt und ihn in der Garage stehen lässt.

Also sitzt der Gstaad Guy selbst am Steuer? Kein Chauffeur?

Er fährt selbst, natürlich. Einen Bentley muss man fahren. Das ist kein Auto, in dem man sich herumkutschieren lässt, es ist gemacht, um es zu genießen, mit Menschen, die man liebt. Man kann sich fahren lassen, aber ich empfehle es nicht.

Wo endet bei diesem Projekt die Satire und wo beginnt der Ernst?

Satire ist nie das Produkt meiner Arbeit, sie ist nur die Sprache. Ich bin kein Comedian, ich will niemanden zum Lachen bringen um des Lachens willen. Ich versuche, echte, tiefe Botschaften zu vermitteln, und der Humor macht sie verdaulicher. Wie beim Abendessen mit Freunden: Man spricht über ernste Themen, aber mit ein paar Witzen dazwischen. Und ehrlich: Alles Luxuriöse ist per Definition unnötig, genau das macht es zum Luxus. Wenn man über Unnötiges spricht, darf man nicht zu ernst sein. Luxus ist eine Form von Wellness.

Was hat dich im Designstudio am meisten überrascht?

Dass es sich überhaupt nicht wie ein Autodesign-Studio anfühlte. Normalerweise denkt man an Limitierungen, „hier sind vier Farben, such dir eine aus“. Das hier war wie ein Schneideratelier: Ich konnte einen wunderschönen Anzug aus buchstäblich jedem Material, in jeder Farbe machen lassen. Für Mulliner ist die Individualisierung grenzenlos. Ich konnte tatsächlich mein Traumauto bauen. So etwas habe ich noch nie erlebt.

Und jetzt? Was passiert mit dem Wagen?

Ich werde ihn genießen und meinen Followern zeigen, wie sehr ich ihn liebe. Ich fahre ihn in die Berge, das Chalet ins Chalet, sozusagen. Vielleicht einmal um die Welt. Und ja: Vielleicht schlafe ich auch mal darin. Die Sitze sind bequem genug.

Mir ist aufgefallen, dass du die Uhr rechts trägst. Warum?

Das mache ich schon immer, frag mich nicht, warum. Besondere Menschen tragen links, ich trage rechts. Wobei, das hier ist gerade gar keine richtige Uhr. Meine wirklich schöne Uhr habe ich in einem Taxi in New York liegen lassen. Sie ist weg. (lacht) Aber weißt du was? Auch das ist sehr Gstaad: Man trauert nicht dem nach, was weg ist. Man genießt, was da

Portrait Susie von den Stemmen

Susie von den Stemmen

Mit über 30 Jahren Erfahrung in den Medien hat Susie eine vielseitige Karriere als TV-Redakteurin, Print- und Online-Journalistin verbracht. Ihr Fokus liegt auf Kultur, Auto- und Lifestylethemen, in denen sie eine umfassende Expertise aufgebaut hat. Diese Tätigkeiten haben ihr die Möglichkeit eröffnet, faszinierende Orte zu bereisen und ein umfassendes Netzwerk im Bereich der Persönlichkeiten hinter den Marken und VIPs aufzubauen. Susies beruflicher Werdegang begann nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften und Germanistik mit einer ersten Berufsstation beim Disney Club (ARD), gefolgt von Redaktionsarbeiten für Gottschalk Late Night (RTL) und Jay Leno (NBC Los Angeles). Sie hat zahlreiche Fernsehaufträge für verschiedene Sender durchgeführt, darunter die Produktion von TV Beiträgen, Leitung von Studioredaktionen und die Akquise von Neugeschäft. Nachdem sie mit ihrer Familie nach Hamburg gezogen ist, hat sie ihre Karriere im Printbereich gestartet, zunächst bei Park Avenue für Gruner & Jahr und später bei Gala und anderen renommierten Titeln. Als VIP-, Automobil- und Kultur-Beauftragte hat sie weiterhin die Welt bereist, ihr Netzwerk ausgebaut und ihre Leidenschaft für die Auto-, Reise- und Genussszene vertieft. Aktuell leitet sie das Office! von den Stemmen in Hamburg und München. Kunden waren und sind: Bild, Cosmopolitan, Travellers World, Ramp, Audi Magazin, Air Tours, Lufthansa Magazin, DB Magazin, Tagesspiegel, Myself, Zeit Online, Instyle Men und nun auch Business Punk. Neben ihrem Wohnsitz in Hamburg ist sie dank ihrer Porsche Rennlizenz weltweit im Einsatz, um fesselnde Geschichten rund um Automobilität, Kultur und Lifestyle zu generieren.