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KI-Warnung: Bill Gates fordert Robotersteuer und wirft Branche Verharmlosung vor

Bill Gates prognostiziert das Platzen der KI-Blase
Shutterstock Bill Gates prognostiziert das Platzen der KI-Blase
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Lesezeit4 Min · 753 Wörter

Bill Gates warnt vor Massenarbeitslosigkeit und Bioterrorismus durch KI und fordert eine Robotersteuer, weil die Tech-Industrie die Risiken laut ihm bewusst kleinredet.

Ausgerechnet der Mann, der die Computerindustrie mitgeprägt hat, warnt jetzt vor deren jüngstem Produkt. Bill Gates hat in einem knapp 6.000 Wörter langen Essay und einem Interview mit der New York Times seiner eigenen Branche vorgeworfen, die Gefahren künstlicher Intelligenz bewusst kleinzureden. Der Grund sei simpel: Es stehe zu viel Geld auf dem Spiel.

„Insgeheim sind die Leute, die verstehen, wie gut das Zeug ist und wie viel besser es wird, sehr besorgt“, sagte Gates laut The Decoder. Öffentlich sagten sie sich aber gegenseitig, das dürfe man nicht sagen, weil es schlecht sei für die nächste Billion, die man aufbringen wolle. Gates spricht von einer der turbulentesten Phasen der Menschheitsgeschichte, für die es bislang keinen Plan gebe. Damit positioniert er sich deutlich schärfer als noch vor wenigen Jahren, als er KI vor allem als bessere Software beschrieb.

Gates rechnet mit einem Strukturbruch, der schneller kommt als beim PC

Anders als frühere Technologiesprünge brauche KI keine zwanzig Jahre, um Arbeitsmärkte zu verändern, schreibt Gates laut The Decoder. Sie laufe bereits auf vorhandenen Geräten und nutze natürliche Sprache, wodurch sich der Umbruch branchenübergreifend über ein Jahrzehnt statt über Generationen vollziehe. „Wir müssen uns nicht an sie anpassen, weil sie sich an uns anpassen kann“, so Gates.

Besonders gefährdet seien Einstiegs- und mittlere Positionen in Vertrieb, Kundendienst, Softwareentwicklung und juristischer Assistenz. Eine von ihm zitierte Stanford-Studie zeige bereits sinkende Beschäftigung junger Arbeitskräfte in automatisierungsanfälligen Berufen, während ältere Kolleginnen und Kollegen bislang verschont blieben. Auch klassische Blue-Collar-Jobs gerieten unter Druck, sobald geschickte Roboter, deren Entwicklung vor allem in China vorangetrieben werde, deutlich billiger würden.

Bioterrorismus und psychische Abhängigkeit zählen zu Gates’ größten Sorgen

Neben dem Arbeitsmarkt nennt Gates den Missbrauch von KI als zweite zentrale Gefahr: Sie senke die Hürden für Cyberangriffe, Desinformation und insbesondere für den Bau von Biowaffen, da sich nützliche und gefährliche Fähigkeiten in denselben Modellen kaum trennen ließen. Schon wenige Personen mit Zugang zu fortschrittlicher KI könnten neue Krankheitserreger entwickeln, warnt er.

Als dritten Punkt führt er psychosoziale Folgen an, etwa Suchtpotenzial durch stets verfügbare KI-Begleiter, die nie widersprechen. Eine Studie von Stanford und Carnegie Mellon zeige laut Gates, dass sich Nutzer umso schlechter fühlten, je intensiver sie solche Chatbots verwendeten. Besonders sorge er sich um Kinder und den Verlust kritischen Denkens, das ausgerechnet in einer Ära von Deepfakes zur überlebenswichtigen Fähigkeit werde.

Robotersteuer und Ozonloch-Vergleich als politisches Programm

Konkret schlägt Gates eine Steuer auf Roboter und KI-Nutzung vor, weil das aktuelle Steuersystem Unternehmen laut ihm dazu dränge, Menschen durch Maschinen zu ersetzen: Für Arbeitnehmende fallen Lohnsteuern an, Roboter lassen sich hingegen sofort als Betriebsausgabe absetzen. Bestimmte Berufe, etwa in der Pflege, sollten laut Gates Menschen vorbehalten bleiben, ein Konzept, das er „Human Reserved“ nennt.

Zur Einordnung zieht er laut WirtschaftsWoche eine Parallele zum Kampf gegen das Ozonloch, bei dem sich 1987 im Montrealer Protokoll fast alle Staaten auf ein schrittweises Verbot schädlicher Chemikalien einigten. Gates fordert vergleichbare internationale Institutionen für KI und plant laut eigenen Angaben ein Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping. „Selbstregulierung beim gefährlichsten Werkzeug, das je erfunden wurde? Nein, danke!“, zitiert ihn The Decoder.

Business Punk Check

Fakt ist: Gates dokumentiert seine Warnung in einem ausführlichen Essay und stützt sie auf Studien zu Jobverlusten und psychischen Effekten. Seine Forderung nach einer Robotersteuer bleibt ein politischer Vorschlag, keine beschlossene Maßnahme.

Institutionen wie die OECD und die EU-Kommission plädieren für risikobasierte statt pauschale Regulierung, während NVIDIA vor Investitionsbremsen durch Sondersteuern warnt. Offen bleibt, ob Staaten sich auf koordinierte Regeln einigen, bevor der von Gates beschriebene Strukturwandel den Arbeitsmarkt bereits verändert hat.

Auf einen Blick

  • Bill Gates warnt in einem Essay und einem Interview mit der New York Times vor Massenarbeitslosigkeit und Bioterrorismus durch KI.
  • Er wirft der Tech-Industrie vor, Risiken bewusst kleinzureden, weil zu viel Geld auf dem Spiel stehe.
  • Gates fordert eine Robotersteuer, weil das aktuelle Steuersystem Unternehmen zum Ersatz menschlicher Arbeitskräfte durch Maschinen dränge.
  • Zur Einordnung zieht er eine Parallele zum internationalen Kampf gegen das Ozonloch im Montrealer Protokoll von 1987.
  • Institutionen wie OECD und EU-Kommission setzen im Gegensatz dazu auf risikobasierte statt pauschale KI-Regulierung.

Quellen: t3n, WirtschaftsWoche, The Decoder, Zeit, Seattletimes, Ecomtask, KI-unterstützt

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.