Isar Aerospace schafft Orbitalflug: Deutscher Raketen-Coup made in Norwegen
Erster Orbitalflug eines europäischen Privatunternehmens vom Kontinent aus: Isar Aerospace beweist mit Spectrum, dass Europa souverän ins All starten kann und liefert damit Zündstoff für die Debatte über Sinn und Kosten von Raumfahrtinvestitionen.
Ein bayerisches Start-up hat geschafft, woran ganze Staatsprogramme jahrelang scheiterten: Isar Aerospace hat mit seiner Rakete Spectrum am 5. September vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya aus den Orbit erreicht und mehrere Satelliten ausgesetzt.
Es ist der erste erfolgreiche Orbitalflug eines privaten Unternehmens von europäischem Boden aus überhaupt, wie t3n und Trending Topics übereinstimmend berichten. Beim ersten Testflug im März 2025 war die Rakete noch nach 30 Sekunden abgestürzt. Diesmal hielt sie durch, bis hin zur Kármán-Linie in 100 Kilometern Höhe.
Merz feiert eine „neue Ära“, das Netz ist gespalten
Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte auf X noch in der Nacht: „Das ist der Beginn einer neuen Ära“, schrieb er, wie heise dokumentiert. Die politische Begeisterung teilt sich das Internet allerdings nicht geschlossen. Unter dem Post häuften sich laut einem Kommentar im Handelsblatt Vorwürfe, hier würden Steuergelder verbrannt, während Deutschland andere Prioritäten brauche.
Der Bund der Steuerzahler warnt grundsätzlich vor einer Fehlallokation öffentlicher Mittel zugunsten riskanter Raumfahrtprojekte. Oppositionspolitiker im Bundestag stellen laut Handelsblatt infrage, ob Hightech-Launchsysteme angesichts knapper Haushalte Vorrang vor sozialer Infrastruktur haben sollten. Der Kommentar im Handelsblatt hält dagegen: Isar Aerospace habe seine Rakete privat finanziert, der Vergleich mit Kritikern der Autoindustrie von 1950 sei naheliegend.
Technik und Nutzlast: fünf CubeSats für eine Qualifikationsmission
Die 28 Meter hohe Spectrum-Rakete mit zehn Triebwerken kann bis zu 1.000 Kilogramm in den niedrigen Erdorbit bringen. An Bord waren diesmal fünf Kleinsatelliten, darunter CyBEEsat der TU Berlin, TriSat-S der Universität Maribor und SpaceTeamSat1 der TU Wien, sowie ein nicht abtrennbares Technologieexperiment der Münchner Firma Dcubed.