Ablage Muse Image: Metas neuer KI-Bildgenerator nutzt öffentliche Instagram-Profile

Muse Image: Metas neuer KI-Bildgenerator nutzt öffentliche Instagram-Profile

Metas neuer KI-Bildgenerator Muse Image verarbeitet öffentliche Instagram-Bilder standardmäßig für fremde Kreationen. Wer das nicht will, muss aktiv widersprechen. Willkommen in der Opt-out-Hölle.

Mark Zuckerbergs KI-Labor hat ein neues Spielzeug und deine Instagram-Fotos sind das Rohmaterial. Muse Image heißt Metas erster hauseigener Bildgenerator, entwickelt von den Meta Superintelligence Labs unter KI-Chef Alexandr Wang.

Intern lief das Projekt unter dem Codenamen „Mango“, wie TechCrunch berichtet. Während der Konzern die üblichen Anwendungsfälle anpreist, wie Werbemotive erstellen, Möbel virtuell in Räume stellen, QR-Codes generieren, sorgt eine Funktion für Empörung: Jeder kann öffentliche Instagram-Profile per @-Mention in Prompts einbinden und damit KI-Bilder fremder Personen erzeugen. Standardmäßig aktiviert, versteht sich.

Instagram als offene Datenquelle

Die Mechanik ist simpel: Du erwähnst ein öffentliches Profil, Muse Image greift auf dessen Fotos zu und bastelt daraus neue Kreationen. Laut TechCrunch werden Betroffene nicht einmal benachrichtigt, wenn ihre Bilder verwendet werden. Metas Hilfeseite formuliert es unverblümt: „Andere können mit deinen Instagram-Inhalten über KI-Funktionen Content erstellen, solange dein Konto öffentlich ist und die Standardeinstellungen aktiv sind.“ Eine archivierte Version dieser Seite enthielt die KI-Formulierung noch nicht – Meta hat sie offenbar nachträglich eingefügt.

Wer das unterbinden will, ohne das Konto auf privat zu stellen, muss in der Instagram-App unter Profil → Menü → „Teilen und Weiterverwenden“ die Option deaktivieren, die die Nutzung eigener Inhalte für KI-Funktionen bei Meta erlaubt – jeweils separat für Beiträge und Reels.

Der Haken: Das wirkt nur für künftige Generierungen. Bereits erstellte KI-Bilder bleiben bestehen, selbst wenn du dein Profil nachträglich auf privat stellst. Ein X-Nutzer brachte es auf den Punkt: „Echte Nutzer ohne explizite Zustimmung in generierte Fotos zu ziehen, ist eine Privacy-Landmine.“.

Technisch solide, ethisch fragwürdig

Rein technisch präsentiert sich Muse Image durchaus kompetent. Das Modell arbeitet „agentisch“ mit dem Sprachmodell Muse Spark zusammen, plant Bildkompositionen mehrstufig und greift bei Bedarf auf Websuche zurück. In Metas eigenen Benchmarks liegt es zwar hinter OpenAIs GPT Image 2, überholt aber Googles Nano Banana 2 bei Bearbeitungsaufgaben. Die Fähigkeit, lesbaren Text in Grafiken darzustellen – bislang eine Schwachstelle vieler Generatoren –, könnte tatsächlich nützlich sein.

Verfügbar ist Muse Image in der Meta-AI-App, auf meta.ai, in Instagram Stories (zunächst USA) und WhatsApp-Chats in ausgewählten Ländern. Facebook und Messenger folgen später. Für „alltägliches Erstellen“ ist die Nutzung kostenlos; höhere Limits erfordern ein Abo. Werbetreibende sollen bald über das Advantage+-System zugreifen können. Mit mehr als 30 neuen KI-Effekten für Instagram baut Meta seine Infrastruktur konsequent aus – strategisch klug, um die Abhängigkeit von Drittanbietern wie Midjourney zu reduzieren. Die Meta-Aktie legte am Tag der Ankündigung um drei Prozent zu.

Zuckerbergs Datenschutz-Déjà-vu

Metas Datenschutz-Historie macht die Opt-out-Praxis besonders brisant. 2019 zahlte der Konzern 5 Milliarden Dollar Strafe an die FTC, nachdem Cambridge Analytica Daten von Millionen Facebook-Nutzern abgegriffen hatte – ohne deren Wissen. 2021 stellte Meta sein Gesichtserkennungssystem nach Klagen und Regulierungsdruck ein. Jetzt also wieder: breite Datennutzung als Standard, aktives Abschalten erforderlich. Meta verweist auf Schutzmaßnahmen – ein unsichtbares Wasserzeichen namens Content Seal, Filter gegen Missbrauchsdarstellungen. Doch ein nachträgliches Wasserzeichen belegt nur den KI-Ursprung, verhindert aber nicht die Erstellung problematischer Inhalte. Für Europa dürfte die DSGVO zum Stolperstein werden.

Die Verarbeitung öffentlicher Fotos realer Personen tangiert biometrische Daten – ein Hochrisikobereich. DSGVO-spezifische Anpassungen hat Meta zum Start nicht angekündigt. Parallel entwickelt der Konzern bereits Muse Video, einen Videogenerator ohne konkreten Starttermin.

Business Punk Check

Meta verkauft Muse Image als kreatives Werkzeug, betreibt aber klassisches Privacy-Washing: Was technisch möglich ist, wird standardmäßig aktiviert – Widerspruch als Holschuld der Nutzer. Die Strategie ist transparent: Eigene Infrastruktur aufbauen, Drittanbieter-Kosten senken, Werbemarkt weiter monetarisieren. Für Instagram-Nutzer bedeutet das: Entweder Profil auf privat stellen, Einstellungen durchforsten oder akzeptieren, dass fremde Leute KI-Versionen von dir generieren. Der wahre Test kommt aus Brüssel.

Sollten EU-Regulierer die Funktion als DSGVO-Verstoß einstufen, wird Meta entweder nachbessern oder Europa ausnehmen müssen – wie schon bei anderen Features. Bis dahin gilt: Wer seine Bilder schützen will, muss selbst aktiv werden. Standardeinstellungen bei Meta zu vertrauen war noch nie eine gute Idee. Dass der Konzern ausgerechnet nach Cambridge Analytica und Facial Recognition wieder auf Opt-out setzt, zeigt vor allem eins – sie haben nichts gelernt.

Quellen: TechCrunch, Trending Topics, Trending Topics

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