Acht originelle Jobtitel aus der Arbeitswelt
CEO war gestern: Elon Musk verpasste sich selbst eine besondere Berufsbezeichnung: Er ist der „Technoking of Tesla“. Was lernen wir daraus? Wenn du möchtest, dass Menschen dich mit einem bestimmten Titel ansprechen, dann musst du ihn dir selbst geben. Man kann nicht immer nur warten, bis die Vorgesetzten das erledigen.
Mit seinem Jobtitel hat Elon Musk für Aufmerksamkeit gesorgt, originelle Berufsbezeichnungen sind aber keine Neuheit. Sie gehören zur New-Work-Lebensweise genauso dazu wie das Bullshit-Buzzword Agilität.
Wir haben uns bei Startups und Unternehmen nach originellen Jobtiteln umgesehen. Uns erklären Mitarbeiter:innen und Gründer:innen, wie sie auf die Idee gekommen sind, warum sie sich die Jobtitel verpasst haben und was eigentlich ihre Aufgaben sind.
Johanna Rief, Head of Sexual Empowerment – Womanizer

Die Idee zu dem Titel stammt von einer Kollegin aus unserem Content Team. Ich war sofort angetan, weil das nicht nur die Mission unserer Marke Womanizer widerspiegelt, sondern auch einen Teil meiner täglichen Arbeit beleuchtet. Als Head of Sexual Empowerment möchte ich Tabus rund um das Thema Sexualität abbauen und so möglichst viele Menschen weltweit dazu ermutigen, ein sexuell erfülltes Leben zu führen.
Meine Arbeit ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Ich stehe im ständigen Austausch mit Expert:innen, Sexualtherapeut:innen und Mediziner:innen aus aller Welt und verfolge aktuelle Trends und neue Erkenntnisse, lese Studien und nehme an Paneltalks Teil. Wir möchten wichtige Diskurse anstoßen, begleiten und Aufmerksamkeit schaffen. Ich bin oftmals die Schnittstelle zwischen unserem Unternehmen und unseren externen Stakeholdern. Somit gehört es auch zu meinen Aufgaben, Interviews zu geben und von Zeit zu Zeit in den Dialog mit unserem Testerpanel und unseren Kund:innen zu treten.
Warum hast du dir diesen „kuriosen“ Jobtitel gegeben?
Ich bin nun seit fast acht Jahren für und in der Sexual Wellness Branche tätig und habe mir viel Wissen angeeignet, kenne den Markt, die Trends und die Herausforderungen. Man könnte somit sagen, dass ich eine Expertin in diesem Gebiet bin. Jedoch habe ich keinen medizinischen Hintergrund und habe auch nicht Sexualwissenschaften studiert. Deshalb musste ein Jobtitel kreiert werden, der meine Expertise widerspiegelt und zeigt, dass ich die richtige Ansprechpartnerin für viele Themen bin. Nebenher bin ich noch Director of Public Relations und für unsere weltweite Kommunikation verantwortlich.
Können alle im Unternehmen einen eigenen Jobtitel kreieren?
Bei der Frage muss ich etwas schmunzeln. Nein, das geht nicht. Wir sind mittlerweile ein Unternehmen mit mehr als 215 Mitarbeiter:innen und Büros in Berlin, Hong Kong, Ottawa und Shanghai. Wenn jeder sich einen eigenen Titel kreieren würde, wäre wahrscheinlich Chaos angesagt oder niemand wüsste mehr, welche Person für welchen Bereich zuständig ist. Dennoch lassen unsere agilen Strukturen genügend Platz für außergewöhnliche Positionen, wenn wir sehen, dass uns das als Team voranbringen kann.
Hannes Tamme, Techbastler und Prozessmagier – Zeitgeist

Wie bist du auf den Titel gekommen?
Als E-Commerce Startup fällt bei uns Arbeit von diverser technischer Natur an. Ich kümmere mich dabei um fast alle Aufgaben im IT Bereich vom Frontend unserer Webseite über die Implementation eines ERP Systems bis zum Aufsetzen und Betreuen unserer Logistikprozesse. Natürlich steht bei einer solchen Breite auch viel Neues und Learning by Doing an der Tagesordnung, weshalb ich mir den Zusatz “Bastler” in den Titel geschrieben habe. Den Prozessmagier habe ich mir tatsächlich nicht selbst gegeben, sondern beim Aufbau unseres Versandprozesses von unserem Co-Gründer zugeschrieben bekommen.
Was sagt er aus?
Techbastler & Prozessmagier sagt für mich zwei Dinge aus: Einerseits vermittelt der Titel eine gewisse Unprofessionalität durch den Zusatz Bastler. Jedoch beschreibt genau dieser Zusatz für mich auch einen Lösungsfokus abseits von starren Zuständigkeitskonzepten. Magisch ist ein funktionierender Prozess für mich immer, da er im Prinzip aus dem nichts erschaffen, aber dann doch zentral für eine Aufgabe wird.
Warum hast du dir den Jobtitel verpasst?
Im Grunde reflektiert der Titel auch unsere Arbeitsweise bei Zeitgeist: Es ist nicht unser Ziel, klar getrennte Zuständigkeiten oder private Empires aufzubauen. Unsere Arbeitsbereiche haben flexible Grenzen und lassen sich daher gar nicht in klassische Bezeichnungen auftrennen. Daher haben wir uns entschieden, uns auch in den Jobtiteln von solchen Bezeichnungen loszulösen, da diese Titel so oder so nicht unsere Office-Kultur widerspiegeln.
Auf der nächsten Seite geht es weiter mit: Internationales TikTok Gesicht und Chief Relax Officer.
Anastasia Barner, Internationales TikTok Gesicht – Deutsche Welle

Wie bist du auf den Titel gekommen?
Anfang 2020 wurde ich von einer ehemaligen Redakteurin angesprochen, dass ich doch Social Media affin bin und sie einen passenden Job für mich hätte: Internationales TikTok Gesicht. Das war damals beim Gespräch der Jobtitel und der ist auch geblieben.
Es ist immer etwas ungewohnt zu sagen: Ich bin Gründerin & CEO von FeMentor, aber auch das Internationale Tik Tok Gesicht der Deutschen Welle. Meistens schauen mich dann immer fragende Gesichter an. Außerdem dauert es immer eine Weile, bis ich mich vorgestellt habe. Langer Name und langer Jobtitel. Meistens muss ich nicht nur meinen Jobtitel erklären sondern auch, was eigentlich dieses TikTok ist?
Welche Aufgaben fallen unter diesen Jobtitel?
Eigentlich bin ich nichts anderes als eine Moderatorin, bloß auf TikTok. Statt starr vor einer Kamera zu stehen und Texte aufzusagen, tanze ich und Texte werden eingeblendet. Wie betreuen den Kanal zu viert und es macht unglaublich viel Spaß. Denn lange Sendungen sind auf TikTok nicht möglich. Innerhalb von 15 bis 60 Sekunden überbringen wir Nachrichten an eine junge Zielgruppe, die meistens gar kein Fernsehen mehr guckt.
Pisco, Chief Relax Officer – Getquin

Welche Aufgaben fallen unter diesen Jobtitel?
Einige! Ich bin von früh bis spät im Einsatz und werde immer gebraucht. Ich spaziere morgens immer mit Raphael (dem Co-Gründer von Getquin) ins Office. Dort werde ich dann schon von meinen Teammitgliedern erwartet und nachdem mich jeder ausgiebig begrüßt hat kann der Tag beginnen. Tagsüber erinnere ich meine Kolleginnen und Kollegen daran, auch mal Pausen zu machen, damit ich auch genug Spiel- und Streicheleinheiten bekomme.
Was sagt er aus?
Als CRO bin ich dafür zuständig, dass jeder durchatmet und relaxed. Dank mir herrscht auch in den stressigsten Zeiten immer eine tiefenentspannte Atmosphäre im Office. Es ist auch einfach unmöglich, gestresst zu sein, wenn man mich anschaut und mit mir spielt.
Warum hast du dir diesen „kuriosen“ Jobtitel gegeben?
Ich bin zwar erst ein halbes Jahr jung, aber ich wollte auch einen coolen Jobtitel haben. Normale Jobtitel beschreiben einfach nicht den Umfang meines Day-to-Day-Businesses bei Getquin. Deswegen musste da ein neuer her.
Auf der nächsten Seite geht es weiter mit: Chief Executive Fish und TikTok Meister & Partners(h)ips.
Stephanie Renz, Chief Executive Fish – What the Fish

Unser Brand Design Studio heißt „what the fish“ und von Beginn an haben wir, Tania & ich, uns gegenseitig als Fis(c)he bezeichnet – einfach, weil wir’s witzig fanden. Deshalb war es naheliegend, mit unserem Dasein als Fish zu arbeiten.
Welche Aufgaben fallen unter diesen Jobtitel?
Da meine Geschäftspartnerin Tania innerhalb unseres Designstudios hauptverantwortlich für Design ist, ist sie Chief Creative Fish.
Ich wiederum bin für die komplette Kund:innen-/Außenkommunikation sowie Projekthandling & Strategie verantwortlich und deshalb Chief Executive Fish.
Was sagt er aus?
Letztendlich ist sowohl Chief Creative Fish als auch Chief Executive Fish angelehnt an die klassische Rollenbezeichnung CCO und CEO.
Statt Officer eben Fish aufgrund unserer Marke what the fish.
Warum hast du dir diesen „kuriosen“ Jobtitel gegeben?
Wir haben uns Anfang 2019 selbstständig gemacht, um „frei“ zu sein, unseren eigenen Weg zu gehen und auch aus der „Standard-Leistungsgesellschaft“ auszubrechen: Wir finden unsere Jobtitel eine charmante Art & Weise genau das auszudrücken. Es zeigt, dass wir uns selbst nicht wichtiger nehmen als die Arbeit, um die es geht und die wir leisten.
Michel Oldehaver, TikTok Meister & Partner(s)hips – Zeitgeist

Wie bist du auf den Titel gekommen?
Wir haben recht früh angefangen Kurzvideoformate auf TikTok zu erproben, gerade mit Hinblick auf Story Ads (Instagram) und Reels. Bis vor kurzem wurde man dafür noch belächelt oder schief angeschaut. TikTok durch die Bezeichnung eine gewisse Wichtigkeit zu verleihen, war sicherlich eine Intention.
In unserem erfolgreichsten TikTok Format „Schöner Wohnen“ mit knapp 200.000 Zuschauern, nehme ich die Rolle eines Meisters im Handwerks ein, der viel Gepfusche an der Baustelle ertragen muss. Daher der Zusatz „Meister“. Partner(s)hips war anfangs einfach ein Schreibfehler. Da wir Gästen aber gerne Süßigkeiten anbieten und diese sich darüber halb freuen und halb beschweren, haben wir den Fehler stehen lassen, da ich mich gleichzeitig auch um die Hüften (Hips) der Partner:innen kümmere. Und ja, der ist richtig flach.
Was sagt er aus?
Nach außen soll er ein Signal senden, dass wir auf der Arbeit keine Fassade von Professionalität wahren müssen, sondern Menschen sind mit Ecken und Kanten.
Warum hast du dir den originellen Jobtitel gegeben?
Ich glaube mit Jobtiteln ist es wie mit Gucci-Shirts. Vor einigen Jahren war ein CEO der Geschäftsführer einer AG, SE, KGaA etc. Also einer börsen-gelisteten Entität oder zumindest einer GmbH. Heute schreiben vor allem junge Leute, die einmal die Woche auf einem Flohmarkt Klamotten verkaufen, CEO in ihre Social-Media-Profile. Der Titel wird sooft gefaket, dass der echte Titel an Reputation verliert – wie mit einem Gucci-T-Shirt.
Können alle im Unternehmen einen eigenen Jobtitel kreieren?
Auf jeden Fall! Madlen kam als gelernte Modedesignerin und Schneiderin erst etwas später zu Zeitgeist dazu und wollte sich zu ihrer Liebe zum Astra Bier (Hamburger Original) bekennen. Jetzt ist sie Astra Connoisseur.
Auf der nächsten Seite geht es weiter mit: Bread Manager und Chief Artificial Intelligence Officer.
Julia Meya, Bread Manager – B. Just Bread

Der interne Jobtitel hat sich durch kreatives Hin und Her einfach ergeben. Wortspiele sind unser täglich Brot und bringen immer wieder Lächeln in die Gesichter. Als Bread Managerin kümmere ich mich um die Mitgestaltung der Vision und Mission von B. Just Bread, das Planen von Werbekampagnen und die Contenterstellung mit meinem Team für unsere Social Media Kanäle.
Warum hast du dir diesen originellen Jobtitel verpasst?
Ich hab mir den Titel nicht selber gegeben, sondern das Erbe von M. Rupieper Bread Manager I. angetreten. Und ich führe die Linie der Bread Manager fort.
Martin Rückert, Chief Artificial Intelligence Officer – Diamant Software

Wie bist du auf den Titel „Chief Artificial Intelligence Officer“ gekommen?
Den Titel habe ich zum ersten mal in einem Artikel von Andrew Ng, einem renommierten Artificial Intelligence Forscher und Manager gelesen. Die Idee ist es, dass bei einer neuen Technologie wie AI vieles im Unternehmen verändert werden und außerdem ein dediziertes AI-Team geschaffen werden muss, um mit AI Erfolg zu erzielen.
Long story short: Bei Künstlicher Intelligenz habe ich den Hut auf – sowohl was Forschung angeht, als auch die Integration in unser Produkt: intelligente Rechungswesen-Software. Da ergibt es nur Sinn, auch ein Chief und ein Officer zur Artificial Intelligence zu ergänzen.
Welche Aufgaben fallen unter diesen Jobtitel?
Ich leite ein AI-Forschungszentrum in dem wir neue AI-basierte Funktionen schaffen, aber auch neue AI Methoden erforschen. Damit diese Funktionen effizient arbeiten können und letztlich auch in der Software und in Produktion ankommen, ist es wichtig, intern viele Dinge neu zu schaffen, wie eine Infrastruktur und Prozesse für AI-Experimente.
Was sagt er aus?
Er zeigt, dass der Rang von Künstlicher Intelligenz bei uns den gleichen Stellenwert hat wie die Bereich Finance oder Operations, wo die Kolleg:innen die Titel wie CFO oder COO tragen.
Warum hast du dir diesen „kuriosen“ Jobtitel gegeben?
Tatsächlich habe ich mir den Titel gar nicht gegeben, sondern zum ersten Mal bei meinem vorherigen Arbeitgeber, einem AI-basierten Startup in Berlin, verliehen bekommen, wo ich im Prinzip an den gleichen Aufgaben gearbeitet habe. Insgesamt bin ich jetzt schon über 21 Jahre im Bereich AI unterwegs, auch wenn man das „früher“ anders nannte.
Können alle im Unternehmen seinen eigenen Jobtitel kreieren?
Nein, soweit ist es in unserem Unternehmen noch nicht, wobei ein Head of Gesundheitsbranchen-und-Mittelstands-Rechnungswesen-Digitalisierung sicher bei einigen Kolleg:innen angemessen wäre.