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AMD-Offensive: Microsoft greift Nvidias KI-Monopol an

Microsoft setzt den Rotstift an
Picture Alliance Microsoft setzt den Rotstift an
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Lesezeit2 Min · 468 Wörter

Microsoft kauft AMDs Helios-Server mit Next-Gen-Prozessoren für Azure und könnte damit Nvidias Preisdiktat brechen. Auch Anthropic testet AMD-Hardware. Ab 2026 wird es ernst.

Nvidia kassiert seit Jahren Monopol-Preise für KI-Chips. Microsoft hat genug davon.

Der Tech-Riese setzt in seiner Azure-Cloud künftig auf AMDs neue Helios-Plattform – eine direkte Kampfansage an Jensen Huangs GPU-Imperium. Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 rollen die ersten Server mit Epyc-Venice-Prozessoren und Instinct MI455X-Beschleunigern aus, wie heise berichtet. Der Deal ist mehr als ein Tech-Upgrade: Er markiert den Versuch, Nvidias Würgegriff über die KI-Infrastruktur zu lockern.

Helios gegen NVL72: AMD spielt auf Augenhöhe

AMDs Helios-Design basiert auf dem offenen Open Compute Project-Standard – ein bewusster Kontrast zu Nvidias geschlossenen NVL72-Racks. Während Nvidia komplette Server liefert, verkauft AMD Chips und Boards, die Kunden selbst verbauen. Microsoft erhält Epyc-CPUs mit Zen-6-Architektur, gepaart mit KI-Beschleunigern und Pensando-DPUs für Netzwerk-Workloads.

Software-seitig steuert AMDs ROCm die Hardware – die Open-Source-Antwort auf Nvidias CUDA-Ökosystem. Laut heise startet Microsoft zwei neue Azure-Instanzen: HDv2 mit knapp 500 CPU-Kernen und 4 TByte RAM für KI-Agenten-Orchestrierung, HXv2 mit 176 Zen-6-Kernen, 3D-V-Cache und über 5 GHz Takt für rechenintensive Simulationen. Die Specs zeigen: Microsoft will nicht nur KI-Inferenz abdecken, sondern auch Modell-Training – Nvidias bisherige Cash-Cow.

Anthropic als Joker im Spiel

Noch brisanter: Laut einem öffentlichen GitHub-Profil eines AMD-Direktors testet offenbar auch Anthropic, Hersteller des Claude-Modells, AMD-Hardware. Wie The Decoder meldet, erhielt Anthropic dabei die höchste Prioritätsstufe – gleichauf mit Meta. Ob AMD die Partnerschaft auf seiner „Advancing AI“-Konferenz bestätigt, hängt allerdings davon ab, ob AMDs Technikteam alle Bedenken zur Softwarequalität ausräumen kann. Anthropic steckt noch in der Testphase.

Falls der Deal zustande kommt, wäre das ein Erdbeben: Anthropic gilt als einer der anspruchsvollsten KI-Player, eng vernetzt mit Google Cloud. Ein Wechsel zu AMD würde signalisieren, dass Nvidias technologischer Vorsprung schwindet. AMD-CEO Lisa Su nannte die Microsoft-Kooperation einen „wichtigen Meilenstein“. Microsoft-CEO Satya Nadella formulierte es diplomatischer: „Kunden brauchen mehr Auswahl bei KI-Infrastruktur.“ Übersetzung: Nvidias Preise sind nicht mehr tragbar.

Business Punk Check

Wird 2026 das Jahr, in dem Nvidia Marktanteile verliert? Die Antwort lautet: teilweise. Microsofts AMD-Deal ist strategisch clever – Azure bekommt mehr Verhandlungsmacht gegenüber Nvidia, kann Kunden günstigere Alternativen anbieten und diversifiziert seine Supply Chain. Doch Nvidias CUDA-Ökosystem bleibt unangreifbar: Entwickler, Frameworks, Tools, alles optimiert für Nvidia. AMDs ROCm holt auf, aber die Software-Lücke ist real. Die Wahrheit: Microsoft hedged seine Bets.

Nvidia wird weiterhin den Löwenanteil des Azure-KI-Geschäfts treiben, AMD schnappt sich die preissensitiven Kunden und Standard-Inferenz-Workloads. Die eigentliche Disruption kommt von Custom-Chips wie Googles TPUs oder Amazons Trainium. Für AMD ist der Deal trotzdem Gold wert endlich ein glaubwürdiges KI-Standbein jenseits von Gaming-GPUs. Für Microsoft die Versicherungspolice gegen Nvidias Preisdiktat. Alle außer Jensen Huang.

Quellen: heise, The Decoder

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.