AnlagePunk SpaceX landet im MSCI World: ETF-Sparer werden zu unfreiwilligen Musk-Investoren

SpaceX landet im MSCI World: ETF-Sparer werden zu unfreiwilligen Musk-Investoren

Elon Musks Raumfahrtkonzern schleicht sich durch die Hintertür in Millionen Depots. MSCI und Nasdaq ändern ihre Regeln – ETF-Sparer zahlen die Zeche für einen Hype-Börsengang.

Wer einen ETF-Sparplan auf den MSCI World bespart, wird jetzt unfreiwillig zum SpaceX-Investor. Der Indexanbieter MSCI nimmt Elon Musks Raumfahrtkonzern heute in seine wichtigsten Indizes auf und zwingt damit Fonds, die Aktie zu kaufen.

Beim Broker Flatex war SpaceX in den ersten fünf Handelstagen der meistgehandelte Wert in Deutschland: 32.000 Trades, zehnmal mehr als Nvidia, dreißigmal mehr als Tesla. Jetzt wird aus dem Privatanleger-Hype ein Zwangskauf für passive Investoren.

Indexfonds müssen kaufen – egal zu welchem Preis

ETFs auf den MSCI World bilden den Index mechanisch nach. Kommt SpaceX rein, müssen sie kaufen. Das Problem: Der Streubesitz liegt bei mageren vier Prozent. Der Rest bleibt bei Insidern und Großinvestoren.

Künstliche Knappheit trifft auf erzwungene Nachfrage – ein Lehrbuchbeispiel für Preisverzerrung. Die Indexaufnahme stützt den Kurs, kann aber auch Übertreibungen verstärken. Seit dem Börsengang am 12. Juni schwankt die Aktie zwischen plus 67 und minus 35 Prozent. Jede größere Order bewegt den Kurs überproportional.

Nasdaq ändert Regeln – nur für SpaceX

Die Nasdaq hat im Vorfeld des Börsengangs ihre Aufnahmekriterien angepasst. Die „Fast Entry“-Frist schrumpfte von mehreren Monaten auf 15 Handelstage. Aktien mit niedrigem Streubesitz werden nun mit bis zu dreifacher Gewichtung berücksichtigt. Juli rückt SpaceX in den Nasdaq 100 auf.

Christian Maschner vom Family Office FINVIA nennt das eine „Lex SpaceX“ Regeln, die extra gebogen wurden, damit die Aktie schneller in die Indizes kommt, so Tagesschau. Der S&P 500 bleibt standhaft: Dort gelten weiterhin mindestens zehn Prozent Streubesitz und zwölf Monate Börsennotierung als Voraussetzung. SpaceX erfüllt keine dieser Bedingungen.

Wedbush sieht 2,5 Billionen – der Markt bleibt skeptisch

Analyst Dan Ives von Wedbush startet mit Kaufempfehlung und einem Kursziel von 190 Dollar. Seine Rechnung: 66 Milliarden für das Startgeschäft, 600 Milliarden für Starlink, 1,8 Billionen für das KI-Geschäft. Für 2028 erwartet er dort über 80 Milliarden Dollar Umsatz – noch bevor die geplanten Rechenzentren im Orbit überhaupt funktionieren. Das Starship-Raketensystem soll die Kosten gegenüber Falcon 9 um 90 Prozent senken. SpaceX hat bereits eine zweistellige Zahl von Starship-Testflügen und -Versuchen absolviert; ein weiterer Testflug steht an.

Ives selbst nennt Starship „die größte Werttreiber- und Risikoquelle“ zugleich. Trotz Kaufempfehlung fiel die Aktie nach seiner Einschätzung um 7,8 Prozent. Offenbar hatten Investoren mehr erwartet.

Insiderverkäufe drohen – Streubesitz könnte steigen

Während die meisten Börsengänge Insiderverkäufe für sechs Monate sperren, hat SpaceX Ausnahmen geschaffen. Bis Anfang September könnten Insider bis zu 44 Prozent der Aktien verkaufen. Das würde den Streubesitz erhöhen und damit automatisch die Gewichtung in den Indizes.

Christian Röhl von Scalable Capital schätzt den SpaceX-Anteil im MSCI World anfangs auf 0,1 Prozent. Fiele die Aktie um zehn Prozent, würde das den Index rechnerisch um 0,01 Prozent belasten. Die „Hysterie“, ETF-Anleger müssten den Mega-Börsengang schultern, sei übertrieben, so Röhl laut Wallstreet Online.

Klumpenrisiko USA wächst weiter

Auch ohne SpaceX ist die Konzentration im MSCI World enorm. US-Unternehmen machen fast 75 Prozent aus. Die „Magnificent Seven“ – Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta, Tesla, Nvidia – kommen zusammen auf über 24 Prozent Gewicht. SpaceX wird das Ungleichgewicht nicht aus dem Stand verschärfen, könnte aber mittelfristig zum Problem werden.

JPMorgan schätzt passive Zuflüsse durch die Indexaufnahme auf 4,3 Milliarden Dollar. Michael Field von Morningstar sieht zwar starke Nachfrage, hält die Aktie aber für überbewertet, wie Finanzen berichtet. Im vergangenen Jahr meldete SpaceX einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar.

Business Punk Check

Die Indexanbieter spielen ein gefährliches Spiel. Nasdaq und MSCI ändern ihre Regeln, damit eine hochvolatile, defizitäre Aktie mit vier Prozent Streubesitz schneller in die Indizes kommt. ETF-Sparer werden zu unfreiwilligen Risikoträgern eines Hype-Börsengangs. Die Bewertung von 2,5 Billionen Dollar basiert auf Geschäftsmodellen, die noch nicht funktionieren – Rechenzentren im Orbit, Raketensysteme, die erst in Tests sind.

Starship soll die Kosten um 90 Prozent senken, hat aber noch keinen einzigen kommerziellen Flug absolviert. Gleichzeitig drohen Insiderverkäufe, die den Kurs belasten könnten. Der S&P 500 zeigt, wie es richtig geht: Regeln bleiben Regeln, auch für Elon Musk. Wer jetzt noch einen MSCI-World-Sparplan hat, sollte genau hinschauen, welche Indexregeln gelten – und ob man wirklich bereit ist, die nächste Musk-Wette mitzufinanzieren. Die Wahrheit: SpaceX wird nicht dein Depot retten, könnte es aber belasten.

Quellen: Tagesschau, Wallstreet Online, Finanzen

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