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Anthropic kauft sich bei Elon Musk ein — und verrät seine Werte

Dario Amodei, CEO von Anthropic
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Markus Schreiber Dario Amodei, CEO von Anthropic
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Lesezeit4 Min · 743 Wörter

Claude-Macher Anthropic sichert sich 300 Megawatt GPU-Power von SpaceX. Ausgerechnet bei Elon Musk. Ein Deal, der die Grenzen sprengt — und peinliche Fragen aufwirft.

Wenn ein KI-Unternehmen, das sich lautstark zu demokratischen Werten bekennt, ausgerechnet bei Elon Musk einkauft, riecht das nach Verzweiflung. Anthropic hat sich die gesamte Rechenkapazität von SpaceX‘ Colossus-1-Rechenzentrum gesichert — über 220.000 NVIDIA-GPUs, mehr als 300 Megawatt Leistung. Innerhalb eines Monats verfügbar, wie The Decoder berichtet. Die Nachfrage nach Claude explodiert, und CEO Dario Amodei gibt offen zu: „Wir hatten für ein zehnfaches Wachstum geplant. Dann kam ein 80-faches“, so Handelsblatt. Also musste schnell eine Lösung her.

Der Deal: Mehr Power für Claude-Nutzer

Die Zahlen sind eindeutig: Claude Pro, Max, Team und Enterprise bekommen doppelt so viel Nutzungszeit für Claude Code — von fünf auf zehn Stunden pro Monat. Die nervige Drosselung zu Stoßzeiten? API-Limits für Claude Opus steigen dramatisch: In der niedrigsten Stufe von 30.000 auf 500.000 Input-Token pro Minute, in der höchsten von 2 auf 10 Millionen, wie heise berichtet. Das ist kein Upgrade — das ist ein Befreiungsschlag.

Colossus 1 galt bei Fertigstellung im Herbst 2024 als schnellster Supercomputer der Welt, gebaut für xAIs Grok-Modell. Doch Grok dümpelt seit den Image-Generation-Skandalen vor sich hin. Für Musk ist der Anthropic-Deal ein Milliarden-Jackpot — und die Gelegenheit, SpaceX als Neocloud-Provider zu positionieren, bevor die Kombination aus SpaceX und xAI an die Börse geht.

Die Compute-Offensive: Fünf Deals, über 100 Milliarden Dollar

Anthropic spielt in einer Liga, in der es nicht mehr nur um GPUs geht, sondern um geopolitische Infrastruktur. Der SpaceX-Deal ist nur einer von fünf: Mit Amazon sicherte sich Anthropic bis zu 5 Gigawatt, mit Google und Broadcom weitere 5 Gigawatt, mit Microsoft und NVIDIA 30 Milliarden Dollar Azure-Kapazität, mit Fluidstack 50 Milliarden Dollar. Zusammen ergibt das eine der breitesten Infrastrukturbasen im KI-Sektor — und eine klare Ansage an OpenAI.

Besonders pikant: Anthropic will „gezielt nur mit demokratischen Ländern zusammenarbeiten, deren rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen Investitionen dieser Größenordnung ermöglichen“, heißt es laut The Decoder. Gleichzeitig kooperiert man mit Elon Musk, dessen politische Ansichten zunehmend als autoritär gelten. Der Widerspruch ist offensichtlich — und peinlich.

Rechenzentren im Orbit: Science-Fiction wird ernst

Noch irrer wird es im Weltall. Anthropic und SpaceX haben „ihr Interesse an einer Partnerschaft zur Entwicklung einer orbitalen KI-Rechenkapazität von mehreren Gigawatt bekundet“, wie heise schreibt. Keine Verträge, aber ein Letter of Intent. Musk argumentiert: Energie, Platz und Kühlung sind auf der Erde begrenzt. Im Orbit gibt es unbegrenzte Solarenergie.

SpaceX hat die Startfrequenz, die Kosten pro Kilogramm und die Erfahrung mit Satellitenkonstellationen. Bis 2035 soll das Realität werden — wenn man Musk glaubt. Für europäische KI-Ambitionen ist das eine Ohrfeige. Während Deutschland über Rechenzentren in Bitterfeld diskutiert, sichert sich Anthropic Gigawatt-Kapazitäten auf zwei Kontinenten und plant fürs All. Die Schere zwischen US-Dominanz und europäischer Ambition wird nicht kleiner.

Business Punk Check

Anthropic verspricht demokratische Werte, kauft aber bei Musk. Das ist kein Zufall, sondern Notwendigkeit. Die Nachfrage nach Claude wächst schneller als jede Prognose, und wer nicht skaliert, verliert. Der SpaceX-Deal ist strategisch brillant — und moralisch fragwürdig. Die orbitalen Rechenzentren? Größenwahnsinnig genug, um zu funktionieren.

Für Investoren ein Signal: Anthropic spielt auf Sieg. Für Konkurrenten eine Warnung: Die Compute-Schlacht ist entschieden, bevor sie begonnen hat. Und für Europa? Ein Reality-Check. Wer keine Infrastruktur hat, kann keine KI-Souveränität aufbauen. Handlungsempfehlung: Aufhören zu reden, anfangen zu bauen — oder akzeptieren, dass Silicon Valley die Regeln macht.

Häufig gestellte Fragen

Warum kooperiert Anthropic mit SpaceX?

Anthropic braucht dringend zusätzliche Rechenkapazität, da die Nachfrage nach Claude um das 80-fache gewachsen ist. SpaceX‘ Colossus-1-Rechenzentrum mit über 220.000 NVIDIA-GPUs war innerhalb eines Monats verfügbar — schneller als jede Alternative.

Was bringen die orbitalen Rechenzentren?

Im Orbit gibt es unbegrenzte Solarenergie ohne irdische Begrenzungen bei Platz, Energie und Kühlung. SpaceX hat die nötige Infrastruktur für Starts und Satellitenkonstellationen. Bis 2035 sollen erste Gigawatt-Kapazitäten im All verfügbar sein.

Welche weiteren Compute-Deals hat Anthropic geschlossen?

Neben SpaceX: Amazon (bis 5 Gigawatt), Google und Broadcom (5 Gigawatt), Microsoft und NVIDIA (30 Milliarden Dollar Azure-Kapazität), Fluidstack (50 Milliarden Dollar). Zusammen eine der breitesten Infrastrukturbasen im KI-Sektor.

Was sagt der Deal über europäische KI-Ambitionen?

Europa fällt zurück. Während Anthropic Gigawatt-Kapazitäten über mehrere Kontinente sichert und fürs All plant, diskutiert Deutschland über lokale Rechenzentren. Ohne massive Infrastrukturinvestitionen bleibt KI-Souveränität Wunschdenken.

Quellen: TechCrunch, heise, Handelsblatt, The Decoder, Trending Topics

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.