60 Millionen Euro, 6 Jahre Laufzeit und ein Gesundheitsversprechen: KNSK verteidigt AOK BW
In einer Branche, die sich manchmal wie ein endloses Casting anfühlt, gibt es sie doch noch: die großen Siege. KNSK bleibt Leadagentur der AOK Baden-Württemberg – und das ist mehr als nur ein weiteres gewonnenes Mandat.
Wer in Deutschlands Agenturbranche überleben will, braucht vor allem eins: eine stabile Lunge fürs Dauerpitchen. Und kaum ein Auftraggeber hält seine Dienstleister diesbezüglich so auf Trab wie die AOK. Ob Bundesverband oder Regionalorganisation – der größte deutsche gesetzliche Krankenversicherer hat sich in den letzten Jahren als Pitchmaschine einen Namen gemacht.
Jetzt also wieder: Europaweite Ausschreibung, mehrstufiges Verfahren, 60 Millionen Euro Mediapotenzial. Klingt nach Druck. Klingt nach Risiko. Klingt nach einem dieser Großprojekte, bei denen man als Agentur entweder untergeht – oder sich krönt.
KNSK hat sich gekrönt. Zusammen mit der Mediaagentur DIEMEDIAFABRIK bleibt die inhabergeführte Kreativschmiede mit Sitz in Hamburg weiter an Bord der AOK Baden-Württemberg. Und das ist – auch wenn man sich sonst mit Superlativen zurückhalten möchte – in diesem Fall tatsächlich ein dicker Fisch. Immerhin betreut KNSK damit die Krankenkasse mit über 4,6 Millionen Versicherten in einem der wirtschaftsstärksten Bundesländer Deutschlands. Und das für weitere sechs Jahre.
Gesundnah statt austauschbar
Der Etat umfasst alles, was das kommunizierende Herz begehrt: Strategie, kreative Umsetzung, Markenpflege. Die Agentur ist verantwortlich für den regionalen Markenkern „Gesundnah“ – eine Positionierung, die so simpel wie effektiv ist. Während andere Kassen zwischen Bonuspunkten und „Digital first“-Parolen taumeln, setzt die AOK BW auf ein Gefühl: Nähe. Und Nähe, das wissen wir alle, ist in der Werbung mindestens so wichtig wie in jeder Beziehung.
Dass KNSK dieses Thema ernst nimmt, unterstreicht CEO Kim Notz in gewohnter Klarheit: „Es ist für uns weit mehr als ein Etat – es ist ein echtes Herzensthema.“ Man merkt: Hier geht’s nicht nur um Budgetgrößen, sondern um Haltung. Und vielleicht sogar ein bisschen Stolz auf das, was in vier Jahren Markenarbeit entstanden ist.
Ein kleines Aber in der Euphorie
Doch bei aller Freude über den gewonnenen Superetat bleibt eine personelle Baustelle offen: Kreativchef Florentin Hock verlässt das Unternehmen Ende Juni. Nach über fünf Jahren an vorderster Innovationsfront bricht er auf zu neuen Abenteuern. Die Nachfolge? Bis dato offen. Eine Lücke, die KNSK möglichst elegant füllen muss – gerade jetzt, wo das Vertrauen der AOK Baden-Württemberg in das Team frisch besiegelt wurde.
Agenturen unter Druck, Versicherer unter Beobachtung
Die Entscheidung, das Mandat europaweit auszuschreiben, zeigt erneut: Selbst langjährige Partnerschaften zählen nichts, wenn das Procurement ruft. In einer Branche, in der Trust durch KPI ersetzt wird und in der kreative Exzellenz auch an Excel-Tabellen scheitert, sind solche Ausschreibungen ein Kraftakt. Für KNSK ist das Ergebnis dennoch ein Statement – und vielleicht auch eine kleine Erinnerung daran, dass gute Markenführung mehr ist als ein hübscher Spot.
Und für die AOK? Es bleibt abzuwarten, wie sich „Gesundnah“ in einer Zeit behauptet, in der Digitalisierung, Pflegekrise und Versorgungsdruck zum Alltag der Gesundheitskommunikation gehören. Klar ist: Der Anspruch an Kreativität wird steigen – nicht nur inhaltlich, sondern auch gesellschaftlich. Wer Millionen Menschen anspricht, braucht mehr als einen griffigen Slogan. Er braucht Relevanz.