work wise · Arbeit

Arbeitgebertag in Deutschland: Man hört zu, aber hat resigniert

Arbeitgebertag
Ein Mann sitzt während des Deutschen Arbeitgebertages 2024 der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) vor Veranstaltungsbeginn im Saal und liest Zeitung. Foto: Picture Alliance
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit1 Min · 253 Wörter

In Berlin ist Arbeitgebertag. Dort treffen wie stets der Kanzler und sein Wirtschaftsminister auf Unternehmer, und beide Seiten lesen sich die Leviten. Vergangenes Jahr hatte Olaf Scholz noch vom „Klagelied des Kaufmanns“ gesprochen und die Kritik der Arbeitgeber an der Regierungspolitik als übertrieben abgetan. Das saß. Und diesmal?

Diesmal garnieren folgende zwei Meldungen den Tag: Nach vielen anderen hat nun auch der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognose für Deutschland auf null gesenkt. Das zweite Thema des Tages: Nach dem Aus für die geplante Intel-Chipfabrik in Ostdeutschland kippt jetzt auch das zweite Großprojekt dieser Art ganz im Westen: Der US-Konzern Wolfspeed und der deutsche Autozulieferer ZF wollen von ihrer gemeinsam geplanten Chipfabrik im Saarland nichts mehr wissen.
Da wirkt es wie Spott, wenn Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sagt: „Es muss jetzt ein Ruck durch dieses Land gehen.“ Tatsächlich rollt bereits eine Pleitewelle durchs Land, und Dulger weiß das. Scholz kann keinen Ruck liefern, sondern zählt sichtlich genervt auf, was die Regierung tut, um gegenzusteuern: Sie habe eine Wachstumsinitiative auf den Weg gebracht, baue Bürokratie ab und stärke den Finanzstandort. Sie werde dazu beitragen, dass diejenigen, die länger arbeiten wollten, dies auch könnten, und dass das Bürgergeld nur eine Leistung sei, die dazu diene, schnell wieder in Arbeit zu kommen.

Am Ende wird klar: Nach drei Jahren Ampelregierung ist der Dialog zwischen Arbeitgebern und Regierung nur noch ein Austausch von Höflichkeiten. Man hört zu, aber glaubt nicht mehr daran, dass sich etwas ändert.

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.