Auf Twitter erzählen Userinnen von ihren absurdesten Mansplaining-Erfahrungen
Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen war in Bezug auf die gesellschaftliche Relevanz schon immer von Ungleichheit geprägt. Historisch betrachtet hatten Männer fast immer die Deutungshoheit, sie besetzten die wichtigsten Positionen in einer patriarchalen Gesellschaft und sind daran gewöhnt, von anderen Männern und Frauen gehört und ernst genommen zu werden. Auch wenn diese alten Strukturen dank der Leistungen von Feminist*innen nun langsam, sehr langsam aufbrechen, sind sie weitestgehend noch immer vorhanden. Mansplaining ist Teil davon.
Wenn ein Mann einer Frau etwas erklärt, ist per se nichts einzuwenden. Mansplaining geschieht allerdings auf eine besserwisserische Art, ungefragt oder gegen den Willen der Frau. Es passiert in der unbegründeten Annahme des Mannes, sich besser in einem Metier auszukennen, und aus seinem Desinteresse daran, was sein Gegenüber weiß.
Beim Mansplainen geschieht kein gleichberechtigter Wissensaustausch, sondern es entsteht eine bevormundende Kommunikationshierarchie. Eine entsprechende deutsche Übersetzung dazu ist unter anderem „Herrklären“.
Für Frauen ist eine derartige Gesprächsungleichheit Alltag. Sie wird, auch wenn es „nur gut gemeint“ ist, oft als degradierend oder beleidigend wahrgenommen.
Auf die ständigen Alltagsherrklärungen wollte Twitter-Userin Thảo Trần wohl aufmerksam machen, als sie die Frage postete: „Was war eure absurdeste #Mansplaining-Erfahrung?“ Ihre Followerinnen ließen nicht lange auf sich warten, die Liste der Antworten ist lang und eindeutig.
Männer ohne sprachwissenschaftliches Studium erklären mir regelmäßig, dass Anglizismen und Gendersternchen die deutsche Sprache zerstören ...
— Madame Laut (@MadameLaut) August 2, 2020
Ich unterbreche einen Seminarvortragenden mit: "Das ist nicht, was die Autorin ausdrücken wollte."
"Doch, natürlich, außerdem ist der Autor männlich und warum erdreisten Sie sich mich zu unterbrechen?"
"Ich habe den Artikel geschrieben, ich bin die Autorin."
— Polysub (@lovelyropes) August 3, 2020
Ich sollte ein paar Flyer so einschneiden dass man die Telefonnummer unten abreißen kann. Mein damaliger Kollege: "warte ich zeig dir das" und erklärt mir wie ich eine Schere benutze. Ich hab nur gelacht und gesagt "danke ich kenne das Prinzip"
— ? Gender Sternchen ? (@fantasminoo) August 3, 2020
Als ich als freie Mitarbeiterin für eine lokale Tageszeitung gearbeitet habe, kam gerne der Hinweis, wenn ich Fotos machte:"Ist denn auch ein Film in der Kamera?" Immer von Männern. Einmal von Rainer Brüderle und zwar explizit an mich, nicht an die anwesendem männlichen Kollegen.
— EmmaBlocksberg (@emma_blocksberg) August 3, 2020
Kann hier nur bedingt lesen, es regt mich zu sehr auf. Als kleine Frau werde ich grundsätzlich weniger ernst genommen. Ein Typ im Job hat mir mal ein Referat über das/dass gehalten, richtige Verwendung und so. Ja danke, ich hab Germanistik und Literatur studiert, Jürgen.
— Frau SommerBirke (@frau_birke) August 3, 2020
Habe mit einem Kollegen (Erste Hilfe- Ausbildung) darüber diskutiert, dass in unseren Unterlagen bei Herzinfarkt nur "Krawatte und Hemdkragen lockern" steht, aber nicht "BH nach Wunsch öffnen." Da hat er freundlicherweise erklärt, dass BHs nicht einengen und auch nicht stören. ?
— Annika H (@kkmessages) August 2, 2020
Bin Kassiererin. Bekomme regelmäßig gesagt, wie viel rückgeld ich geben muss.
"36cent hab ich klein. Dann bekomme ich genau fünf Euro zurück." Ach was. Ich mach das im Akkord, im Kopf. Und bei 5,36 Preis auf 10,36 rausgeben ist echt gehirnjogging, Joachim.— Sündenziege ? (@sundenziege) August 2, 2020
LAN-Typ im Wohnheim.
Ich: Hi, hab alles gecheckt, meine LAN-Dose ist kaputt.
Er: Nene, kann nicht sein. Weißt du, da musst du dich mit der MAC-Adresse anmelden. Es folgte Erläuterung, wo ich die finde.
Hinweis, dass ich das weiß, ignorierte er routiniert. Spoiler: Dose kaputt.— Berenike (@Berenike_von_K) August 3, 2020
Beim Kellnern:
"Du musst den Tisch sauber machen. Dazu nimmst du dir einen Lappen, lässt dir aus der Küche einen Eimer Wasser geben und dann wischt du das sauber."— Herr Vorragend (@Occupy_Mama) August 2, 2020
Neue Beziehung. Ich das erste Mal bei ihm, er gab mir den Schlüssel. Tür geht nicht auf, weil sein Schlüssel von innen steckt. Macht mir in Unterhose auf: "Doch, muss klappen, ich zeig dir wie's geht". Macht die Wohnungstür zu, sind ausgesperrt, er: Unterhose, ich: Wintermantel.
— roxo #BiIdungAberSicher (@roxicology) August 3, 2020
Mir wurde (ungefragt von einem Fremden) erklärt, dass ich „Mansplaining“ ganz falsch definiere als wie gerade das Thema hatten. Und dass ich doch froh sein solle, dass er mir das jetzt richtig beibringt weil ich schliesslich was lerne. ??♀️
— Lilou (@Liloulive) August 3, 2020