Beverly Hills, die Schweiz und Berlin: Das Leben eines Luxusmaklers
Wer nach dem Jahr 2016 schon einmal an der East Side Gallery in Berlin flanierte, dem könnte der große weiße Tower direkt neben der Berliner Mauer aufgefallen sein. Das sogenannte Living Levels ist ein Wohnhaus der Extraklasse. Auf 14 Etagen finden sich dort 60 Apartments, die Otto-Normal-Bürger:innen höchstens aus „Architectural Digest“-Videos oder ähnlichem kennen.
Hohe Decken, Marmor im Bad und Küche und eine Vollverglasung, die den Bewohner:innen der oberen Etagen Berlin zu Füßen legt. Im Eingang befindet sich – na klar – ein Concierge-Service und ein riesiges Kunstwerk des Berliner Künstlers Ali Görmez.
Laut eigenen Angaben sollen die Apartments für „Jungunternehmer aus dem Bereich E-Commerce, Manager mit einem Zweitwohnsitz in Berlin, Politiker und Vertreter der Art-Industry“ gedacht sein.

Wo, wenn nicht dort, sollte man sich mit einem Makler für Luxusimmobilien treffen und über seine Arbeit mit Highperformer:innen sprechen? Also treffen wir Peter Rabitz, der einige der Apartments aus dem Living Levels zu seinem Portfolio zählt, in einer der penthouseartigen Wohnungen. 150 Quadratmeter groß, vollgepackt mit Luxus. Kostenpunkt: „nur“ vier Millionen Euro.
Wie bist du dazu gekommen, Luxusimmobilien zu verkaufen?
Angefangen hat alles mit meinem Studium. Ich habe Immobilienwirtschaft studiert und wollte immer ins Ausland. Ich hatte dann die Möglichkeit, ein Auslandspraktikum zu machen und habe 300 Bewerbungen per E-Mail querbeet ins Ausland verschickt. Zwei Antworten waren für mich interessant: eine aus Atlanta und eine aus Beverly Hills.
Beverly Hills hat einen größeren Klangnamen, also habe ich mich dafür entschieden. Die Firma dort war spezialisiert auf den Verkauf und die Vermarktung von architektonischen Immobilien, gebaut von bekannten Midcentury-Architekten wie Richard Neutra, Paul Rudolph oder John Lautner. Darüber hinaus hatte unsere Firma dort sehr viele A-List-Prominente als Kunden.

Mit deiner eigenen Firma bist du auch im Highend-Segment unterwegs.
Genau, mit dem Schwerpunkt ausländischer Investorenkäufer. Ob sie jetzt seit Jahren schon in Berlin wohnen oder frisch nach Berlin kommen, ist egal. Was wir uns als Gemeinsamkeit teilen, ist, dass man fremd in dem Land ist und Fuß fassen möchte.
Das habe ich zweimal am eigenen Leib erlebt und weiß daher, was meine Kunden erwarten. Beim Verkauf hochwertiger Immobilien profitiere ich von meinem Knowhow und Netzwerk basierend auf meinen langjährigen Erfahrungen im Ausland.
Das klingt nach mehr als nur Immobilien verkaufen.
Vordergründig bin ich Makler, aber der Begriff Immobilien-Concierge umschreibt es vielleicht noch besser, denn mein Job geht weit über das Makeln hinaus. Ich versuche den Kunden von A bis Z zu betreuen, beim Verkauf und immer öfter auch beim Erwerb. Man muss den Lifestyle verstehen und zu einem gewissen Teil selbst leben, um die Bedürfnisse der Kunden zu verstehen.
Wie sieht so der Querschnitt deiner Kund:innen aus?
80 Prozent meiner Kunden haben diesen ausländischen Background. Typische Expats. Der Großteil der Gruppe kommt mittlerweile auch aus der Tech- beziehungsweise Startup-Szene. Für mich ist das super interessant, weil wir uns über ihren Lifestyle, ihre Vorlieben und ihre Investments unterhalten.
Also ein richtiges Peoples-Business.
Immobilien war, ist und wird immer ein Peoples-Business bleiben. Diese ganze Diskussion um Proptech und Fintech: Ja, das hat für Disruption gesorgt. Das wird das Business verändern, wird aber nie das Peoples-Business aus der Welt schaffen.
Der Markt ist angespannt. Warum sollte man sich jetzt eine Wohnung kaufen?
Wir hören in der Presse von diesem lang erwarteten Preisverfall. Man muss es jedoch differenziert betrachten. Ja, wir erleben Preisrückgänge. Im Jahr 2023 erwartet man zehn Prozent im Durchschnitt. Aber die größten Preisnachlässe werden bei Objekten erzielt, die im Vorfeld schon sehr opportunistisch ausgepreist wurden, da die Preise zu Hochzeiten erzielt wurden.
Man hört immer wieder von Investor:innen, dass die Berliner Politik nicht sehr investmentfreundlich sei.
Manchmal scheint es einem, als ob das Verprellen der Investoren in der DNA der deutschen Politik liegt. Deutschland ist eben eine Demokratie, in der alle Leute gehört werden müssen. Besonders hinderlich in der Planung größerer Projekte, egal, ob öffentlich oder privater Natur. Aber es führt auch zu einer Fiskalpolitik, die gegenüber dem Ausland als behindernd angesehen wird.
Stichwort: Steuererklärung oder auch Venture-Capitals. Ich bin schon froh, wenn die Bundesregierung darüber nachdenkt VC-Pötte aufzusetzen oder das Steuer- und Investitionsrecht vereinfachen zu wollen. Von diesen Investitionshemmnissen wird mir auch immer wieder von meinen Kunden berichtet.

Was sind die größten Unterschiede zwischen dem deutschen, schweizerischen und amerikanischen Markt?
Neben den rechtlichen Unterschieden hat jeder Markt seine Vor- und Nachteile. In den USA ist der Markt volatiler, was als Nachteil gegenüber Deutschland gesehen werden kann. Je nachdem, aus welcher Perspektive man am Markt teilnimmt. Als Investor könnte das ein Vorteil sein, um in einen schwachen Markt einzusteigen.
In den USA ist die Gefahr einer Immobilienblase deutlich höher als in Deutschland. Generell ist die politische und wirtschaftliche Stabilität in Deutschland ein großer Vorteil. Die Schweiz ist sehr teuer. Dafür gibt es dort Vorteile wie das Bankengeheimnis, was aber auch immer mehr aufweicht.
Zu der Zeit als ich aus der Schweiz weg bin, wurde auch in vielen Kantonen die Pauschalbesteuerung abgeschafft. Das war jahrelang ein wirkliches Argument, warum sehr viele Vermögende in die Schweiz gegangen sind. Im Gegensatz zu Deutschland geht die Schweiz deutlich smarter mit ihrer vermögenden Elite um.