style & design · Affären im Büro

Büro-Romanzen: Verboten oder unvermeidlich? Die Wahrheit über Liebe am Arbeitsplatz!

Liebe im Büro kann problematisch sein
Shutterstock
Erschienen
Lesezeit4 Min · 759 Wörter

Büro-Romanzen sind ein heikles Thema. Trotz strenger Regeln und prominenter Rücktritte sind sie alltäglich. Was bedeutet das für die Zukunft der Liebe im Büro?

Romantische Beziehungen am Arbeitsplatz sind ein heißes Eisen. Immer wieder sorgen Affären von Führungskräften für Schlagzeilen und Rücktritte. Doch wie gefährlich sind solche Romanzen wirklich und sind sie noch zeitgemäßt? Ist Verlieben im Büro bald Geschichte?

Affären und ihre Folgen

Prominente Beispiele gibt es immer wieder: Bernard Looney, der ehemalige BP-Konzernchef, musste im September dran glauben und seinen Rücktritt ankündigen. Der Grund: „zwischenmenschliches Fehlverhalten am Arbeitsplatz“. Looney hatte mehrere Beziehungen mit Angestellten verschwiegen, was letztlich das Vertrauen in ihn zerstörte. Und er ist nicht der Einzige: Jeff Zucker von CNN und Steve Easterbrook von McDonald’s traten ebenfalls wegen nicht offengelegter Beziehungen zurück.

Liebe im Büro: Alltag oder Ausnahme?

Trotz dieser prominenten Beispiele bleibt das Büro ein Ort, an dem sich viele Paare finden. „Dass Paare sich am Arbeitsplatz kennenlernen, wird es immer geben“, sagt Susanne Achermann, HR-Beraterin und Arbeitsrichterin gegenüber der „Neuen Zürcher Zeitung“. Eine Studie des Unternehmens Viking und des Meinungsforschungsinstituts OnePoll ergab, dass 42 % der deutschen Teilnehmer bereits mit einem Kollegen ausgegangen sind, 32 Prozent haben sogar schon mal mit einem Kollegen oder einer Kollegin rumgeknutscht.

Strenge Regeln in den USA

In den USA gibt es oft strenge Regelungen für Beziehungen unter Kollegen. Diese gehen sogar oft so weit, dass die Paare einen „Liebesvertrag“ abschließen müssen. Dieses Phänomen der heimlichen Liebe am Arbeitsplatz entspringt also nicht unbedingt nur Hollywood.

Bekannte Firmen wie Google und Facebook erlauben es Angestellten nur einmal, einen Kollegen um eine Verabredung zu bitten. Eine Absage, auch indirekt, gilt als endgültig, wie damals verschiedene Medien berichteten. Susanne Achermann sieht solche Regelungen kritisch: „Es ist im Grunde wie mit Kindern – wenn man zu viele Regeln und Verbote hat, weiß am Ende niemand mehr, was gilt.“ Die Umsetzung solcher Regeln ist oft schwierig, wie das Beispiel einer ehemaligen Google-Mitarbeiterin zeigt, die unfreiwillig auf Dates ging, weil sie harmlose Treffen missverstand.

Firmenkultur statt strenger Regeln

Achermann spricht sich für eine Firmenkultur, in der Mitarbeiter Ansprechpartner haben, wenn sie sich unwohl fühlen, aus. „Wenn man ein Problem mit sich herumträgt oder etwas geheim halten muss, kann das auf Dauer krank machen.“ Dennoch sind natürlich nicht alle Konstellationen unproblematisch.

Zwei verliebte Kollegen am Arbeitsplatz sind nicht unbedingt immer ungewöhnlich, eine Affäre zwischen Vorgesetzten und Untergebenen schon. In einer Studie des Datingportals Ashley Madison gaben 17 Prozent an, ein sexuelles Verhältnis mit dem oder der Vorgesetzten gehabt zu haben.

Compliance und Eigenverantwortung

Sogenannte Compliance-Regeln, die sich auf die Einhaltung von Gesetzen, Vorschriften und ethischen Standards der Unternehmen beziehen, beinhalten in Amerika schon lange auch Beziehungsregeln.

Führungskräfte müssen laut Achermann Interessenkonflikte erkennen und offenlegen. Sie zieht einen Vergleich: „Vor Gericht wird stets gefragt, ob ein Richter in persönlicher Beziehung etwa zu dem Angeklagten oder dem Verteidiger steht. Wenn das so ist, muss er von dem Fall zurücktreten.“

Auswirkungen auf das Arbeitsklima

Beziehungen am Arbeitsplatz können das Arbeitsklima beeinflussen. „Wenn etwa der CEO mit jemandem aus dem Rechtsdienst ein Verhältnis hat, kann sich das nicht nur auf den Informationsfluss, sondern auch auf die Atmosphäre in Sitzungen und an Events auswirken.“ Auch wenn eine Beziehung endet oder einer der Partner befördert wird, kann das zu Spannungen führen.

Praktische Lösungen und Ombudsstellen

Susanne Achermann rät, in solchen Fällen mit den Personalverantwortlichen nach Lösungen zu suchen. Ein Wechsel in einen anderen Unternehmensbereich oder zu einer Partnerorganisation kann Druck nehmen. Wichtig ist, dass es in Unternehmen Ombudsstellen, also eine Beschwerde- oder Schlichtungsstelle, gibt, an die sich Mitarbeitende im Vertrauen wenden können.

Machtgefälle und Sorgfaltspflicht

Ein großes Problem ist das Machtgefälle in Beziehungen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen. „Wenn das Machtgefälle groß ist und direkter Druck aufgebaut werden kann, wenn eine Person durch die Abhängigkeit in Nöte kommen könnte, dann wird es wirklich schwierig.“ Gerade Führungspersonen sollten hier Vorsicht walten lassen. Sollten diese ihre Sorgfaltspflicht nicht mehr nachkommen, ist es besser, in den Ausstand zu treten oder eine Versetzung zu veranlassen, so Achermann.

Interessenkonflikte, Machtgefälle und Führungsverantwortung: Wer eine große Karriere anstrebt, sollte sich gut überlegen, mit wem er ausgeht. Doch dass Arbeitskollegen sich beim Feierabendbier tief in die Augen schauen oder an der Kaffeemaschine flirten, wird sich trotz aller Compliance-Regeln nicht vermeiden lassen.

Portrait Business Punk Redaktion

Business Punk Redaktion

Hier schreibt die Business-Punk-Redaktion. Mal er, mal sie, mal gar keiner. Ach und kauft unser Heft! Danke.