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Bürokratiefilter: Wie ein neues Tool Gesetzgebung revolutionieren soll

Ein Bürokratiefilter soll die Gesetzgebung vereinfachen
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Ein digitaler Filter, der unnötige Bürokratie schon vor der Entstehung aussiebt – dieses Konzept könnte die Gesetzgebung in Deutschland grundlegend verändern und Unternehmen endlich von überflüssigen Regulierungen befreien.

Bürokratieabbau in Deutschland gleicht einem Déjà-vu: Regelmäßig werden neue Initiativen angekündigt, die letztlich kaum Wirkung zeigen. Eine aktuelle Studie der Stiftung Familienunternehmen schlägt nun einen radikalen Systemwechsel vor. Statt nachträglicher Korrekturen soll ein präventiver „Bürokratiefilter“ dafür sorgen, dass Gesetze von Anfang an praxistauglich gestaltet werden. Das Konzept stammt von Prof. Winfried Kluth von der Universität Halle/Wittenberg und könnte die Weichen für eine neue Ära der Gesetzgebung stellen.

Vom Verhinderer zum Ermöglicher

Der Grundgedanke des Bürokratiefilters ist ebenso simpel wie revolutionär: Wer Gesetze mit Auswirkungen auf Unternehmen erlassen will, muss künftig nicht nur gute Gründe dafür liefern, sondern auch die praktischen Konsequenzen für die Wirtschaft von Beginn an berücksichtigen.

„Eine wirksame Steuerung durch den Gesetzgeber muss notwendig mit seiner Selbstbeschränkung verbunden sein, damit die knappen Ressourcen der Wirtschaft und Gesellschaft für Entwicklung und Innovation genutzt werden können und nicht durch unangemessene Bürokratie belastet und erschwert werden“, erklärt Professor Kluth in der Studie.

Das Verfahren sieht vor, dass bereits bestehende Regulierungslasten in die Bewertung neuer Gesetze einfließen. Kluth empfiehlt, diesen Mechanismus im Koalitionsvertrag zu verankern und die Steuerung beim Bundeskanzleramt anzusiedeln – ein klares Signal für die Priorität des Themas.

Kulturwandel in der Gesetzgebung

Die Vision geht weit über technische Verfahrensänderungen hinaus. Die Studie fordert einen fundamentalen Kulturwandel in der Gesetzgebung. Künftige Ministerialbeamte und Parlamentarier sollen bereits im Jurastudium lernen, wie man bürokratiearme Gesetze konzipiert. Perfektionismus und übertriebenes Streben nach Einzelfallgerechtigkeit sollen einer pragmatischeren Herangehensweise weichen.

Professor Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, sieht darin einen notwendigen Paradigmenwechsel: „Die Wirtschaftspolitik kannte jahrelang nur Steuerung, Bürokratie und Misstrauen gegenüber dem Unternehmertum. Die kommende Regierung muss die Weichen neu stellen: mehr Eigenverantwortung zulassen, zur Ordnungspolitik zurückkehren – mit schlanken und gut gemachten Gesetzen. Nur dann werden Familienunternehmen verstärkt auch wieder in Deutschland und Europa investieren.“

Befähigung statt Einengung

Der Bürokratiefilter basiert auf einem grundlegend neuen Verständnis der Rolle des Staates. Unternehmen sollen nicht durch staatliche Macht eingeengt, sondern zu Innovation und Transformation befähigt werden. Dies sei entscheidend, um Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu sichern.

Die Studie fordert die Bundesregierung auf, einen ressortübergreifenden Leitfaden zu entwickeln, der Erfüllungslasten systematisch prüft und Alternativen aufzeigt. Damit würde ein Instrument geschaffen, das Gesetzesentwürfe auf ihre Praxistauglichkeit filtert, bevor sie überhaupt in Kraft treten können.

Mehr als nur ein weiteres Reformversprechen

Der Bürokratiefilter könnte ein Game-Changer im Kampf gegen überbordende Regulierung werden. Anders als bisherige Initiativen setzt er nicht bei der Symptombekämpfung an, sondern bei der Ursache: dem Gesetzgebungsprozess selbst. Die Umsetzung erfordert jedoch mehr als nur technische Änderungen – sie verlangt ein grundsätzliches Umdenken in der politischen Kultur.

Entscheidend wird sein, ob die kommende Regierung den Mut aufbringt, diesen Systemwechsel tatsächlich zu vollziehen. Die Stiftung Familienunternehmen, die von über 600 Firmen getragen wird, setzt sich mit Nachdruck für diese Transformation ein. Gelingt der Wandel, könnte Deutschland einen entscheidenden Standortvorteil gewinnen: Eine Gesetzgebung, die Unternehmen nicht ausbremst, sondern ihnen Raum für Innovation und Wachstum verschafft.

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