work wise · Bundeswehr Reservisten

Bundeswehr-Reservisten: Das verdient man im lukrativen Nebenjob in Uniform

Die Bundesregierung plant mit mehr Reservisten als früher.
Shutterstock Die Bundesregierung plant mit mehr Reservisten als früher.
Erschienen
Lesezeit4 Min · 766 Wörter

Die Bundeswehr wirbt um Reservisten mit attraktiven Vergütungsmodellen. Bis zu 10.600 Euro für 35 Tage Dienst sind möglich – und die Regierung verhandelt mit Unternehmen über bessere Freistellungsmöglichkeiten.

Heute steht im Zentrum der Kabinettssitzung im Verteidigungsministerium die Wehrdienst-Wende: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) präsentiert den Gesetzentwurf für den neuen Wehrdienst, dessen Kabinettsbeschluss im Laufe des Tages erwartet wird. Danach sollen ab 1. Januar 2026 alle 18-jährigen Männer einen Fragebogen beantworten und ab 1. Juli 2027 verpflichtend gemustert werden – Frauen bleiben freiwillig dabei

Die Bundeswehr bleibt damit einer der lukrativsten Nebenjob-Anbieter. Während viele Unternehmen mit Fachkräftemangel kämpfen, lockt die Truppe mit steuerfreien Prämien und vollständigem Verdienstausfall-Ausgleich.

Für Spezialisten wie Testflugingenieure oder IT-Experten öffnet sich ein paralleles Karrierefeld mit flexiblen Einsatzzeiten und attraktiver Vergütung. Die Bundesregierung verhandelt aktuell mit der Wirtschaft über verbesserte Freistellungsmodelle für Reservisten.

Gehaltspakete mit Überraschungspotenzial

Die finanziellen Anreize für Reservistendienste wurden deutlich aufgestockt. Laut „bundeswehrkarriere.de“ kann ein 30-jähriger Hauptmann mit Familie für 35 Tage Reservistendienst bis zu 10.631,85 Euro erhalten. Diese Summe setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen: Neben der Erstattung des Nettoverdienstausfalls von bis zu 8.500 Euro kommen steuerfreie Prämien und Zuschläge hinzu.

Selbst ohne Verdienstausfall greift eine Mindestleistung, die bei diesem Beispiel immerhin 6.559,70 Euro beträgt. Auch für jüngere Reservisten ohne Führungsverantwortung sind die Bezüge attraktiv. Ein 23-jähriger Stabsunteroffizier erhält für zwei Wochen Dienst mindestens 1.476,09 Euro. Bei einem Verdienstausfall von 1.500 Euro steigt die Gesamtvergütung auf 1.828,30 Euro – ein Plus von über 20 Prozent.

Wirtschaftspolitischer Balanceakt

Die Bundesregierung steht vor einem Dilemma: Einerseits benötigt die Bundeswehr dringend qualifizierte Reservisten, andererseits können sich viele Unternehmen längere Ausfallzeiten ihrer Fachkräfte kaum leisten. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, laufen derzeit Gespräche zwischen Verteidigungsministerium und Wirtschaftsverbänden über neue Freistellungsmodelle.

Besonders der Mittelstand zeigt sich skeptisch. Die Kompensation des Verdienstausfalls deckt zwar die Personalkosten, nicht aber die betrieblichen Folgekosten durch fehlende Spezialisten. Für große Konzerne mit redundanten Personalstrukturen ist die Freistellung einfacher umzusetzen als für kleine und mittlere Unternehmen.

Zusatzleistungen als Attraktivitätsbooster

Das Vergütungspaket geht über die reinen Geldleistungen hinaus. Reservisten erhalten laut Bundeswehr zusätzlich eine kostenlose truppenärztliche Versorgung während des Dienstes. Außerdem werden Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung übernommen, was die Gesamtattraktivität weiter steigert.

Für längere Dienste ab dem 15. Tag gibt es Zuschläge von 70 Euro täglich – bei einem 28-tägigen Einsatz summiert sich das auf zusätzliche 700 Euro. Wer eine Verpflichtungsvereinbarung unterzeichnet, erhält weitere 35 Euro pro Tag. Diese Prämien sind steuerfrei, was den Nettowert nochmals erhöht.

Business Punk Check

Die Bundeswehr als Karriere-Booster? Funktioniert, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Die Vergütungsmodelle sind tatsächlich attraktiv – besonders für Selbstständige mit schwankender Auftragslage oder Angestellte in Unternehmen mit Freistellungsbereitschaft.

Der wahre Knackpunkt liegt jedoch nicht beim Geld, sondern bei der betrieblichen Realität: Ohne gesetzliche Verpflichtung werden viele Arbeitgeber die Freistellung verweigern oder subtil bestrafen. Die Verhandlungen zwischen Regierung und Wirtschaft dürften an diesem Punkt hart werden. Für Arbeitnehmer bedeutet das: Wer Reservistendienst leisten will, sollte dies bereits beim Jobantritt transparent kommunizieren – oder sich auf unangenehme Gespräche einstellen. Für Unternehmen könnte die Unterstützung von Reservisten dagegen zum Recruiting-Argument werden.

Häufig gestellte Fragen

  • Wie realistisch ist die Freistellung für Reservistendienste in mittelständischen Unternehmen?
    Die Freistellung bleibt trotz attraktiver Vergütung eine Herausforderung. Mittelständler sollten frühzeitig Vertretungsregelungen etablieren und die Freistellung vertraglich regeln. Alternativ bieten sich Modelle mit kürzeren, dafür häufigeren Einsätzen an, die betriebliche Abläufe weniger belasten.
  • Lohnt sich der Reservistendienst finanziell wirklich für Gutverdiener?
    Ja, aber mit Einschränkungen. Die Verdienstausfallerstattung ist auf maximal 301 Euro pro Tag begrenzt. Für Topverdiener bedeutet das finanzielle Einbußen. Allerdings sind die Prämien und Zuschläge steuerfrei, was den Nettoverlust reduziert. Zudem bietet der Dienst Netzwerk- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die langfristig karrierefördernd wirken können.
  • Welche Branchen profitieren besonders von reservistenfreundlichen Regelungen?
    IT-Unternehmen, Ingenieurdienstleister und Beratungsfirmen können durch strategische Personalplanung sogar Wettbewerbsvorteile erzielen. Sie können Bundeswehr-Aufträge leichter akquirieren und von den während des Reservistendienstes erworbenen Spezialkenntnissen ihrer Mitarbeiter profitieren. Besonders im Cybersecurity-Bereich entstehen wertvolle Synergien.
  • Wie können Unternehmen die Reservistentätigkeit ihrer Mitarbeiter als Vorteil nutzen?
    Durch kluge Kommunikation lässt sich das gesellschaftliche Engagement als Teil der Corporate Social Responsibility vermarkten. Zudem können die bei der Bundeswehr erworbenen Führungs- und Krisenmanagement-Kompetenzen gezielt im Unternehmen eingesetzt werden. Einige Firmen entwickeln bereits spezielle Karrierepfade für Reservisten mit besonderen Qualifikationen.

Quellen: „bundeswehrkarriere.de“, „Handelsblatt“

Portrait Business Punk Redaktion

Business Punk Redaktion

Hier schreibt die Business-Punk-Redaktion. Mal er, mal sie, mal gar keiner. Ach und kauft unser Heft! Danke.