gesundheit! · work wise

Burger aus Insekten: Dieses Startup möchte eure Ernährung revolutionieren

Burger aus Insekten: Dieses Startup möchte eure Ernährung revolutionieren
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit6 Min · 1.133 Wörter

Vorträge auf der „Global Food Summit“, Dreharbeiten mit „Arte“ – alle wollen mit „Bugfoundation“ über die Zukunft unserer Ernährung sprechen. Das Unternehmen, das Burger aus Mehlwürmern herstellt, ist gerade sehr gefragt: Ab dem 1. Januar 2018 tritt eine neue EU-Verordnung in Kraft, die Insekten als Nahrungsmittel einstuft. Bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kann dann ein Antrag auf Unbedenklichkeit eingereicht werden. Billigt EFSA den Antrag, können die Insektenprodukte auf dem europäischen Markt verkauft werden.

Bisher verkaufte das Startup seine Produkte in die Niederlande und Belgien. Jetzt also bald in Deutschland. Wir sprachen mit Baris Özel, einem der Gründer von „Bugfoundation“, über sein erstes Mal, als er Insekten in den Mund nahm, über Vorurteile gegenüber neuartigen Lebensmitteln und seine Erwartungen an das Geschäftsjahr 2018.

Baris, Burgerläden gibt es in Großstädten wie Sand am Meer. Alternative Burgerketten eröffnen in jedem Kiez. In naher Zukunft könnte eine ganz neue Sparte dazu kommen: Fastfood-Läden, die Burger aus Insekten anbieten. Warum sollten wir auf Insektenburger umsteigen?

Baris: Am wichtigsten ist der Geschmack. Es gibt etwa 2.000 Arten von Insekten, die man potentiell essen kann. Viele schmecken hervorragend, zum Teil nach Hähnchen, manche nach Bacon, sogar nach Minze. Auf der einen Seite stellt der Bux Burger eine Bereicherung für die geschmackliche Vielfalt jedes Burger Ladens und Haushalts dar und zum anderen sprechen ökologische und gesundheitliche Faktoren von Lebensmitteln aus Insekten bereits für sich.

Insektennahrungsmittel unterscheiden sich aber nicht nur im Geschmack von anderen Produkten. Sind diese nicht auch nahrhafter, gesünder als andere Lebensmittel?

Es ist belegt, dass sie reich an wichtigen Spurenelementen so wie Eisen, Zink und B-Vitaminen sind. Außerdem beinhalten Insekten deutlich mehr zu bevorzugende Fettsäuren im Vergleich zu konventionellem Fleisch. Insekten bieten eine gesunde Proteinquelle, die auch für eine große Menge an Menschen nachhaltig zur Verfügung gestellt werden kann.

Und wohl auch einfacher herzustellen sind als etwa Fleischprodukte? 

Genau. Die Insekten werden zurzeit in Boxen gezüchtet, die vergleichbar sind mit ihrem natürlichen Habitat. Die Thematik der Massentierhaltung diskutieren gerade wir in der Bugfoundation sehr stark. In Bezug auf Insekten ist die Zucht in der Masse unserer Meinung nach ethisch vertretbar, zumal Insekten in der Natur genauso zusammenleben. Positiv ist auch, dass sie nach wenigen Wochen bereits ausgewachsen sind, was Flexibilität für die Züchter bedeutet. Diese geht mit einer hohen Reaktionsfähigkeit einher, falls Marktveränderungen eintreten sollten, was bewirkt, dass eine Überproduktion vermieden werden kann.

Bei Insekten als Nahrungsmittel denken viele: Irgendwie eklig, irgendwie Essen für Arme. Wie reagieren denn Menschen in deinem Umkreis darauf, wenn du ihnen erzählst, dass dein Unternehmen Burger aus Mehlwürmern herstellt? 

Ja, viele Leute verbinden Insekten als Nahrungsmittel mit Unreinheit. Als wir 2014 richtig angefangen haben, meinten viele Freunde, ihr seid verrückt. Wir haben aber an unserer Idee festgehalten. Mittlerweile ist der Großteil neugierig auf das Produkt und man ist primär überrascht, dass der Burger ganz normal aussieht – dass man keine Insekten sieht. Spätestens der Geruch überzeugt. Dann ist sind die Fragen “Darf ich mal probieren?“ und anschließend „Darf ich noch ein Stück nehmen?“ gar nicht mehr weit.

 

Bugfoundation
Duo Infernale: Die beiden Gründer von “Bugfoundation“ Baris Özel, links, 30 Jahre, und Max Krämer, 31 Jahre.

Wann war denn dein erstes Mal als du Insekten verzehrt hast?  

Das war 2011. Mein Mitgründer Max Krämer und ich waren damals auf einer Weltreise. Irgendwann sind wir auch in Südostasien gelandet und haben dort zum ersten Mal Insekten probiert. Das war ziemlich lecker. Nachdem Max sich auch noch wissenschaftlich mit der Thematik befasst hat, war klar: wir tragen das in die Welt. Seitdem hat uns der Gedanke nicht mehr losgelassen.

 

Zum 1. Januar tritt die neue EU-Verordnung in Kraft, die Insekten zum ersten Mal als neuartige Lebensmittel einstuft. Was bedeutet diese Neuregelung konkret für euer Business? 

Wir werden Insekten endlich auf dem deutschen Markt anbieten dürfen. Das ist das, worauf wir seit Gründung der Bugfoundation hingearbeitet haben. Ob das letztendlich am 1.Januar oder 1.März der Fall sein wird, können wir noch nicht konkret sagen. Unser Züchter reicht das Dossier bei der EU ein, um die Unbedenklichkeit von Insekten nachzuweisen. Dann dauert es eine Weile bis die EU das alles geprüft hat. Eine sog. „Transition Period“ ermöglicht aber, dass Unternehmen, die schon legal auf dem Markt waren, weiterhin auf dem Markt bleiben dürfen.

Sind wir in Deutschland überhaupt schon dafür bereit, Insekten als Nahrungsmittel anderen vorzuziehen? 

Es wird langsam losgehen. Aber grundsätzlich sind auch die Deutschen dafür bereit. Das sehen wir an den vielen Anfragen, die wir jeden Tag bekommen. Auch beim Handel ist das Interesse groß. Ein klares Zeichen dafür, dass der Markt bereit ist.

Priorität hat, dass man Produkte schafft, die gut schmecken und gleichzeitig optisch nicht abschrecken. Tatsächliche Innovationen hatte man in Deutschland in der Lebensmittelindustrie lange nicht. Ich denke, Insekten bringen zu viele Vorteile mit sich, als dass man einfach so an ihnen vorbeikommen wird.

Werden wir in Zukunft uns alle nur noch von Insekten ernähren? 

Das hoffe ich nicht. Die Bugfoundation steht für Vielfalt. Wir wollen niemandem vorschreiben, ob er Insekten essen soll und schon gar nicht, das nur noch ausschließlich zu tun. Grundsätzlich ist keine einseitige Ernährungsweise zu empfehlen. Unser Ziel ist es vielmehr, eine neue Sparte aufzumachen. Eine Ergänzung zur bisherigen Ernährung zu bieten und gleichzeitig aufzuklären.

Sind denn Insekten-Startups das nächste große Ding? 

Food-Start-Ups sind auf jeden Fall die Laboratorien der Lebensmittelindustrie. Das steht fest. Insofern sind sie generell unglaublich gefragt. Ob Insekten DAS nächste große Ding werden, können wir nicht sagen – wir sind ja keine Hellseher. Mit unseren wirklich schmackhaften Burgern sehen wir aber definitiv das Potential im Mainstream anzukommen.

Sind da andere Länder schon weiter?

In den USA sind sie, wie so oft, schon weiter. Dort gibt es viele Zuchtfarmen. Der einzige Unterschied ist, dass in den USA hauptsächlich Heuschrecken und Grillen gezüchtet werden. In den USA gibt es schon viele Unternehmen, die zum Beispiel Chips, Kekse, Bolognese aus Insekten herstellen. Da ist man auf jeden Fall schon breiter aufgestellt.
Insbesondere in der Gesetzgebung sind aber auch europäische Länder wie die Niederlande oder Belgien schon wesentlich weiter. Während in Deutschland noch über die Zulassungsmodalitäten gestritten wird, sind insektenbasierte Produkte dort schon seit Jahren zugelassen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

In unserer Ausgabe 06/2017 ist Baris Özel auch Teil unserer Watchlist 2018. Darin porträtieren wir 100 Gründer, Macher, Kreative, von denen wir im kommenden Jahr noch hören werden. Mehr Infos gibt es hier.

 

Portrait René Krempin

René Krempin

René Krempin ist freier Autor und schreibt für Business Punk Texte und Reportagen zu den Themen Sport, Entertainment und Wirtschaft. Mit großem Interesse verfolgt er außerdem auch die Entwicklungen in der eSports-Szene. In seiner Freizeit ist er aber auch gerne analog unterwegs: mit Freunden auf dem Bolzplatz.