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Burnout ist Mainstream – und jetzt?

Warnsignale, um einen Burnout zu vermeiden
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Lesezeit4 Min · 732 Wörter

Alle reden vom Ausbrennen, keiner vom Danach. Während Burnout zum Statussymbol mutiert, formiert sich im Hintergrund eine Post-Burnout-Bewegung, die mehr will als Yoga-Kurse und Sabbaticals. Zeit für einen Reality-Check.

Post-Burnout-Gesellschaft: Was kommt nach dem Ausstieg?

Jeder zweite LinkedIn-Post schreit es mittlerweile heraus: »Ich hatte Burnout.« Das Ausgebranntsein ist so normal geworden wie der Morning Latte to go. Karrieristen schieben es sich wie einen Orden an die Brust – ausgebrannt zu sein war noch nie so angesagt. Aber was kommt eigentlich danach? Wenn alle ihre Seelen-Batterien wieder aufgeladen haben und die Ausreden aufgebraucht sind? Willkommen in der Post-Burnout-Gesellschaft, dem nächsten Buzzword, das durch eure Meetingräume geistern wird.

Die Burnout-Demokratisierung

Burnout ist längst nicht mehr nur die Goldmedaille im Hamsterrad der Top-Manager und Silicon-Valley-Typen. Laut einer Studie der DAK fühlten sich 2023 bereits 77 Prozent der Arbeitnehmer emotional erschöpft. Mittlerweile kann jeder Praktikant einen haben, jede Mutti und sogar dein Hund – Hauptsache, man kann es auf Instagram teilen.

Prof. Dr. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) bringt es im Report auf den Punkt: „Wir haben den Burnout demokratisiert. Was als elitäres Syndrom begann, ist zum Massenphänomen geworden, das quer durch alle Branchen und Altersgruppen geht.“

Moment mal: Wenn alle im Burnout sind, wer macht dann eigentlich noch die Arbeit?

Nach dem Burnout ist vor dem Burnout

Die große Ernüchterung kommt, wenn der Therapeut dich zurück ins Leben entlässt. Der Post-Burnout-Blues heißt: Du gehst zurück in denselben Job, dieselbe toxische Beziehung oder dieselbe Überforderung – nur jetzt mit Achtsamkeits-App und Meditation. Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts erleiden 30 Prozent der Burnout-Patienten innerhalb von zwei Jahren einen Rückfall.

„Die unangenehme Wahrheit ist, dass viele Unternehmen Mitarbeiter nach dem Burnout mit offenen Armen empfangen – und sie dann genau so weitermachen lassen wie vorher“, erklärt Psychotherapeutin Dr. Maria Weber im Rahmen dieser Studie. „Es ist wie bei einem kaputten Reifen: Wir pumpen Luft rein, aber flicken nicht das Loch.“

Die Post-Burnout-Revolution

Doch es gibt auch jene, die den Absprung wirklich schaffen. Die Hardcore-Post-Burnout-Fraktion, die nicht nur theatralisch zusammenbricht, sondern tatsächlich Konsequenzen zieht. Hier sind die drei wichtigsten Trends der Post-Burnout-Gesellschaft:

  1. Die Grenzsetzer: Eine neue Spezies von Arbeitnehmern, die „Nein“ sagen können, ohne Schweißausbrüche zu bekommen. Laut einer Studie der Boston Consulting Group geben 60 Prozent der Millennials an, nach einem Burnout klare Grenzen bei der Arbeit zu ziehen – selbst auf Kosten der Karriere.
  2. Die Sinn-Junkies: Nach dem Burnout wollen viele nicht mehr nur Geld scheffeln, sondern „etwas Sinnvolles“ tun. Der Run auf NGOs, soziale Startups und Purpose-Unternehmen ist so groß, dass dort mittlerweile die nächste Burnout-Welle droht. Die Ironie ist kaum zu übersehen.
  3. Die System-Hacker: Die radikalste Fraktion hat verstanden, dass es nicht nur am Individuum liegt. Sie gründen 4-Tage-Woche-Startups, experimentieren mit bedingungslosem Grundeinkommen oder steigen ganz aus dem System aus. Und plötzlich sitzen ehemalige Investment-Banker in portugiesischen Surfcamps und erklären auf YouTube, wie man mit 2 Stunden Arbeit pro Tag überleben kann.

Was Unternehmen tun müssen – wirklich

Die meisten Unternehmen haben noch nicht verstanden, dass Obstkorb, Yoga-Kurs und Mental-Health-Day etwa so wirksam gegen Burnout sind wie ein Pflaster auf einem Beinbruch. Echte Post-Burnout-Unternehmen brauchen radikalere Ansätze:

„Unternehmen müssen aufhören, Mitarbeiter zu behandeln wie Smartphone-Akkus, die man einfach ab und zu aufladen kann“, sagt Arbeitsforscherin Prof. Sarah König in der Studie. „Was wir brauchen, sind grundlegend andere Arbeitsmodelle, bei denen Leistung nicht mehr über Anwesenheit und Verfügbarkeit definiert wird.“

Die schwedische Firma Epicenter zeigt, wie’s geht: Nach einer Burnout-Welle in der Führungsebene hat das Unternehmen 2023 die Arbeitszeit auf 30 Stunden reduziert – bei gleichem Gehalt. Das Ergebnis: Die Produktivität stieg um 18 Prozent, die Krankheitstage sanken um 31 Prozent.

Das Ende der Burnout-Ära?

Die Frage ist: Werden wir es schaffen, den Teufelskreis zu durchbrechen, oder bleibt Burnout das ewige Karussell für Privilegierte, die es sich leisten können, zusammenzubrechen?

Die Post-Burnout-Gesellschaft könnte der Beginn einer echten Revolution sein – oder nur das nächste Kapitel in unserem großen Selbstoptimierungswahn. Vielleicht ist es an der Zeit, nicht nur zu fragen, wie wir Burnout überwinden, sondern was danach kommen soll.

Denn eins ist klar: Wir können nicht alle gleichzeitig im Sabbatical sein.

Quellen:
DAK-Gesundheitsreport: „Burnout und psychische Belastung am Arbeitsplatz“,

Boston Consulting Group: „The Future of Work After Burnout“
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation: „Langzeitstudie zu Burnout-Verläufen 2018-2023“

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