Business & Beyond 17 Cent versprochen, 13 Cent geliefert: Darum verpufft der Tankrabatt

17 Cent versprochen, 13 Cent geliefert: Darum verpufft der Tankrabatt

Die Politik senkt die Steuer um 17 Cent — an der Zapfsäule kommen nur 13 Cent an. Schuld ist eine absurde Regel, die den Konzernen täglich eine legale Preiserhöhung erlaubt. Der ADAC tobt.

Die Rechnung klingt simpel: Staat senkt Energiesteuer um 16,7 Cent pro Liter, Autofahrer zahlen entsprechend weniger. Dumm nur, dass die Mineralölkonzerne offenbar anders rechnen können. Laut heise lagen die Durchschnittspreise am ersten Wochenende nach Inkrafttreten des Tankrabatts bei Super E10 nur 12,3 Cent unter dem Niveau vom 30. April — beim Diesel waren es magere 12,2 Cent Ersparnis.

Und dann stiegen die Preise prompt wieder. Damit geht die Entwicklung erneut in eine falsche Richtung, wettert der ADAC. Besonders pikant: Gleichzeitig sind die Rohölpreise gesunken. Die Verbraucher zahlen also doppelt drauf — einmal durch die nicht vollständig weitergegebene Steuersenkung, einmal durch die günstigeren Einkaufspreise der Konzerne, die nicht an der Zapfsäule ankommen.

Die 12-Uhr-Regel als Profit-Maschine

Das perfide Instrument für diese Abzocke heißt 12-Uhr-Regel. Was ursprünglich Preistransparenz schaffen sollte, mutierte zum Goldesel der Branche: Einmal täglich dürfen Tankstellen die Preise anheben — und nutzen diese Option gnadenlos aus. Am Samstagmorgen wurde bereits kräftig erhöht, berichtet heise. Am Sonntagmorgen um 8 Uhr lagen die Preise wieder höher als am Vortag zur selben Zeit. Die Folge: Was die Politik mühsam an Entlastung beschließt, fressen die Konzerne durch systematische Preiserhöhungen wieder auf.

Der ADAC hatte bereits vor der Steuersenkung vor genau diesem Szenario gewarnt — gemeinsam mit der Verbraucherzentrale und Wirtschaftsforschern. Seit Einführung der 12-Uhr-Regel steigen die Preise kontinuierlich. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, findet klare Worte: „Die Steuersenkung soll Verbraucher und die Wirtschaft entlasten. Die Konzerne sind allenfalls Treuhänder der Entlastung. Sie ist nicht für sie bestimmt“, so Mundt laut WirtschaftsWoche. Sie müsse bei den Kunden ankommen, Punkt.

Steuer-Trickserei verzögert Entlastung zusätzlich

Erschwerend kommt hinzu: Die Versteuerung findet nicht an der Zapfsäule statt, sondern wenn der Kraftstoff die Raffinerie oder das Großlager verlässt. Über das verlängerte Wochenende wurde größtenteils noch alter, voll versteuerter Sprit verkauft. Die Branche argumentiert gern mit diesem Zeitversatz — verschweigt aber, dass sie die Preise bereits am Freitag hätte senken können, wenn sie gewollt hätte. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) machte vorab unmissverständlich klar: „Das ist keine Bitte, das ist eine klare Erwartung.“ SPD-Fraktionsvize Armand Zorn wird noch deutlicher: „Die Abzocke muss enden, und zwar schnell“, zitiert ihn die WirtschaftsWoche. Das Bundeskartellamt hat immerhin einen Live-Ticker eingerichtet, der die täglichen Preissprünge dokumentiert.

Einziger Tipp für Autofahrer: morgens tanken, kurz vor der Mittagsspitze. Apps zum Preisvergleich nutzen. Mehr bleibt nicht, solange die 12-Uhr-Regel gilt.

Business Punk Check

Der Tankrabatt entlarvt das politische Wunschdenken in seiner ganzen Peinlichkeit: Man drückt den Konzernen 1,6 Milliarden Euro Steuerentlastung in die Hand — ohne jede Verpflichtung zur Weitergabe. Gleichzeitig hält man an einer Regel fest, die tägliche Preissprünge legitimiert. Das ist keine Politik, das ist organisierte Naivität. Die Ökonomin Monika Schnitzer nennt den Tankrabatt einen „großen Fehler“ und hat recht: Höhere Spritpreise signalisieren Knappheit.

Wer das wegsubventioniert, blockiert Verhaltensänderungen. Wohlhabende mit hohem Verbrauch profitieren überproportional, während Menschen ohne Auto leer ausgehen. Der Tankrabatt ist Klientelpolitik für SUV-Fahrer — finanziert von allen Steuerzahlern. Besser wäre: 12-Uhr-Regel abschaffen, Konzerne zu echter Transparenz zwingen, und Entlastung gezielt an Pendler mit niedrigem Einkommen zahlen. Aber das würde Mut erfordern.

Häufig gestellte Fragen

Warum kommt der Tankrabatt nicht vollständig an?

Die Mineralölkonzerne geben die Steuersenkung von 16,7 Cent nicht komplett weiter. Laut ADAC sanken die Preise nur um etwa 12-13 Cent. Zusätzlich nutzen Tankstellen die 12-Uhr-Regel für tägliche Preiserhöhungen, die den Rabatt weiter auffressen.

Was ist die 12-Uhr-Regel?

Die Regel erlaubt Tankstellen eine Preiserhöhung pro Tag. Was Transparenz schaffen sollte, nutzen Konzerne zur systematischen Preistreiberei. Seit ihrer Einführung steigen die Spritpreise kontinuierlich — auch während des Tankrabatts.

Wann tanke ich am günstigsten?

Am späten Vormittag, kurz vor der Mittagsspitze. Apps zum Preisvergleich zeigen regionale Unterschiede von bis zu 7 Cent pro Liter. Das Bundeskartellamt empfiehlt, Preise aktiv zu vergleichen, da die Unterschiede aktuell größer sind als üblich.

Wie lange gilt der Tankrabatt?

Bis Ende Juni 2025. Die befristete Maßnahme kostet den Staat bis zu 1,6 Milliarden Euro Steuerausfälle. Wirtschaftsexperten kritisieren den Rabatt als sozial ungerecht, da vor allem wohlhabende Vielfahrer profitieren.

Quellen: heise, WirtschaftsWoche

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