Business & Beyond 30.000 Euro pro Wohnung: Der Staat will leerstehende Büros in Wohnraum verwandeln

30.000 Euro pro Wohnung: Der Staat will leerstehende Büros in Wohnraum verwandeln

Ab heute lockt der Bund mit 30.000 Euro pro Wohneinheit für den Umbau von Gewerbe zu Wohnraum. Doch hinter den 300 Millionen Euro steckt mehr als nur ein Förderprogramm – es ist die Chance, brachliegende Assets in Cashflow-Maschinen zu verwandeln.

Zwölf Millionen Quadratmeter leerstehende Büroflächen. Verwaiste Ladenlokale in Innenstadtlagen. Alte Dorfschulen ohne Schüler. Während Deutschland über Wohnungsnot diskutiert, vergammeln Millionen von Quadratmetern vor sich hin. Juli will Bundesbauministerin Verena Hubertz diese Verschwendung beenden – mit klingender Münze.

Das neue Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ stellt 300 Millionen Euro bereit, um ungenutzten Büro- und Gewerbeimmobilien eine zweite Chance zu geben, wie WirtschaftsWoche berichtet. Die Rechnung ist simpel: Bis zu 30.000 Euro Zuschuss pro neuer Wohneinheit, maximal 300.000 Euro je Investor. Kein Darlehen, kein KfW-Kredit – pures Fördergeld, das nicht zurückgezahlt werden muss.

Das Potenzial: Zwischen Hype und Realität

Die Zahlen klingen verlockend. Immobilienspezialist Jones Lang LaSalle (JLL) sieht allein in ungenutzten Büroflächen das Potenzial für rund 11.000 Wohnungen in den sieben größten Städten. Das Ifo-Institut geht sogar von bis zu 60.000 möglichen Wohnungen in diesen Großstädten aus. „Das sind Gebäude, die einmal voller Leben waren, und nun stillstehen, während so viele Menschen nach Wohnraum suchen“, sagte Hubertz laut WirtschaftsWoche in Berlin.

Ein Praxisbeispiel zeigt, wie das aussehen kann: In der Leipziger Straße in Berlin-Mitte entsteht aus einem alten Rundfunkgebäude ein Wohnkomplex mit 28 Einheiten. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erweckt das jahrelang leerstehende Gebäude zu neuem Leben, so Handelsblatt. Bei 30.000 Euro Förderung pro Einheit wären das allein für dieses Projekt 840.000 Euro staatlicher Zuschuss.

Die Crux: Wenn die Rechnung nicht aufgeht

Doch zwischen Fördertopf und Rendite lauern erhebliche Stolpersteine. Das Ifo-Institut stellte 2024 fest: In vielen Fällen rechnet sich der Umbau schlicht nicht. Bürogebäude sind für ganz andere Zwecke entworfen – große Grundrisse, zentrale Sanitäranlagen, fehlende Tageslichtkonzepte für Wohnräume. Der Umbau wird schnell zum finanziellen Fass ohne Boden.

Hinzu kommen explodierende Baukosten der vergangenen Jahre. Und selbst wenn das Gebäude technisch umbaubar ist: Wer will schon in einem ehemaligen Gewerbepark wohnen, wenn Schulen, Kitas, Nahverkehr und Parks fehlen? Die Infrastruktur-Frage kann selbst das großzügigste Förderprogramm nicht lösen.

Business Punk Check

Das Programm ist ein klassischer State-Move: viel politisches Getöse, moderates Budget. 300 Millionen Euro klingen nach viel – reichen aber gerade mal für 10.000 Wohneinheiten. Bei geschätzten 60.000 möglichen Einheiten in Großstädten kratzt das kaum an der Oberfläche. Für Investoren gilt: Die 30.000 Euro sind nice to have, aber nicht game-changing. Wer rechnen kann, prüft vorher: Lage, Bausubstanz, Infrastruktur-Anbindung.

Nur weil der Staat zahlt, wird aus einer schlechten Immobilie keine gute. Smart Money wartet auf die Fälle, wo das Fördergeld aus einem knappen Deal einen profitablen macht – nicht umgekehrt. Die eigentliche Chance liegt woanders: Wer jetzt strategisch kauft und auf spätere Quartiersentwicklung setzt, gewinnt langfristig. State-Subventionen sollten der Türöffner sein, nicht das Geschäftsmodell.

Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt

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