Business & Beyond Energiemarkt schlägt Geldpolitik: EZB Zinswende wird zum Risiko

Energiemarkt schlägt Geldpolitik: EZB Zinswende wird zum Risiko

Kapitalmärkte in der Zwickmühle

Europäische Aktien zeigen sich erstaunlich robust. Der EURO STOXX 600 legte in drei Monaten um 6 Prozent zu, obwohl der Nahostkonflikt die Nerven strapaziert. Doch Florian Späte von Generali Investments warnt vor einer Entkopplung. Seit April spiegelten Staatsanleihen Inflations- und Fiskalrisiken, während Anleger bei Aktien und Unternehmensanleihen auf einen günstigen Ausgang setzten. Sollte die Straße von Hormus bis in den Sommer gesperrt bleiben, würde die Inflation neu entfachen. Die Finanzierungsbedingungen würden sich verschärfen, Aktien und Unternehmensanleihen wieder mit den Zinsen korrelieren.

Ann-Katrin Petersen vom Blackrock Institute sieht die Kapitalmärkte in einem Spannungsfeld. Auf der einen Seite kräftiges Gewinnwachstum, vor allem in den USA und ausgewählten Schwellenländern. Auf der anderen Seite steigende Zinsen durch anhaltenden Inflationsdruck. Der Ausbau der Künstlichen Intelligenz erhöhe die Kapitalnachfrage zusätzlich – nicht nur für Technologie, sondern auch für Energiesicherheit und Infrastruktur. Das verstärke den Wettbewerb um Kapital und treibe die langfristigen Renditen nach oben.

Diversifikation wird zur Illusion

Der klassische Aktien-Anleihen-Mix verliert an Wirkung. Steigende Renditen bei schwächeren Aktienkursen zeigen laut FAZ, dass Staatsanleihen in einem Umfeld mit Angebotsknappheiten, hartnäckiger Inflation und steigenden Staatsschulden weniger verlässlich diversifizieren. Auch breit gestreute Indizes täuschen. Der Anteil der Informationstechnologie in den MSCI-Indizes für die USA und Schwellenländer hat sich seit Einführung von ChatGPT 2022 fast verdoppelt.

Entscheidend sei zunehmend, welche wirtschaftlichen Treiber und Risiken ein Portfolio tatsächlich enthalte – nicht die Zuordnung klassischer Anlageklassen. Lotfi Karoui von Pimco widerspricht der gängigen Marktmeinung, dass KI-bezogene Schuldenemissionen die Renditen nach oben treiben. Der jüngste Renditenanstieg spiegele vielmehr veränderte Erwartungen an die Wirtschaftspolitik und eine Neubewertung des Zinspfads der US-Notenbank. Die Rahmenbedingungen für Gesamterträge im Rentenmarkt hätten sich eher verbessert.

Business Punk Check

Die EZB steckt in der Falle. Sie kann die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen – aber damit würgt sie die ohnehin schwache Konjunktur ab. Sie kann abwarten – aber dann riskiert sie, dass sich die Inflation verfestigt. Die Wahrheit: Geldpolitik ist gegen geopolitische Schocks machtlos. Solange die Straße von Hormus gesperrt bleibt, wird die Inflation nicht verschwinden. Die EZB kann nur Schadensbegrenzung betreiben. Für Unternehmen bedeutet das: Finanzierungskosten steigen, Planungssicherheit schwindet.

Wer jetzt auf billige Kredite setzt, wird enttäuscht. Wer auf stabile Energiepreise hofft, ist naiv. Die Märkte preisen derzeit einen günstigen Ausgang ein – ein gefährlicher Optimismus. Sollte der Konflikt eskalieren, werden Aktien und Unternehmensanleihen abstürzen. Die klassische Diversifikation funktioniert nicht mehr. Entscheidend ist, welche wirtschaftlichen Treiber im Portfolio stecken – nicht die Etikettensammlung. Die EZB wird am Donnerstag handeln. Aber sie wird keine Klarheit schaffen. Sie wird sich alle Optionen offenhalten und auf neue Daten reagieren. Das ist keine Strategie – das ist Krisenmanagement.

Quellen: Wallstreet Online, FAZ, Handelsblatt

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